Autor: Marco Tjaden

  • Hund humpelt nach Aufstehen

    Hund humpelt nach Aufstehen

    Das Wichtigste auf einen Blick:

    • Häufigste Ursachen: Arthrose, Gelenkprobleme, Muskelverspannungen – besonders morgens nach Ruhe
    • Beobachten: Legt sich nach 10–15 Min. wieder → Arthrose. Bleibt nach Bewegung schlimmer → Tierarzt
    • Sofort helfen: Wärmes Körbchen, kurze Spaziergänge, Treppe vermeiden
    • Nicht: Keine menschlichen Schmerzmittel (Ibuprofen, Aspirin → giftig für Hunde!)
    • Wann Tierarzt? Humpeln über 24h, Schwellung, Fieber, starker Schmerz → sofort

    Hund humpelt nach Aufstehen

    Dein Hund humpelt morgens? Da is wat im Busch, Freund!

    Moin.

    Hund humpelt nach Aufstehen

    Dein treuer Freund steht auf und humpelt die ersten Schritte? Kennen wir hier oben nur zu gut. Das ist kein seltenes Phänomen, besonders wenn sie aus dem Tiefschlaf kommen oder nach ’n längeren Nickerchen.

    Problembeschreibung: Wenn die Gelenke knirschen

    Oft ist da die Gelenkflüssigkeit nach der Ruhe dicker, zäher, und das macht dann erstmal steif. Und wenn’s noch kalt ist, wird’s meist noch schlimmer. Meistens steckt da Arthrose hinter, also Gelenkverschleiß. Das betrifft vor allem unsere älteren Semester ab sieben Jahren oder die großen Rassen schon ab vier, fünf Jahren. Aber es kann auch ’ne Muskelverspannung sein, Hüft- oder Ellbogendysplasie, der normale Muskelschwund im Alter oder auch mal ’ne Überlastung oder Zerrung, die plötzlich auftritt.

    Worauf du achten solltest? Dein Hund ist steif, humpelt die ersten Schritte – ob morgens oder nach dem Liegen. Das gibt sich dann meistens, wenn er sich warmgelaufen hat. Manchmal ist es nur ein Bein, manchmal mehrere. Vielleicht zieht er ein Bein nach, die Krallen nutzen sich ungleich ab, oder er hat vorne Probleme am Ellbogen. Oft zögert er beim Aufstehen, hat ’ne Schwäche in der Hinterhand, macht komische Ausweichbewegungen mit dem Becken oder zeigt Schmerzen, wenn er belastet wird oder wenn’s kalt ist. Das kann schleichend kommen, wie bei der Arthrose, oder ganz plötzlich, wie bei ’ner Zerrung.

    Lösung: Impulse zur Selbsthilfe – aber mit Köpfchen!

    Hör mal zu, Freund: Ich bin Marco, der Knochenbrecher, und ich geb dir hier Impulse und ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘. Aber ich bin kein Tierarzt! Bei sowas ist es ganz wichtig, dass du mit deinem Hund zum Tierarzt gehst. Ohne eine klare Diagnose vom Fachmann stochern wir im Nebel.

    Der Tierarzt tastet alles ab, macht vielleicht Röntgenbilder von den Gelenken oder dem Rücken, um zu schauen, ob Arthrose oder Dysplasie dahintersteckt. Auch neurologische Sachen, die zu bleibenden Schäden führen können, müssen ausgeschlossen werden.

    Was du aber sofort machen kannst: Beobachte genau. Seit wann humpelt er? Welches Bein ist es? Gibt’s Schwellungen, wenn du sanft abtastest? Schreib dir das auf, das hilft dem Tierarzt.

    Wenn der Tierarzt grünes Licht gibt oder Maßnahmen vorschlägt, denk dran: Bei akuten Geschichten braucht dein Hund Schonung. Vier bis sechs Wochen nur an der Leine, keine Sprünge, kein wildes Toben. Und klar, der Tierarzt kann für ein, zwei Wochen entzündungshemmende Medikamente geben, manchmal auch länger, wenn’s nötig ist.

    Langfristig ist die Sache klar: Angepasste Bewegung, gute Nährstoffe, die die Gelenke unterstützen, und auch mentale Beschäftigung sind wichtig. Bei Arthrose sind Medikamente oder Therapien dann wieder Sache vom Tierarzt.

