Dein Pferd steht mit angezogenem Bauch in der Box, scharrt nervös, wirft sich hin und wieder auf – und du spürst dieses kalte Gefühl im Magen. Kolik. Der Albtraum jedes Pferdebesitzers.
Kolik beim Pferd: Der komplette Notfallplan für Pferdebesitzer
Was ist Kolik beim Pferd?
Kolik Pferd Notfallplan
Kolik bezeichnet Bauchschmerzen beim Pferd, die verschiedene Ursachen haben können. Sie ist die häufigste Todesursache bei Pferden nach Unfällen und betrifft bis zu 10% aller Pferde mindestens einmal im Leben. Die gute Nachricht: Mit schnellem Handeln und der richtigen Behandlung können Sie Ihrem Pferd das Leben retten.
Kolik erkennen: Die wichtigsten Warnsignale
Je früher Sie eine Kolik erkennen, desto besser sind die Heilungschancen. Achten Sie auf diese Symptome:
- Unruhe und Nervosität: Das Pferd wirkt angespannt, kann nicht stillstehen
- Schwitzen: Ohne erkennbare Anstrengung oder bei kühlen Temperaturen
- Gähnen: Häufiges Gähnen kann ein Schmerzsignal sein
- Hinlegen und Aufstehen: Das Pferd legt sich ungewöhnlich oft hin und steht wieder auf
- Blick in die Flanken: Das Pferd schaut sich die eigene Bauchseite an
- Wälzen: Versucht sich zu wälzen, oft heftiger als normal
- Fressunlust: Verweigert Futter oder Wasser
- Verdauungsstörungen: Kein oder wenig Mistabsatz
Der Notfallplan: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Ruhe bewahren
Ihre eigene Ruhe überträgt sich auf das Pferd. Panik verschlimmert die Situation. Atmen Sie tief durch und handeln Sie systematisch. Ein gelassener Pferdebesitzer ist die beste Unterstützung für sein Tier in dieser stressigen Situation.
Schritt 2: Pferd beobachten und sichern
- Entfernen Sie Heunetze, um Strangulationsgefahr zu vermeiden
- Führen Sie das Pferd wenn möglich in einen sicheren Bereich
- Bereich sichern: Bei heftigem Wälzen die Umgebung von gefährlichen Gegenständen räumen, Verletzungsgefahr minimieren
- Notieren Sie die Symptome für den Tierarzt
Wichtig: Das vollständige Verhindern von Wälzen ist bei schwerer Kolik oft unrealistisch und nicht immer sinnvoll. Manche Tierärzte empfehlen sogar kontrolliertes Wälzen zur Darmentlastung. Konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, eine sichere Umgebung zu schaffen.
Schritt 3: Tierarzt kontaktieren
Rufen Sie sofort Ihren Tierarzt an. Beschreiben Sie die Symptome genau. Fragen Sie nach der geschätzten Ankunftszeit und besprechen Sie Erste-Hilfe-Maßnahmen.
Wichtige Informationen für den Tierarzt:
– Wann begannen die Symptome?
– Welche Symptome zeigen sich?
– Hat das Pferd gefressen (Art und Menge)?
– Gab es Veränderungen in Haltung oder Fütterung?
– Vorerkrankungen oder frühere Kolikepisoden?
Schritt 4: Erste-Hilfe-Maßnahmen bis zur Ankunft des Tierarztes
- Futter entziehen: Kein Heu, Kraftfutter oder Leckerlis bis zur tierärztlichen Untersuchung
- Wasser nach tierärztlicher Absprache anbieten: Bei bestimmten Kolikformen (Aufgasung, Darmverschluss) kann Wassergabe den Zustand verschlechtern. Fragen Sie Ihren Tierarzt, ob Wassergabe in Ihrem Fall sinnvoll ist.
- Bewegung: Führen Sie das Pferd langsam im Schritt, wenn es nicht zu stark geschwächt ist
- Bei Schwitzen: Pferd zudecken: Ein schwitzendes Pferd läuft Gefahr auszukühlen, besonders bei kühlen Temperaturen oder Wind. Hypothermie kann den Kreislauf weiter verschlechtern. Verwenden Sie eine Abschwitzdecke oder normale Pferdedecke zum Schutz vor Auskühlung.
