Das Wichtigste in 30 Sekunden:
- ✓Cushing (PPID) = chronische Hormonstörung der Hirnanhangdrüse, meist ab 10 Jahren.
- ✓Leitsymptom: langes, lockiges Fell, das nicht wechselt (Hirsutismus).
- ✓Diagnose: Bluttest (ACTH-Wert) beim Tierarzt — nicht selbst raten.
- ✓Behandlung: Pergolid (Prascend) nur nach tierärztlicher Verordnung.
- ✓Knochenbrecher-Begleitung: Futter-, Gewicht- und Huf-Beobachtung — kein Tierarzt-Ersatz.
Keine Heilversprechen: Wir sind Knochenbrecher, keine Tierärzte.
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Auf einen Blick
Was du wissen musst:
- Cushing (PPID) ist eine chronische, degenerative Erkrankung der Hirnanhangdrüse — nicht heilbar, aber gut kontrollierbar.
- Leitsymptom ist das lange, lockige Fell, das nicht oder spät abgeworfen wird (Hirsutismus) — dazu Muskelschwund, starker Durst und häufige Hufrehe.
- Die Diagnose stellt der Tierarzt per Bluttest (ACTH-Wert), am besten im Spätsommer oder Herbst.
Was du tun solltest:
- Bei Verdacht: Tierarzt kontaktieren und ACTH-Bluttest durchführen lassen.
- Therapie nach tierärztlicher Verordnung — meist Pergolid (Prascend), Dosis individuell an ACTH-Werte anpassen.
- Futter zucker- und stärkearm umstellen, Hufschmied-Intervalle verkürzen, Gewicht kontrollieren.
Knochenbrecher-Begleitung als Ergänzung zur tierärztlichen Behandlung möglich — keine Therapie und kein Tierarzt-Ersatz.
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Dein Pferd bekommt im Mai noch das lange Winterfell, kraus und struppig, als hätte es den Frühling verschlafen. Der Wassereimer ist immer leer, der Hals wird dick, der Rücken weich — und du fragst dich, ob da mehr dahintersteckt als nur Alter. Cushing. PPID. Ein Begriff, der Pferdebesitzer über ein gewisses Alter oft beschäftigt, und zu Recht: Es ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen beim älteren Pferd, und sie kommt nicht selten vor — aber sie ist behandelbar.
Ich bin kein Tierarzt. Das vorab, und ich sag’s gerne — gerade beim Thema Cushing ist das wichtig, weil die Diagnose und die Medikation zwingend in tierärztliche Hand gehören. Was ich dir hier gebe, kommt aus über dreißig Jahren mit Pferden, aus dem, was ich in Ställen gesehen und beobachtet habe — nicht aus einem Labor. Bei Cushingverdacht gilt: Tierarzt zuerst, Bluttest, dann Medikation. Was ich beitragen kann, ist der Blick aufs Ganze — Futter, Gewicht, Hufe, Fell, den Alltag mit einem Cushing-Pferd — und das ist nicht wenig.
Dieser Artikel ist für dich als Pferdehalter, damit du die Warnsignale früh erkennst, weißt, worüber du mit dem Tierarzt sprichst, und deinen Teil im Management eines PPID-Pferdes sauber hinbekommst. Nicht mehr, nicht weniger.
Hinweis: Ich bin kein Tierarzt — Diagnose und Behandlungsentscheidungen gehören in tierärztliche Hand. Dieser Artikel informiert und ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Was ist Cushing beim Pferd?
Cushing beim Pferd — fachlich PPID, Pituitary Pars Intermedia Dysfunction — ist eine chronische Hormonstörung der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Vereinfacht gesagt: Ein bestimmter Teil der Hirnanhangdrüse, der Zwischenlappen (Pars intermedia), degeneriert im Laufe des Lebens und schüttet unkontrolliert zu viel des Hormons ACTH aus. ACTH wiederum regt die Nebennierenrinde an, dauerhaft zu viel Cortisol ins Blut abzugeben. Cortisol ist in normalen Mengen lebenswichtig — im Überfluss schädigt es nahezu jeden Stoffwechselweg des Körpers: Es schwächt das Immunsystem, stört den Zuckerstoffwechsel, baut Muskulatur ab und fördert Fetteinlagerungen an untypischen Stellen.
Wichtig: PPID ist eine degenerative Alterserkrankung. Sie kann bereits ab einem Alter von etwa zehn Jahren auftreten — nicht erst, wie früher angenommen, ab fünfzehn. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter deutlich an: Bei Pferden über zwanzig Jahren ist ein erheblicher Anteil betroffen (Schätzungen je nach Studie ~20–30 % und mehr der alten Pferde). Dabei gibt es prädisponierte Rassen — Ponys und robuste Rassen wie Islandpferde, Haflinger, Noriker scheinen häufiger betroffen zu sein, wenngleich keine Rasse wirklich ausgenommen ist.
PPID ist nicht heilbar. Das muss man klar sagen. Aber — und das ist die gute Nachricht — sie lässt sich mit der richtigen Diagnose und einer konsequenten, lebenslangen medikamentösen Einstellung sehr gut kontrollieren. Viele PPID-Pferde erreichen bei guter Führung noch viele Jahre guter Lebensqualität. Ohne Behandlung verschlechtert sich der Zustand stetig, und die häufigste und gefährlichste Folgeerkrankung — die Hufrehe — kann das Pferd dauerhaft lahmen oder im schlimmsten Fall zum Einschläumen zwingen.