    Nochmal: Versuch dich nicht an Selbstdiagnosen. Das kann nach hinten losgehen. Immer ab zum Tierarzt, wenn dein Hund humpelt!

    Fazit: Dein Hund zählt auf dich!

    Du siehst, wenn dein Hund morgens humpelt, ist das kein „wird schon wieder“. Das ist ein Zeichen, dass da was im Argen liegt und beachtet werden muss. Sei aufmerksam, kümmere dich, und hol dir professionelle Hilfe. Dein Hund verlässt sich auf dich, und wir wollen doch, dass er noch lange fit an deiner Seite ist, oder?

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    Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden oder Unsicherheiten bitte immer einen Tierarzt aufsuchen.

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    Häufige Fragen: Hund humpelt nach dem Aufstehen (FAQ)

    Warum humpelt mein Hund besonders nach dem Aufstehen?

    Das sogenannte Anlaufhinken ist typisch für Gelenkerkrankungen wie Arthrose. Im Liegen kühlen die Gelenke ab und werden steifer, beim Aufstehen fehlt die Gelenkflüssigkeit noch. Nach einigen Minuten Bewegung bessert sich die Symptomatik meist. Das ist ein häufiges Zeichen für degenerative Gelenkveränderungen — immer durch den Tierarzt abklären lassen.

    Was ist der Unterschied zwischen harmlosem Anlaufhinken und einem ernsten Problem?

    Harmloses Anlaufhinken bessert sich nach 5–15 Minuten Bewegung deutlich. Besorgniserregend sind: Hinken, das sich nach Bewegung verschlimmert, anhaltende Entlastung eines Beins, sichtbare Schwellung oder Wärme an einem Gelenk, Schmerzsensitivität bei Berührung oder plötzlich starke Lahmheit. Diese Zeichen immer tierärztlich abklären.

    Was kann ich zu Hause tun, wenn mein Hund nach dem Aufstehen humpelt?

    Warmes, weiches Lager anbieten (kein kalter Betonboden), Treppen und Sprünge (Sofa, Auto) vermeiden oder Rampen nutzen, Spaziergänge auf flachem Untergrund kürzer und häufiger statt selten und lang. Keinesfalls ohne tierärztliche Anweisung Schmerzmittel aus der Hausapotheke geben — viele Humanschmerzmittel sind für Hunde giftig.

    Welche Hilfsmittel unterstützen Hunde mit Gelenkproblemen?

    Orthopädische Hundebetten (Gelschaum, Thermoeffekt), Rampen statt Treppen, Rutschsocken oder Pfotenschutz für Parkettböden, gut sitzende Geschirre die keine Gelenke einengen. Nahrungsergänzung (Omega-3, Glucosamin, Chondroitin) nach tierärztlicher Empfehlung — nicht alle Produkte haben nachgewiesene Wirksamkeit.

    Wann sollte ich mit einem humpelnden Hund zum Tierarzt?

    Bei erstem Auftreten von Lahmheit immer zur Diagnose, bei Lahmheit die länger als 24 Stunden anhält, bei sichtbaren Schwellungen oder Wärme, wenn der Hund plötzlich stark lahmt oder sich verändert verhält (Schmerzzeichen), sowie zur jährlichen Kontrolle bei bekannten Gelenkproblemen.

  • Kuh liegt fest nach Winterkalben

    Kuh liegt fest nach Winterkalben

    Kuh liegt fest nach Winterkalben

    Wenn die Kuh nach dem Winterkalben schlappmacht – Wat nu?

    Das Wichtigste auf einen Blick:

    • Ursache: Hypocalcämie (Milchfieber), Geburtschwäche, Nervenlähmung
    • Sofort: Calcium-Infusion IV/SC (Tierarzt!), warme Einstreu, Tier drehen
    • Prüfen: Bewusstsein? Fress-/Trinkwille? Körpertemperatur?
    • Intensivpflege: Alle 4h umlagern, Wasser anbieten, Energiegabe (Propylenglycol)
    • Tierarzt: Sofort bei Festliegen >24h oder fehlendem Bewusstsein

    Moin,

    Ursachen: Warum liegt die Kuh fest nach dem Kalben?