- Ruhe bewahren: Warten Sie den Tierarzt ab, vermeiden Sie eigene Behandlungsversuche
Schritt 5: Tierärztliche Untersuchung abwarten
Der Tierarzt wird folgende Untersuchungen durchführen:
- Abhören des Darmes: Darmgeräusche geben Aufschluss über die Verdauungsaktivität
- Rektale Untersuchung: Tasten von Darmabschnitten
- Blutuntersuchung: Werte zeigen Entzündungen und Dehydrierung
- Magensonierung: Überprüfung des Mageninhalts
- Ultraschall: Darstellung von Darmabschnitten
Behandlungsmöglichkeiten bei Kolik Pferd
Die Behandlung hängt von der Kolikform und Schwere ab:
Konservative Behandlung (medikamentös)
Bei leichten bis mittelschweren Koliken:
- Krampflösende Mittel: Buscopan, Metamizol entspannen die Darmmuskulatur
- Schmerzmittel: Flunixin, Phenylbutazon lindern Schmerzen
- Infusionstherapie: Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlust
- Laxanzien: Paraffinöl oder Bittersalz fördern die Darmpassage
- Prokinetika: Medikamente zur Anregung der Darmbewegung
Chirurgische Behandlung
Bei schweren Verläufen oder mechanischen Darmverschlüssen:
- Notfall-Operation: In einer Pferdeklinik mit chirurgischer Ausstattung
- Indikationen: Darmverdrehung, Einklemmung, schwere Verstopfungen
- Nachsorge: Intensive Betreuung und schrittweise Wiederauffütterung
Nachsorge und Prävention
Nach überstandener Kolik ist die Nachsorge entscheidend:
Fütterung anpassen
- Heu: Hochwertiges, staubfreies Heu in kleinen Portionen
- Kraftfutter: Reduzieren oder ganz streichen, je nach Absprache mit dem Tierarzt
- Fresspausen in der Nachsorge: Nach einer Kolikepisode sollte die Fresspause maximal 4-6 Stunden betragen. Dies gilt speziell für die Erholungsphase, nicht als allgemeine Regel für gesunde Pferde. Pferde sind als Dauerfresser konzipiert – lange Fresspausen erhöhen das Kolikrisiko.
- Wasser: Immer frisch und sauber verfügbar, nach Absprache mit dem Tierarzt
Haltung optimieren
- Bewegung: Regelmäßiger Auslauf oder Weidegang
- Stressreduktion: Vermeidung von abrupten Veränderungen
- Sozialkontakt: Artgerechte Haltung mit anderen Pferden
Regelmäßige Kontrollen
- Zahnkontrolle: Jährlich beim Pferdezahnarzt
- Entwurmung: Nach Kotuntersuchung, nicht nach Kalender
- Gesundheitscheck: Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen
Kosten und Absicherung
Kolikbehandlungen können teuer werden:
- Tierarztbesuch: 80-150 Euro (Konsultation)
- Medikamente: 50-200 Euro je nach Behandlung
- Infusionen: 100-300 Euro
- Operation: 3.000-8.000 Euro in der Pferdeklinik
- Nachsorge: 200-500 Euro
Versicherungsschutz prüfen:
– Krankenversicherung für Pferde deckt oft Behandlungskosten
– Operationskostenversicherung für chirurgische Eingriffe
– Rechtzeitiger Abschluss vor Erkrankungen ist wichtig
Wann ist sofortige Hilfe nötig?
Diese Zeichen erfordern sofortiges Handeln:
- Heftiges, unkontrollierbares Wälzen
- Starkes Schwitzen bei kühlen Temperaturen
- Aufgeblähter Bauch
- Keine Darmgeräusche hörbar
- Kreislaufschwäche oder Zusammenbruch
- Blut im Kot oder Erbrechen
Fazit: Vorbereitung rettet Leben
Kolik beim Pferd ist ein Notfall, der schnelles und besonnenes Handeln erfordert. Mit einem vorbereiteten Notfallplan, regelmäßiger Vorsorge und guter Absicherung können Sie Ihrem Pferd im Ernstfall bestmöglich helfen.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Symptome früh erkennen – Unruhe, Schwitzen, Wälzen sind Warnsignale
- Sofort Tierarzt rufen – Zeit ist der entscheidende Faktor
- Ruhe bewahren – Ihre Gelassenheit hilft dem Pferd
- Futter entziehen – Bis zur tierärztlichen Untersuchung
- Schwitzende Pferde decken – Schutz vor Auskühlung ist wichtig
- Wasser nur nach Absprache – Nicht alle Kolikformen erlauben Wassergabe
- Nachsorge ernst nehmen – Rückfälle vermeiden durch angepasste Fütterung
Ein gut vorbereiteter Pferdebesitzer ist der beste Schutz gegen schwere Kolikverläufe. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über einen individuellen Notfallplan für Ihr Pferd.
Quellen
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Gesundheitsratgeber für Pferdehalter
- Tierärztliche Hochschule Hannover: Klinik für Pferde, Chirurgie
- Equimed.de: Pferdegesundheit – Kolik-Symptome und Behandlung
- Pferdeklinik Dülmen: Notfallmanagement bei Kolik
- Bundesverband für Pferdefreunde e.V.: Fütterungsempfehlungen
- Batou Faktencheck: Section 9 – 2026-03-22
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Kolikverdacht kontaktieren Sie umgehend Ihren Hoftierarzt oder eine Pferdeklinik.
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Pferde-OP-Versicherung: ca. 30-60€/Monat. Bei einer einzigen OP hat sie sich sofort bezahlt gemacht.
Blähungskolik (leicht): ca. 150-300€ | Verstopfungskolik: ca. 300-600€
Darmverschlingung (OP): ca. 3.000-8.000€ | Sandkolik: ca. 200-400€
Kosten bei Kolik
Leichte Kolik: 12-48 Stunden. Nach OP: 4-8 Wochen strenge Boxenruhe.
Wie lange dauert die Erholung?
Buscopan darf NUR der Tierarzt geben. Bei Darmverschluss kann es kontraproduktiv sein.
Darf ich Buscopan geben?
Leicht: unruhig, frisst noch, Puls <60, Darmgeräusche da. Schwer: wirft sich ständig, schwitzt, Puls >80, keine Darmgeräusche, Zahnknirschen.
Wie erkenne ich schwere von leichter Kolik?
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Kann ich Kolik selbst behandeln?
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