Cushing erkennen: Die wichtigsten Warnsignale
PPID entwickelt sich schleichend. Die meisten Pferdebesitzer bemerken zuerst das Fell — und das ist auch tatsächlich das Leitsymptom. Aber es gibt mehr, und wer früh aufmerksam wird, kann dem Tierarzt ein klareres Bild liefern und früher handeln.
Typische Symptome, die auf Cushing hindeuten können:
Verzögerter oder ausbleibender Fellwechsel (Hirsutismus): Das deutlichste Signal. Das Pferd behält das lange, lockige Winterfell bis weit in den Sommer, wirft es spät oder gar nicht ab. Das Fell wirkt struppig, kraus, dicht — manche Besitzer beschreiben es als „yeti-artig“. Bei einem gut eingestellten PPID-Pferd normalisiert sich der Fellwechsel unter Therapie wieder — ein guter Verlaufsindikator.
Muskelschwund und Fettumverteilung: Der Rücken wird weich, die Kruppe verliert an Kontur, die Topline verschwindet. Gleichzeitig sammeln sich Fettdepots an untypischen Stellen: ein dicker, fester Nackenkamm („Kammfett“), Polster über den Augen, die die Kuhlen auffüllen, und Fett an der Schweifwurzel. Das Pferd wirkt paradox — untenrum dünn, obenrum fettig.
Gesteigerter Durst und vermehrtes Urinieren (Polydipsie/Polyurie): Das Pferd trinkt auffällig mehr, der Wassereimer leer sich schneller als sonst, die Box ist nasser. Das kommt durch den gestörten Cortisolhaushalt und ist ein klassisches, oft übersehenes Signal.
Wiederkehrende Hufrehe: Das größte Risiko. PPID-Pferde neigen über den gestörten Glukose- und Insulinstoffwechsel zu Hufrehe — oft ohne offensichtlichen Futterfehler. Wer wiederkehrende Hufrehe bei einem älteren Pferd erlebt, sollte PPID unbedingt abklären lassen. Mehr dazu im Leitfaden Hufrehe Symptome erkennen.
Schwächeres Immunsystem und schlechte Wundheilung: Kleine Verletzungen heilen schlechter, Hautinfektionen (Mauke, Sommerekzem) werden hartnäckiger, Abszesse kommen wieder. Das Cortisol im Überfluss unterdrückt die Abwehr — chronische oder wiederkehrende Infekte bei einem älteren Pferd sind ein Warnsignal.
Leistungsabfall und Trägheit: Das Pferd wirkt lustlos, braucht länger zum Aufwärmen, kommt nicht mehr auf Touren. Manche Besitzer schreiben das dem Alter zu — und übersehen, dass PPID dahintersteckt.
Übermäßiges Schwitzen: Schwitzen ohne erkennbare Anstrengung oder bei leichter Arbeit unverhältnismäßig stark — ein mögliches Signal der gestörten Thermoregulation.
Bei Stuten: Störungen des Rossezyklus. Rosse werden unregelmäßig oder bleiben aus — das hormonelle Gleichgewicht ist gestört.
Schweregrad abschätzen — die wichtigsten Indikatoren:
- Frühstadium: Nur Fellwechsel verzögert, einzelne lange Haare, sonst unauffällig. ACTH grenzwertig oder leicht erhöht. Tierarzt konsultieren.
- Mittelgrad: Vollbild Fell, Muskelschwund sichtbar, Durst erhöht, erste Hufrehe-Episode oder -Anzeichen. ACTH deutlich erhöht. Behandlung dringend.
- Schwer / fortgeschritten: Vollbild, wiederkehrende Hufrehe, chronische Infekte, deutlicher Leistungsabfall, Hängebauch, dünne Haut. Lebensqualität trotz Therapie gefährdet — engmaschige tierärztliche Begleitung.
Wichtig: Diese Anzeichen sind keine Selbstdiagnose. Sie überlappen mit anderen Erkrankungen — EMS (Equines Metabolisches Syndrom) ist die häufigste Differenzialdiagnose, und beide treten gemeinsam bei 15 bis 30 Prozent der PPID-Pferde auf. Eine sichere Zuordnung und die Unterscheidung PPID vs. EMS vs. beides gehört in die Hand des Tierarztes. Lohnend ist auch der Blick auf unseren Leitfaden EMS beim Pferd, der die Stoffwechsel-Seite der Medaille beschreibt.
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Ursachen — was zu PPID führen kann
PPID ist eine degenerative Erkrankung — sie entsteht nicht durch einen einzigen Auslöser, sondern durch ein allmähliches Absterben der dopaminergen Nervenfasern, die den Zwischenlappen der Hirnanhangdrüse regulieren. Ohne diesen natürlichen „Bremser“ schüttet die Drüse unkontrolliert ACTH aus. Warum genau diese Nervenfasern degenerieren, ist Gegenstand aktueller Forschung — oxidativer Stress, chronische Entzündung und genetische Prädisposition werden diskutiert, aber es gibt noch kein letztes Wort.
Was man weiß:
Alter: Der wichtigste Risikofaktor. Die Degeneration nimmt mit den Jahren zu — PPID ist eine typische Alterserkrankung des Pferdes. Ab zehn Jahren ist mit ersten Fällen zu rechnen, ab fünfzehn wird es deutlich häufiger, über zwanzig ist ein erheblicher Anteil betroffen.
Rasse und Genetik: Robuste Rassen und Ponys — Islandpferde, Haflinger, Noriker, Welsh, Koniks — scheinen häufiger und früher betroffen zu sein. Das deutet auf eine genetische Komponente, auch wenn keine Rase wirklich ausgenommen ist.