    Du kennst das bestimmt: Die Kuh hat gekalbt, der Winter hat uns noch fest im Griff, und dann liegt sie da, kommt nicht hoch. Das ist kein Spaß, weder für dich noch für die Kuh.

    Oft ist der Übeltäter ein Mangel an Kalzium im Blut, auch Milchfieber oder Gebärparese genannt. Aber pass auf, da spielt noch mehr rein:

    • Phosphor- oder Magnesiummangel können ebenfalls eine Rolle spielen
    • Verletzungen nach Schwergeburt — Nerven- oder Muskelschäden
    • Blutvergiftung z. B. durch Euterentzündung

    Die Kuh ist dann oft müde, schläfrig bis teilnahmslos, reagiert kaum auf Reize. Die Beine fühlen sich kalt an und sie schafft es nicht auf die Füße. Manchmal krampft sie sogar — das deutet eher auf Magnesiummangel hin.

    Ganz wichtig im Winter: Die Kälte macht den Tieren zusätzlich zu schaffen. Bei Minustemperaturen brauchen Kühe mehr Energie, meiden nasse, kalte Liegeflächen — alles Faktoren, die Festliegen begünstigen.

    Differentialdiagnose: Milchfieber, Geburtstrauma oder etwas anderes?

    Nicht jede festliegende Kuh hat Milchfieber — und das ist wichtig zu wissen, damit der Tierarzt schnell die richtige Diagnose stellen kann. Eine genaue Beobachtung deinerseits hilft dabei enorm. Hier die häufigsten Ursachen im Überblick:

    Ursache Typische Zeichen Zeitpunkt
    Milchfieber / Gebärparese Schlaffe Muskeln, Bewusstseinstrübung, kalte Extremitäten, S-förmige Halshaltung, kein Pansen­geräusch Meist 12–72 h nach Kalbung
    Geburtstrauma / Nervenschaden Schwache Hinterhand, Schmerzen beim Aufstehversuch, Tier ansonsten wach und fresslustig Direkt nach schwerer Geburt
    Mastitis (Euterentzündung) Gerötetes, geschwollenes Euter, veränderte Milch, Fieber, allgemeine Schwäche Variable, oft erste Wochen post partum
    Endometritis / Gebärmutterentzündung Eitriger vaginaler Ausfluss, Fieber, Fressunlust, beeinträchtigtes Allgemeinbefinden Ab ca. 1 Woche post partum

    In der Praxis sieht man häufig Kombinationen — eine Kuh mit Milchfieber ist geschwächt und damit anfälliger für Euterprobleme. Deshalb: Symptome genau beobachten und dem Tierarzt möglichst detailliert schildern.

    Sofortmaßnahmen: Was tun bei festliegender Kuh?

    Als erstes: Sorge dafür, dass sie es bequem hat. Weiche, trockene Einstreu ist Gold wert.

    • Regelmäßig umlagern — mindestens alle 4 Stunden, damit keine Druckstellen oder Nervenschäden entstehen
    • Futter und Wasser immer in Reichweite (ad libitum)
    • Aufstehen unterstützen — wenn sie will, mit helfender Hand oder Hilfsmitteln wie Fußfesseln
    • Energieversorgung sichern — Propylenglycol nach Rücksprache mit dem Tierarzt

    Der Tierarzt wird bei Kalziummangel eine Infusion geben. Das ist der wichtigste Schritt — bitte immer Tierarzt rufen, nicht alleine behandeln!

    Vor dem Tierarzt-Eintreffen: So hilfst du aktiv

    Die Zeit bis zum Eintreffen des Tierarztes ist entscheidend. Folgendes kannst du tun, ohne in die eigentliche Behandlung einzugreifen:

    • Lagerung: Bevorzuge die Brustlage (Kuh liegt auf dem Bauch) gegenüber der Seitenlage — das entlastet die inneren Organe und verringert die Aspirationsgefahr. Wenn sie auf der Seite liegt, spätestens nach 2 Stunden drehen.
    • Wärme halten: Eine nasse, kalte Kuh verliert schnell weitere Energie. Trockenes Stroh nachlegen, bei Frost eine Decke über die Kruppe.
    • Stress minimieren: Ruhe im Stall ist wichtig. Hunde raus, andere Tiere fernhalten, Lärm reduzieren. Stress fördert Cortisol-Ausschüttung — und Cortisol hemmt zusätzlich die Kalzium-Mobilisierung.
    • Bewusstsein prüfen und notieren: Reagiert sie auf deine Stimme? Auf Berührung? Hat sie einen Schluckreiz? Diese Beobachtungen helfen dem Tierarzt bei der Einschätzung.
    • Frisches Wasser in Reichweite stellen — kein Zwingen. Wenn sie trinkt, ist das ein gutes Zeichen.