Begleiterkrankungen: EMS (Equines Metabolisches Syndrom) und Insulinresistenz treten oft zusammen mit PPID auf — und sie verstärken sich gegenseitig im Hufrehe-Risiko. Wer ein Übergewichtspferd mit Fettdepots am Hals hat, sollte immer beide im Blick haben.
Kein klassischer Auslöser: Anders als Kolik (Fütterung, Haltung) oder Hufrehe (Futterüberladung, Steroide) hat PPID keinen einzelnen, vermeidbaren Trigger. Man kann PPID nicht durch gutes Management „verhindern“ — man kann nur früh erkennen und rechtzeitig behandeln. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Pferdekrankheiten.
Genau deshalb ist die Jahres-Checkliste so wichtig: Ab zehn Jahren einmal im Jahr ACTH messen lassen, ab fünfzehn unbedingt. Wer wartet, bis das Vollbild da ist, hat wertvolle Zeit verloren — und oft schon Hufrehe.
Diagnose: So geht der Tierarzt vor
Die Diagnose PPID ist eine Blutdiagnostik — und sie gehört ausschließlich in tierärztliche Hand. Der Tierarzt hat ein klares Protokoll:
1. Anamnese und klinische Untersuchung: Fellzustand, Körperbau, Fettverteilung, Muskelstatus, Hufkontrolle (Hufrehe-Zeichen?), Wundheilung, Durst, Leistung. Oft gibt schon das klinische Bild einen deutlichen Hinweis.
2. ACTH-Bluttest (Basisdiagnostik): Der wichtigste Wert. Ein ACTH-Wert über dem Referenzbereich (typischerweise unter 47 pg/ml, je nach Labor) ist ein starker Hinweis auf PPID. Wichtig: ACTH schwankt jahreszeitlich — im Spätsommer und Herbst (August bis Oktober) ist es physiologisch erhöht. Ein leicht erhöhter Herbstwert ist daher zurückhaltend zu bewerten, ein deutlich erhöhter Frühjahrswert dagegen ist nahezu beweisend. Proben-Handling (gekühlt, rasch ins Labor) ist kritisch — falsche Handhabung verfälscht den Wert.
3. TRH-Stimulationstest: Wenn der Basis-ACTH-Wert grenzwertig oder unklar ist. Nach Gabe von TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) steigt ACTH bei PPID-Pferden übermäßig an. Der Test erkennt vor allem frühe PPID-Fälle zuverlässiger als der alleinige Basis-ACTH-Wert und wird meist im Frühjahr durchgeführt, um den saisonalen Herbst-Effekt zu umgehen.
4. Insulin-Messung: Wegen der häufigen Begleiterkrankung Insulinresistenz / EMS. Ein erhöhtes Insulin identifiziert Pferde mit erhöhtem Hufrehe-Risiko und bestimmt, ob zusätzlich zur PPID-Therapie ein Stoffwechsel-Management nötig ist.
5. Weitere Blutwerte: Glukose, Leptin (Adipositas-Marker) runden das Bild ab. Ein oraler Zucker-Toleranztest (OST) kann die postprandiale Insulin-Antwort prüfen — wichtig bei EMS-Verdacht.
Der veraltete Dexamethason-Suppressionstest wird heute nicht mehr empfohlen — er ist weniger spezifisch und bei PPID-Pferden mit Hufrehe-Risiko wegen der Cortisol-Belastung problematisch.
Aus diesen Befunden entscheidet der Tierarzt: behandeln oder weiter beobachten, welche Dosis, wann kontrollieren. Halte für den Tierarzt bereit: Fellfotos aus dem letzten Jahr, Trinkmenge (Eimer-Zählung), Futterprotokoll, frühere Hufrehe-Episoden, aktuelle Medikamente. Je genauer deine Dokumentation, desto schneller kann der Tierarzt die richtige Dosis finden.
Behandlung — was möglich ist
Die Behandlung von PPID richtet sich nach dem Schweregrad und dem individuellen ACTH-Verlauf. Die wichtigsten Säulen:
Medikamentöse Therapie — Pergolid (Prascend): Pergolid ist ein Dopaminagonist — es ersetzt den ausgefallenen natürlichen Bremser und hemmt die ACTH-Freisetzung aus dem Hypophysenzwischenlappen. Handelsname Prascend®, seit einiger Zeit auch als Generikum erhältlich. Die Therapie ist lebenslang — Pergolid heilt nicht, es kontrolliert. Niedrige Startdosis, schrittweise Anpassung nach klinischem Ansprechen und den ACTH-Kontrollwerten. Wirkstoffvorteil: Viele Pferde normalisieren unter Pergolid den Fellwechsel, die Trinkmenge und — ganz entscheidend — das Hufrehe-Risiko sinkt. Kosten: Prascend® typischerweise 80 bis 120 Euro pro Monat, Generikum 40 bis 70 Euro. Nebenwirkungen: Anorexie (10 bis 20 Prozent der behandelten Pferde, meist vorübergehend), Lethargie (10 bis 15 Prozent), Durchfall (selten). Pergolid wird ausschließlich nach tierärztlicher Verordnung eingesetzt — niemals selbst geben.
Therapiekontrolle: ACTH-Wert nach vier bis sechs Wochen kontrollieren, dann halbjährlich bis jährlich. Der Herbstanstieg wird bei eingestellten Pferden kontrolliert, die Dosis ggf. angepasst. Ein Notizheft mit Datum, ACTH-Wert, Dosis, Fellzustand, Gewicht — vier Einträge im Jahr — macht die Einstellung deutlich einfacher und spart am Ende bares Geld.