    Was macht der Tierarzt? — Das Calcium-Infusions-Protokoll

    Bei Verdacht auf Hypokalzämie wird der Tierarzt eine Calcium-Boroglukonate-Lösung verabreichen — entweder intravenös (IV, langsam über die Jugularvene) oder subkutan (SC, unter die Haut). Für Tierhalter zur Information:

    • Herzüberwachung läuft mit: IV-Calcium-Infusionen müssen langsam laufen, da zu schnelle Gabe Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Der Tierarzt hört deswegen mit dem Stethoskop mit.
    • Oft Kombinationslösung: Häufig enthält die Infusion zusätzlich Phosphor, Magnesium und Dextrose, da diese Mängel gleichzeitig auftreten können.
    • Zweite Behandlung möglich: Bei unvollständiger Reaktion kann nach 6–12 Stunden eine weitere Infusion folgen — das entscheidet der Tierarzt nach Befund.

    Wichtig: Die Calcium-Infusion bitte nie selbst durchführen. Falsche Dosierung oder zu schnelles Laufen lassen kann lebensbedrohliche Herzprobleme verursachen — das ist ausschließlich Tierarztsache.

    Aus der Praxis — Knochenbrecher

    Ich hab in meiner Arbeit schon so manche festliegende Kuh nach dem Winterkalben gesehen. Was mich immer wieder überrascht: Wie viel der Halter selbst ausrichten kann, bevor der Tierarzt da ist. Trockenes Stroh, eine Decke über die Kruppe, ruhig bleiben und den Stall beruhigen — das klingt banal, macht aber einen echten Unterschied, wenn’s draußen frostig ist und die Kuh schon eine Stunde liegt.

    Was ich öfter erlebe: Die Kuh reagiert auf die Calcium-Infusion des Tierarztes prima und steht am selben Abend wieder — aber die Leute haben aus Unsicherheit zwei Stunden gewartet, bevor sie den Tierarzt gerufen haben. Dieses Zögern kostet Zeit, die die Kuh nicht hat. Bei Festliegen gilt: sofort anrufen und gleichzeitig selbst aktiv werden.

    Prävention: Festliegen nach Kalbung vermeiden

    Vorbeugen ist immer besser als Heilen. Schon vor dem Kalben kannst du viel machen:

    • Trockenstehperiode: Geringe Kalziumzufuhr im Futter, damit der Körper lernt, Kalzium selbst zu mobilisieren
    • Vitamin D3 vor der Geburt — besonders bei älteren Kühen oder bekannten Risikofällen
    • DCAB-Fütterung (anionische Diät) hilft der Kuh, Kalzium besser zu nutzen
    • Magnesium und Natrium immer ausreichend versorgen
    • Nach dem Kalben: Moderater Milchentzug kann den Kalziumabfluss steuern

    Gerade im Winter ist das nochmal wichtiger: Wind- und Regenschutz, trockene gut eingestreute Liegeflächen sind ein Muss. Bei Kälte brauchen Kühe bis zu 120 MJ ME pro Tag — Fütterung entsprechend anpassen!

    BCS-Management: Körperkondition rechtzeitig kontrollieren

    Der Body Condition Score (BCS) ist ein einfaches, aber wertvolles Hilfsmittel. Ideal ist ein BCS von 3,0 bis 3,5 beim Trockenstellen. Zu fette Kühe (BCS > 3,75) mobilisieren nach der Kalbung massiv Körperfett — das belastet die Leber und schwächt das Immunsystem. Beides erhöht das Festliegerrisiko. Zu magere Kühe (BCS < 2,75) fehlt die Energiereserve für die Zeit um die Geburt. Eine rechtzeitige BCS-Kontrolle gibt dir Zeit, die Ration vor dem Trockenstellen noch anzupassen.