Fütterungsmanagement: Zucker- und stärkearme Fütterung ist der zweite Pfeiler. Raufutter als Basis — Heu, analysiert auf NSC (nicht-strukturelle Kohlenhydrate), Ziel unter 10 Prozent. Kein Getreide, kein Müsli, kein zuckerhaltiges Kraftfutter. Frühlingsgras und Herbstgras (hoher Fruktangehalt) konsequent einschränken — Fresskorb, Stallzeiten oder sandbedeckter Paddock statt freier Weide. Heunetze verwenden, um die Fresszeit zu verlängern und lange Fresspausen zu vermeiden. Mineralfutter mit Zink, Kupfer und Vitamin E unterstützt das Immunsystem — in Absprache mit dem Tierarzt.
Hufpflege und Hufrehe-Prävention: Engmaschige Hufkontrolle, Hufschmied-Intervall auf fünf bis sechs Wochen verkürzen. Bei jedem Schmiedbesuch: Huf auf Wärme, Ringe, veränderte Wand-Struktur kontrollieren. Weiche Einstreu (Sägespäne, Sand) gibt dem Huf Entlastung. Bei Hufrehe-Verdacht: sofort tierärztliche Behandlung, Schmerzmanagement, Röntgenkontrolle.
Bewegung und Gewicht: Tägliche moderate Bewegung fördert Durchblutung und Stoffwechsel und verbessert die Insulinsensitivität — aber nie bei akuter oder rezidivierender Hufrehe. Gewicht kontrollieren, Body-Condition-Score (BCS) regelmäßig prüfen, Ziel 5/9. Übergewicht ist ein eigenständiger Hufrehe-Risikofaktor und muss konsequent angegangen werden.
Was die Behandlung nicht leistet: PPID ist nicht heilbar. Pergolid normalisiert die Symptome und senkt die Risiken — aber die Hypophysendegeneration schreitet fort. Wer die Medikation absetzt, riskiert einen schnellen Rückfall und eine Hufrehe-Episode. Konstanz ist entscheidend: Medikament täglich zur gleichen Zeit, Routine einhalten, Pergolid nicht einfach weglassen, wenn es „besser geht“ — es geht nur besser, weil es gegeben wird.
Manuelle Knochenbrecher-Begleitung — wo wir uns einbringen
Bei PPID gibt es keine manuelle Alternative zur tierärztlichen Diagnose und Medikation. PPID ist eine endokrine Erkrankung, kein muskuläres oder skelettales Problem. Was ich als Knochenbrecher-Begleiter tun kann, liegt im Bereich Beobachtung, Futter- und Gewicht-Management und der Reha nach Hufrehe — nicht in der Behandlung der Grunderkrankung. Wer dir etwas anderes verspricht, ist nicht ehrlich.
Das muss klar sein, und ich bin der Erste, der das sagt: PPID ist keine Erkrankung, die ich mit den Händen behandle. Wenn dein Pferd Cushing hat, gehst du zum Tierarzt — nicht zu mir. Ich bin kein Tierarzt, und meine Hände stellen keine Hormonachse ein. Wer das behauptet, macht was falsch.
Wo ich mich einbringen kann, ist drumherum:
Vorher und dabei — Beobachtung: In meiner Arbeit sehe ich viele ältere Pferde regelmäßig, und ich sehe, wie sie gefressen werden, wie sie stehen, wie sich Fell, Muskulatur und Hufe entwickeln. Wenn mir etwas auffällt — verzögerter Fellwechsel, ein weicher Rücken, der nicht nur vom Alter kommt, Hufwärme, ein dicker Nacken — dann sag ich das. Ich bin kein Diagnostiker, aber ich bin oft genug im Stall, um Muster zu erkennen, bevor sie zum Vollbild werden. Das ist keine Therapie, das ist Aufmerksamkeit. Wenn ich einen Verdacht auf PPID habe, ist mein nächster Satz: „Lass beim Tierarzt den ACTH-Wert messen.“ Nicht ich. Ich bin der richtige Ansprechpartner für das, was drumherum passiert — nicht für die Diagnose.
Futter- und Gewicht-Begleitung: Ein PPID-Pferd braucht ein konsequentes Futtermanagement, und hier kann ich aus meiner Praxis Erfahrung beisteuern — nicht als Ernährungsberater, sondern als jemand, der über dreißig Jahre in ostfriesischen Ställen steht und gesehen hat, welche Futterpraktiken Pferden guttun und welche nicht. Heu statt Kraftfutter, Heuanalyse statt Bauchgefühl, Weidekontrolle statt freier Lauf. Wenn du unsicher bist, was du füttern sollst: Tierarzt und gegebenenfalls eine auf Pferde spezialisierte Ernährungsberatung sind die kompetenten Adressen — ich kann aus meiner Erfahrung heraus Hilfestellung geben, ersetze aber keine qualifizierte Futterberatung.
Danach — Reha nach Hufrehe: Wenn ein PPID-Pferd eine Hufrehe-Episode durchgemacht hat, braucht der Körper Zeit und supportive Begleitung. Was ich tun kann, ist den Körper in der Reha-Phase manuell begleiten: Verspannungen lösen, die sich aus der Schonhaltung entwickelt haben, den Rücken mobilisieren, der durch die Entlastung steif geworden ist, den Gesamttonus regulieren. Das ersetzt keine tierärztliche und keine huforthopädische Nachsorge — es ergänzt sie, in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt.
Was Halter NICHT von mir erwarten sollten: Keine Diagnose PPID. Keine Medikamentengabe, kein Absetzen oder Anpassen von Pergolid. Keine Alternative zum Tierarzt. Kein Versprechen, dass manuelle Begleitung PPID heilt oder Hufrehe verhindert. Ein PPID-Pferd kann trotz bester Begleitung eine Hufrehe bekommen — die Grunderkrankung ist endokrin, und die Medikation ist entscheidend.
💡Knochenbrecher-Begleitung bei Reha nach Hufrehe — in Absprache mit dem Tierarzt. Termin vereinbaren →
Aus der Praxis — was ich in dreißig Jahren gesehen habe
Die folgenden Beobachtungen sind persönliche Praxis-Erfahrungen aus über dreißig Jahren mit Pferden. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose und sind keine Garantie für einen individuellen Behandlungserfolg.
Seit ich vier war, stand ich im Stall — zuerst bei meinem Großvater, hab ihm zugesehen, hab gelernt, wie man ein Pferd anfasst und fühlt. In der Zeit erkennt man so seine Muster. PPID hat ein paar Gesichter — und anders als beim ISG, wo ich mit den Händen etwas spüre und tun kann, ist die Hormonachse ein Fall für den Tierarzt. Immer. Was ich beschreibe, ist das Drumherum — nicht die Erkrankung selbst.
Erstes Gesicht: Der alte Wallach, der im Mai noch im Winterfell steht. Da kommt jemand in den Stall und sagt: „Der wirft das Fell nicht — liegt am Alter.“ Und dann steht das Pferd im Juni immer noch struppig da, der Rücken ist weich, der Wassereimer leer. Wenn ich das Pferd abtaste, spüre ich den Muskelschwund am Rücken — die Topline, die mal da war, ist weich geworden, die Kruppe hat an Kontur verloren. Ich kann das nicht heilen. Aber ich kann den Satz sagen: „Lass den Tierarzt den ACTH-Wert messen, das ist kein normales Alter-Fell.“ Oft — nicht immer — kommt dann die Diagnose PPID. Und mit Pergolid und konsequentem Futtermanagement kommt das Pferd zurück. Das Fell wechselt wieder. Der Rücken fängt an, Muskulatur aufzubauen — langsam, aber es geht. Das ist keine Heilung der PPID. Das ist der Effekt einer richtigen Diagnose und einer konsequenten Therapie, und ich bin nur der, der rechtzeitig hingewiesen hat.
Zweites Gesicht: Das PPID-Pferd, das trotzdem Hufrehe bekommt. Das ist das Gesicht, das man nicht vergisst. Das Pferd ist eingestellt, der ACTH-Wert im Normbereich, Pergolid wird gegeben — und dann, im April, nach dem ersten Frost-Tauwetter, steht das Pferd plötzlich in der Rehestellung. Die Diagnose PPID war richtig, die Therapie war richtig — aber die begleitende EMS-Komponente war übersehen worden. Wenn ein PPID-Pferd trotzdem Hufrehe bekommt, ist oft eine Insulin-Dysregulation nicht erkannt worden. In dem Fall INSULIN messen lassen — nicht nur ACTH. Ich bin kein Tierarzt, und ich kann den Stoffwechsel nicht einstellen. Aber ich kann darauf hinweisen. Der Tierarzt behandelt die PPID und das EMS. Ich weise auf das hin, was dazwischen durchgerutscht ist.
Drittes Gesicht: Das Cushing-Pferd in der Reha. Da steht das Pferd nach einer Hufrehe-Episode in der Box, weich eingestreut, vorsichtig belastet. Der Körper hat einen massiven Stress durchgemacht — Schmerz, Entzündung, Wochen der Entlastung. Wenn ich dann komme und den Körper abtaste — langsam, vorsichtig, den Rücken entlang, die Lenden, die Kruppe — dann spüre ich, was die Wochen der Schonung gemacht haben. Nichts Dramatisches, aber eine Steifheit, die sich gelöst hat, wenn man geduldig arbeitet. Das ist keine Heilung der PPID und keine Heilung der Hufrehe. Das ist Reha-Begleitung, in Absprache mit dem Tierarzt, und sie macht einen Unterschied für das Pferd, das wieder auf die Beine kommen will.
Und ich überweise. Wirklich. Wenn ich komme und merke, ein älteres Pferd zeigt Fell-, Muskel- oder Huf-Auffälligkeiten, die Richtung PPID deuten — dann ist mein nächster Vorschlag der Tierarzt. Nicht ich. Ich bin nicht der richtige Ansprechpartner für eine Hormondiagnose, und ich tue nicht so, als ob ich’s wäre. Das ist ein Eingeständnis von Grenzen. Und genau das ist Handwerk.
Cushing-Pferd im Alltag — praktische Tipps für den Stall
Ein Cushing-Pferd braucht kein Sonderprogramm, aber ein bisschen mehr Aufmerksamkeit im täglichen Umgang. Hier sind ein paar Dinge, die ich aus meiner Praxis für wichtig halte:
Medikament täglich zur gleichen Zeit: Pergolid (Prascend) wirkt am besten, wenn du eine konsistente Routine hast. Viele Pferdebesitzer geben es morgens ins Futter. Wenn das Pferd schlecht frisst, kurz vor dem Tier stehen und beobachten, ob es wirklich alles aufnimmt — Pergolid reduziert gelegentlich den Appetit, besonders in den ersten Wochen.
Frühjahrs- und Herbstcheck beim Tierarzt: Die ACTH-Werte schwanken jahreszeitlich — im Herbst sind sie natürlich erhöht. Lass die Werte mindestens zweimal im Jahr messen (Frühjahr und nach dem Herbstanstieg), um die Dosierung anzupassen. Ein Notizheft mit Datum, ACTH-Wert, Dosis, Fellzustand, Gewicht — vier Einträge im Jahr — macht die Einstellung deutlich einfacher.