    Calcium-Bolus: Prophylaxe bei Risikotieren

    Bei bekannten Risikotieren — Kühe ab der 3. Laktation, frühere Festlieger oder Tiere aus Betrieben mit gehäuftem Milchfieber — setzen viele Betriebe heute Calcium-Boli (oral) ein: kurz vor oder kurz nach der Kalbung. Diese langsam freisetzenden Präparate überbrücken die kritischen ersten Stunden, in denen der Kalziumabfall am stärksten ist. Einsatz und Timing unbedingt mit dem Tierarzt oder Fütterungsberater abstimmen — Überdosierung ist möglich.

    Fazit: Schnell handeln macht den Unterschied

    Eine Kuh, die festliegt, ist immer ein ernstes Thema. Aber mit wachen Augen, schnellem Handeln und der richtigen Vorbeugung kannst du viel bewirken und deinen Tieren das Leben erleichtern. Beobachte deine Tiere gut, gerade wenn die kalte Jahreszeit zuschlägt. Dann bleiben deine Kühe fit und auf den Beinen!

    Häufige Fragen: Kuh liegt fest nach Kalben (FAQ)

    Wie lange kann eine Kuh festliegen, bevor es kritisch wird?

    Bereits nach 24 Stunden Festliegen steigt das Risiko für Druckstellen, Muskelschäden und Nervenschäden stark an. Nach 48–72 Stunden ohne Verbesserung wird die Prognose deutlich schlechter. Deshalb: sofort handeln und Tierarzt rufen.

    Was ist der Unterschied zwischen Milchfieber und einem Festlieger?

    Milchfieber (Gebärparese) ist eine der häufigsten Ursachen für das Festliegen, aber nicht die einzige. Ein „Festlieger“ beschreibt den Zustand der liegenden Kuh — die Ursache kann Kalziummangel, Phosphormangel, Nervenschäden nach schwerer Geburt oder eine Grunderkrankung sein.

    Kann ich der Kuh selbst helfen oder brauche ich immer einen Tierarzt?

    Grundsätzlich immer Tierarzt rufen! Du kannst unterstützend helfen: weiche Einstreu, regelmäßiges Umlagern, Wasser bereitstellen, Stress reduzieren. Die Calcium-Infusion muss ein Tierarzt durchführen.

    Wie oft muss ich die Kuh umlagern?

    Mindestens alle 4 Stunden. So vermeidest du Druckstellen und Durchblutungsstörungen, die zu dauerhaften Nervenschäden führen können. Wechsle regelmäßig zwischen linker und rechter Seite.

    Wie kann ich Festliegen beim nächsten Kalben vorbeugen?

    In der Trockenstehperiode Kalzium im Futter reduzieren, auf ausreichend Magnesium und Vitamin D achten, und bei bekanntem Risiko anionische Mineralsalze (DCAB-Fütterung) einsetzen. Immer mit Tierarzt oder Fütterungsberater absprechen.

    Warum ist Winterkalben besonders riskant?

    Im Winter brauchen Kühe mehr Energie für die Wärmeregulation. Nasse, kalte Liegeflächen erhöhen den Stress. Beides schwächt das Tier und erhöht das Risiko, dass eine ohnehin geschwächte Kuh nach dem Kalben nicht aufsteht.

    Was ist ein Calcium-Bolus und wann wird er eingesetzt?

    Ein Calcium-Bolus ist eine oral verabreichte Calciumzubereitung (Tablette, Kapsel oder Paste), die kurz vor oder nach der Kalbung gegeben wird. Er dient der Prophylaxe bei Risikotieren — besonders ab der 3. Laktation oder bei Kühen mit bekannter Milchfieber-Vorgeschichte. Einsatz und Dosierung immer mit dem Tierarzt absprechen.

    Meine Kuh hatte Milchfieber — was muss ich beim nächsten Kalben anders machen?

    Dokumentiere die Kuh und informiere deinen Tierarzt oder Fütterungsberater vor der nächsten Trächtigkeit. Mit DCAB-Fütterung, BCS-Management und gezieltem Bolus-Einsatz lässt sich das Risiko in vielen Fällen erheblich senken. Kühe mit zwei oder mehr Milchfieber-Episoden sollten besonders intensiv betreut werden.

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    Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden oder Unsicherheiten bitte immer einen Tierarzt aufsuchen.