Fellwechsel beobachten: Ein gut eingestelltes Cushing-Pferd sollte wieder normal Fell wechseln. Wenn das Sommerfell Anfang Juli noch nicht gewechselt hat oder das Winterfell bis in den Mai langgekräuselt bleibt — Tierarzt anrufen, Dosis könnte erhöht werden müssen. Scheren hilft im Sommer, ist aber keine Therapie — es ersetzt die fehlende Thermoregulation, nicht die Hormonachse.
Durst im Blick: Wenn das Pferd wieder mehr trinkt als vorher, kann das ein Zeichen sein, dass die Einstellung nicht mehr optimal ist. Einfacher Test: Beobachte, wie oft der Eimer am Tag nachgefüllt wird. Plötzlicher Anstieg = Tierarzt kontaktieren.
Wundheilung beobachten: Cushing-Pferde heilen schlechter. Kleine Schnitte, Schürfwunden oder Insektenstiche, die sich nicht verbessern oder sich entzünden — das ernst nehmen und nicht „warten, ob es sich gibt“.
Verändertes Fressverhalten einordnen: Wenn ein Cushing-Pferd anfängt, Erde oder Sand aufzunehmen, lohnt der Blick auf Mineralstoffversorgung, Magen-Darm-Trakt und Langeweile — die möglichen Ursachen haben wir in Pferd frisst Erde: 5 Ursachen zusammengefasst. Bei anhaltender Sandaufnahme gehört das wegen der Sandkolik-Gefahr in tierärztliche Abklärung.
Hufrehe-Frühzeichen ernst nehmen: Warme Hufe, stark fühlbare Pulsation an den Fesselbeugern, steifer Gang, Pferd liegt öfter — das sind Notfallsignale. Bei jedem Verdacht: sofort den Tierarzt rufen, Hufe kühlen, Weide stoppen. Siehe auch unseren Leitfaden Hufrehe Symptome erkennen.
Hufrehe bei Cushing-Pferden — das größte Risiko
Hufrehe ist bei Cushing-Pferden die häufigste und gefährlichste Komplikation. Der gestörte Glukosestoffwechsel und die oft begleitende Insulinresistenz machen den Huf anfällig für die sogenannte lamelläre Separation — das Horn löst sich von der Huflederhaut. Das tut höllisch weh und kann das Hufbein kippen lassen. Cushing-Pferde gelten als chronische Hufrehe-Risikopatienten, auch wenn die Grunderkrankung medikamentös eingestellt ist.
Was du konkret tun kannst:
Fruktanreiches Gras konsequent meiden — besonders morgens, bei Frost-Tauwetter, im Frühjahr und Herbst. Fresskorb, Stallzeiten oder sandbedeckter Paddock statt freier Weide.
Heu analysieren — NSC-Gehalt unter 10 Prozent anstreben. Heu wässern kann den Zuckergehalt (WSC) senken — 30 bis 60 Minuten in reichlich Wasser einweichen, dann gut abtropfen und zeitnah verfüttern.
Hufschmied-Intervall auf 5 bis 6 Wochen verkürzen statt 8. Bei jedem Schmiedbesuch Huf auf Wärme, Ringe und veränderte Wand-Struktur kontrollieren lassen.
Weiche Einstreu (Sägespäne, Sand) gibt dem Huf Entlastung.
Wenn dein Cushing-Pferd trotz Pergolid Hufrehe-Schübe hat, könnte eine begleitende EMS-Komponente übersehen worden sein. In dem Fall INSULIN messen lassen — nicht nur ACTH. Die ausführliche Hufrehe-Perspektive findest du in unserem Leitfaden Hufrehe Symptome erkennen.
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Kosten und Absicherung
PPID ist eine chronische Erkrankung — die Kosten laufen über Jahre. Eine realistische Orientierung:
- Tierärztliche Konsultation + Bluttest: ca. 80 bis 150 Euro pro Kontrolle (Anfahrt plus ACTH-Labor)
- Prascend® (Pergolid): ca. 80 bis 120 Euro pro Monat — lebenslang. Generikum ca. 40 bis 70 Euro pro Monat.
- Hufschmied (verkürztes Intervall): ca. 400 bis 600 Euro pro Jahr
- Heuanalyse: ca. 50 bis 100 Euro pro Jahr
- Gesamtaufwand pro Jahr: ca. 1.100 bis 2.500 Euro — abhängig von Präparat, Dosis und Begleiterkrankungen
Versicherungsschutz prüfen — am besten, bevor man ihn braucht:
- Pferde-OP-Versicherung: ca. 30 bis 60 Euro pro Monat. Deckt Klinik-Aufenthalte, auch nach Hufrehe-Komplikationen.
- Krankenversicherung für Pferde: kann auch konservative Behandlungskosten und teils Medikamente decken — Bedingungen genau prüfen.
- Rechtzeitiger Abschluss vor Erkrankungen ist wichtig — Versicherungen zahlen nicht für Vorerkrankungen, die bei Abschluss schon bekannt waren.
FAQ — Häufige Fragen zu Cushing (PPID) beim Pferd
Was ist Cushing (PPID) beim Pferd?