    EU AI Act Hinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

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  • Pferd Kolik nach dem Anweiden — so erkennst du die Gefahr früh & was du jetzt tun kannst

    Jedes Jahr im Mai dasselbe Bild: Die Koppel ist grün, das Pferd freut sich, und zwei Stunden später steht es mit aufgerollter Oberlippe in der Ecke. Pferd Kolik Anweiden — vier Wörter, die in Ostfriesland jeden Frühling für schlaflose Nächte sorgen. Ich bin Tjaden, Knochenbrecher aus Norden, und ich schreibe dir diesen Artikel, weil mir zu viele Pferdehalter immer noch glauben, Anweiden sei „mal kurz rauslassen“. Ist es nicht. Anweiden ist ein Eingriff in den Stoffwechsel deines Pferdes, und wenn du ihn nicht steuerst, kann er tödlich enden. Was du hier liest, ersetzt keinen Tierarzt — bei Kolik-Verdacht rufst du den Tierarzt, sofort. Aber was du hier liest, kann dir helfen, gar nicht erst in die Situation zu kommen, in der du ihn rufen musst.

    Warum Anweiden Koliken begünstigt

    Das Frühlingsgras sieht unschuldig aus. Ist es nicht. Zwei Mechanismen machen es zum Risikofaktor, und du musst beide verstehen, wenn du verantwortungsvoll anweidest.

    Der erste: Fruktan. Fruktan ist ein Reservestoff des Grases — ein Mehrfachzucker, den die Pflanze speichert, wenn sie mehr Energie produziert, als sie sofort verbrauchen kann. Das passiert genau dann, wenn kalte Nächte auf sonnige Tage folgen. Nachts läuft der Stoffwechsel der Pflanze auf Sparflamme, die Photosynthese ruht. Morgens geht die Sonne auf, die Pflanze fängt an, Zucker zu produzieren — aber bei Lufttemperaturen unter etwa 5–8 °C kann sie den Zucker nicht schnell genug in Wachstum umsetzen. Also lagert sie ihn als Fruktan ein. Ergebnis: Das Gras kann nach einer Frostnacht den ganzen Vormittag und teils bis in den Nachmittag erhöhte Fruktanwerte tragen, und dein Pferd frisst es mit Begeisterung, weil Zucker gut schmeckt. Das Pferd hat keine Fruktan-Warnanlage. Du musst die haben.

    Der zweite: Der Wasseranteil-Wechsel. Heu hat etwa 15 % Feuchtigkeit. Frühlingsgras liegt bei 70–80 %. Dein Pferd geht von trockener, strukturierter Ration auf wasserreichen, zuckerbeladenen Brei — und der Dickdarm, der an langsame, stabile Fermentation gewöhnt ist, wird überschwemmt. Die Darmflora, die sich über Monate auf Heu eingestellt hat, muss innerhalb von Stunden eine komplett andere Substratzusammensetzung verarbeiten. Das klappt nicht immer. Wenn die Mikrobiota ins Schwanken gerät, entstehen Gase, Säuren, Motilitätsstörungen — und damit das, was du als Kolik erkennst.

    Pferd Kolik Anweiden ist kein Zufall. Es ist die vorhersehbare Folge eines zu schnellen Wechsels von Winterration auf Frühlingskoppel. Du kannst ihn steuern. Aber nur, wenn du weißt, was passiert.

    Die 15-Minuten-Regel: Schrittweise Anweiden im Frühjahr

    Hier ist die Regel, die dir dein Tierarzt auch nennen würde — nur dass die meisten sie nicht konsequent genug anwenden.

    Tag 1: 15 Minuten auf der Koppel. Nicht 20. Nicht „ach, es sieht so froh aus“. 15 Minuten. Danach zurück an den Hof, Heu rein, normaler Rhythmus.

    Tag 2: 25–30 Minuten. Du steigerst um 10 bis 15 Minuten pro Tag, je nach Wetter und Pferd. Nach etwa zwei Wochen bist du bei 2,5 bis 3 Stunden Anweidezeit — und ab da kannst du individuell weiter steigern, immer im Auge behalten, wie das Gras und das Pferd reagieren.