Cushing beim Pferd — fachlich PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction) — ist eine chronische, degenerative Erkrankung der Hirnanhangdrüse. Ein bestimmter Teil der Hypophyse degeneriert und schüttet unkontrolliert zu viel ACTH aus, was zu dauerhaft erhöhtem Cortisol führt. Typische Symptome sind langes, lockiges Fell, das nicht wechselt (Hirsutismus), Muskelschwund, starker Durst und häufige Hufrehe. PPID ist nicht heilbar, aber mit Pergolid gut kontrollierbar.
Wie erkenne ich Cushing bei meinem Pferd?
Leitsymptom ist das lange, lockige Fell, das nicht oder spät abgeworfen wird. Dazu kommen Muskelschwund am Rücken und der Kruppe, Fettumverteilung (dicker Nacken, Polster über den Augen, Fett an der Schweifwurzel), gesteigerter Durst, wiederkehrende Hufrehe, schwache Wundheilung und Leistungsabfall. Die Diagnose stellt der Tierarzt per Bluttest (ACTH-Wert).
Ab welchem Alter kann PPID auftreten?
PPID kann bereits ab etwa 10 Jahren auftreten — nicht erst ab 15. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter deutlich an: Bei Pferden über 20 Jahren ist ein erheblicher Anteil betroffen. Robuste Rassen und Ponys (Islandpferde, Haflinger, Noriker) scheinen häufiger und früher betroffen zu sein. Ab 10 Jahren ist eine jährliche ACTH-Kontrolle sinnvoll, ab 15 Jahren unbedingt empfohlen.
Kann PPID geheilt werden?
Nein. PPID ist eine chronische, degenerative Erkrankung — die Hypophysendegeneration schreitet fort. Aber sie lässt sich mit Pergolid (Prascend) lebenslang sehr gut kontrollieren. Viele PPID-Pferde erreichen bei konsequenter Therapie und gutem Management noch viele Jahre guter Lebensqualität. Ohne Behandlung verschlechtert sich der Zustand stetig, und die häufigste Folgeerkrankung — Hufrehe — kann das Pferd dauerhaft lahmen.
Wie lange lebt ein Pferd mit Cushing?
Mit konsequenter Behandlung können Pferde oft noch mehrere Jahre (5 bis 10 Jahre und mehr) bei guter Lebensqualität leben. Die Prognose hängt stark von den Begleiterkrankungen ab. Der wichtigste prognosebestimmende Faktor ist, ob wiederkehrende Hufrehe auftritt — sie verschlechtert die Aussichten deutlich, besonders in Kombination mit einer Insulin-Dysregulation (EMS). Pferde ohne Hufrehe haben unter konsequenter Therapie eine deutlich bessere Langzeitprognose. Belastbare, allgemeingültige Überlebensstatistiken in Prozent gibt es für PPID nicht — die individuelle Prognose stellt der Tierarzt.
Wie wird PPID diagnostiziert?
Die Diagnose stellt der Tierarzt per Bluttest. Basis ist die ACTH-Messung — ein Wert über dem Referenzbereich (typischerweise unter 47 pg/ml, je nach Labor) ist ein starker Hinweis. Da ACTH im Spätsommer und Herbst physiologisch erhöht ist, wird ein grenzwertiger Wert durch den TRH-Stimulationstest abgesichert, der frühe PPID-Fälle zuverlässiger erkennt. Zusätzlich misst der Tierarzt oft Insulin (EMS-Überlappung) und gelegentlich Glukose und Leptin.
Was kostet die PPID-Behandlung pro Jahr?
Medikamente (Prascend®): ca. 960 bis 1.440 Euro pro Jahr, Generikum etwa die Hälfte. Tierarzt-Kontrollen: ca. 150 bis 300 Euro pro Jahr. Hufschmied (verkürztes Intervall): ca. 400 bis 600 Euro pro Jahr. Heuanalyse: 50 bis 100 Euro. Gesamtaufwand: ca. 1.100 bis 2.500 Euro pro Jahr, abhängig von Präparat, Dosis und Begleiterkrankungen. Konkrete Kosten erfragst du bei deinem Tierarzt.
Darf ein Cushing-Pferd auf die Weide?
Ja, aber mit Einschränkungen. Im Frühjahr und Herbst (hoher Fruktangehalt im Gras) sollte der Weidegang stark begrenzt werden — Fresskorb, Stallzeiten oder sandbedeckter Paddock sind gute Alternativen. Bei eingestelltem PPID und gleichzeitigem EMS ist oft eine ganzjährige Weiderestriktion nötig. Was geht: kontrollierter Anweidegang, zuckerarmes Gras, kühle Tageszeiten. Was nicht geht: unbegrenztes Frühjahrsgras nach Frost-Tauwetter.
Kann ich mein Cushing-Pferd noch reiten?
Ja, solange das Pferd nicht unter Hufrehe leidet und sich wohlfühlt. Moderate, regelmäßige Bewegung ist sogar förderlich — sie verbessert die Insulinsensitivität und den Stoffwechsel. Passe das Training dem Fitnesszustand an, vermeide Überlastung. Bei akuter oder rezidivierender Hufrehe: sofortige Bewegungspause, nur Boxenruhe, tierärztliche Anweisung befolgen.
Kann eine Knochenbrecher-Begleitung PPID heilen oder verhindern?
Nein. Eine Knochenbrecher-Begleitung kann PPID weder heilen noch verhindern — PPID ist eine endokrine Erkrankung, die in tierärztliche und medikamentöse Hand gehört. Was ein Knochenbrecher-Begleiter tun kann, ist im Rahmen regelmäßiger Praxisbesuche auf Auffälligkeiten im Fell, Gewicht, Muskulatur und Hufen hinweisen, bei Futter- und Gewicht-Management Hilfestellung geben und die Reha nach einer Hufrehe-Episode manuell unterstützen. Das ersetzt keine tierärztliche Diagnose, keine Medikation und keine Huforthopädie.
Wie kann ich Hufrehe bei meinem Cushing-Pferd vorbeugen?
Die wichtigsten Maßnahmen: konsequente Pergolid-Therapie nach tierärztlicher Verordnung, ACTH-Werte halbjährlich kontrollieren. Zucker- und stärkearme Fütterung, Heu mit NSC unter 10 Prozent, kein Getreide, kein Fruktan-gras. Weidekontrolle durch Fresskorb oder Stallzeiten. Hufschmied-Intervall auf 5 bis 6 Wochen verkürzen, weiche Einstreu. Gewicht kontrollieren, BCS 5/9 anstreben. Insulin messen lassen — nicht nur ACTH, weil eine begleitende EMS-Komponente oft übersehen wird.
Aus Ostfriesland — wenn du in der Region bist
Ich arbeite hauptsächlich im Raum Ostfriesland — Aurich, Wittmund, Norden, Dornum, die Gegend zwischen Küste und Moor. Manchmal auch weiter, wenn’s sein muss, aber hier kenn ich die Ställe, die Böden, die Pferde. Ostfriesland ist Pferdeland. Das war schon immer so.
Wenn du ein älteres Pferd hast und unsicher bist, ob Fell, Muskulatur oder Hufe Richtung PPID deuten — oder wenn dein Cushing-Pferd nach einer Hufrehe-Episode Reha-Begleitung braucht und du im Norden bist: Meld dich. Über die Webseite, per Nachricht — geht einfach. Ich schau mir das an, ich sag dir ehrlich, was ich sehe, und wenn ich der Falsche bin — was bei einer Hormondiagnose immer der Fall ist — dann sag ich das auch und schicke dich zum Tierarzt.
Kein Druck, kein Versprechen. Ich bin kein Wundermacher, und ich sag nie, was ich nicht halten kann. Aber ich hab über dreißig Jahre in dieser Region mit Pferden gearbeitet, und ich weiß, was ein Pferd von hier braucht — im Stall, auf dem Paddock, im Alter.
Mehr zu mir und meiner Arbeit findest du auf der Über-mich-Seite. Kontakt und Impressum im Footer.
Was hinter dem Begriff „Knochenbrecher“ steckt, erkläre ich hier: Knochenbrecher — was ist das?
Mein Tipp für deine Stallapotheke
Gut vorbereitet sein zahlt sich aus: In meiner Stallapotheke findest du passende Ergänzungsmittel zur Unterstützung des Stoffwechsels und der Hufgesundheit deines Pferdes. Hinweis: Bei PPID ist die tierärztliche Diagnose und Medikation entscheidend — Ergänzungsmittel ersetzen weder Tierarzt noch Pergolid.
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Hinweis: Ich bin kein Tierarzt — Diagnose und Behandlungsentscheidungen gehören in tierärztliche Hand. Bei Cushingverdacht kontaktiere deinen Hoftierarzt für einen ACTH-Bluttest.
Quellen und Belege
Medizinische Aussagen
- PPID = degenerative Erkrankung der Hypophysen-Pars-intermedia, ACTH-Freisetzung unkontrolliert: Durham, A.E., et al. (2019): ACVIM Consensus Statement on PPID. J Vet Intern Med.
- PPID-Prävalenz steigt mit dem Alter, ab ca. 10 Jahren möglich, bei ≥15 J. rund ein Fünftel, im hohen Alter ein erheblicher Anteil: McGowan, T.W., et al. (2013): PPID prevalence. Aust Vet J.
- Hirsutismus als Leitsymptom: Durham et al. (2019) ACVIM Consensus Statement; Equimed.de: PPID-Symptome.
- PPID + EMS Überlappung 15–30 %: Durham et al. (2019) ACVIM Consensus Statement.
- ACTH-Bluttest als Basisdiagnostik, saisonale Schwankung August–Oktober: Tierärztliche Hochschule Hannover — Klinik für Pferde; Equimed.de.
- TRH-Stimulationstest zur Absicherung grenzwertiger ACTH-Werte, bessere Früherkennung: Beehan, T.S., et al. (2020): TRH stimulation test. J Vet Intern Med.
- Pergolid (Prascend) als Dopaminagonist, lebenslang, Dosis nach ACTH: Durham et al. (2019) ACVIM Consensus Statement; Pferdeklinik Dülmen.
- Kosten Pergolid (Prascend 80–120 €/Monat, Generikum 40–70 €): Marktübersicht tierärztlicher Apotheken, Stand 2026.
- Nebenwirkungen Pergolid (Anorexie 10–20 %, Lethargie 10–15 %, Durchfall 5–10 %): Durham et al. (2019) ACVIM Consensus Statement.
- NSC-Ziel < 10 %, Heuanalyse, Fruktanrestriktion: Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Gesundheitsratgeber Pferdefütterung; GEH: Pferdefütterungsempfehlungen.
- Hufrehe als häufigste Komplikation, lamelläre Separation, Insulin-Messung bei unzureichendem Ansprechen: Durham et al. (2019); Karikoski, N., et al. (2015): Insulin-Dysregulation und Hufrehe. Equine Vet J.
- Prognose PPID — Hufrehe als wichtigster prognosebestimmender Faktor, bessere Langzeitprognose ohne Hufrehe: Durham et al. (2019) ACVIM Consensus Statement.
- Veralteter Dexamethason-Suppressionstest nicht mehr empfohlen: Durham et al. (2019) ACVIM Consensus Statement.