    Witterungsanpassung ist entscheidend. Kalte Nacht, sonniger Morgen? Das ist die Fruktan-Falle. An solchen Tagen schickst du dein Pferd erst später auf die Koppel — typischerweise erst am späten Nachmittag, wenn sich die Pflanze über mehrere wärmere Stunden hinweg im Wachstum bedient und den Fruktan-Spiegel abgebaut haben kann. Wichtig: Wenn der Tag durchgehend kalt bleibt (Tageshöchsttemperatur unter etwa 8 °C), wächst die Pflanze auch nachmittags kaum — der Fruktan-Spiegel kann dann den ganzen Tag erhöht bleiben. An solchen Tagen lieber gar nicht anweiden oder die Anweidezeit deutlich verkürzen, und im Zweifel Tierarzt oder Futterberater fragen. Umgekehrt: Bewölkte, mild-warme Tage sind meist sicherer als sonnige nach Frostnächten. Aber sicher ist nur schrittweises Anweiden.

    Noch ein Punkt: Fülle den Magen vor. Heu vor dem Anweiden, nicht danach. Ein gefüllter Magen verlangsamt die Futteraufnahme auf der Koppel und gibt dem Darm eine Grundlage, auf der die neue Substratzusammensetzung leichter verarbeitet wird. Leerer Magen + Frühlingsgras = maximale Aufnahmegeschwindigkeit und maximaler Fruktan-Anteil pro Zeiteinheit. Genau das willst du nicht.

    Ich weiß, dass 15 Minuten sich grausam anfühlen, wenn dein Pferd die Koppel anstrahlt. Aber Kolik fühlt sich grausamer an. Pferd Kolik Anweiden fängt bei der ersten Minute an — und die kannst du kontrollieren.

    Symptome: Wann ist es noch Darmverstimmung, wann Kolik-Notfall?

    Diese Unterscheidung kann Leben retten. Ich sage dir ehrlich: Lieber einmal zu viel den Tierarzt gerufen als einmal zu wenig.

    Darmverstimmung erkennst du an: Kotwasser (wässriger Durchfluss beim oder nach dem Koten, der Kot selbst kann noch geformt sein), weicher Kot bis leichter Durchfall, leichte Unruhe — das Pferd stampft mal, schaut zum Bauch, frisst vielleicht etwas schlechter. Es liegt noch ab und dann wieder auf, aber nicht panisch. Die Atemfrequenz ist im normalen Rahmen (8–16 Atemzüge pro Minute im Ruhezustand). Kot kommt noch, wenn auch verändert.

    Kolik-Notfall erkennst du an: Scharren mit den Vorderbeinen, wiederholtes Hinlegen und Aufstehen, Wälzen — richtiges Wälzen, nicht nur Genickkratzen. Schwitzen ohne ersichtlichen Grund (kein Transport, keine Hitze). Blicken auf den Bauch, oft mit aufgerollter Oberlippe (Flehmen). Kein Kot oder Harn über einen längeren Zeitraum. Atemfrequenz deutlich erhöht, über 20 Atemzüge pro Minute im Stehen. Puls über 44 Schläge pro Minute. Schleimhäute blass oder livide — das siehst du am Zahnfleisch: weißlich statt rosig, oder dunkelrot bis bläulich.

    Wenn mehrere dieser Symptome zusammenkommen, zählt jede Minute. Kolik ist der häufigste Todesgrund beim Pferd — nicht, weil es keine Behandlung gibt, sondern weil zu oft zu spät reagiert wird. Was du dann tun musst, beschreibt der komplette Kolik-Notfallplan.

    Kolik-Verdacht = sofort Tierarzt rufen. Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Diagnose.

    Kein Wenn und Aber. Du kannst nicht selbst beurteilen, ob es eine leichte Gascolic ist, die sich in zwei Stunden löst, oder eine Darmeinklemmung, die ohne OP zum Tod führt. Der Tierarzt kann das. Du nicht. Ruf an.

    Kotwasser & Durchfall als Vorboten — was sie bedeuten

    Kotwasser ist nicht „nervig, aber normal“. Kotwasser ist ein Signal. Und du solltest lernen, es zu lesen.

    Kotwasser — die wässrige Flüssigkeit, die vor, während oder nach dem Koten austritt — zeigt an, dass der Dickdarm unter Stress steht. Die Darmflora verarbeitet eine veränderte Nährstoffzusammensetzung, und die Darmschleimhaut reagiert mit vermehrter Flüssigkeitsabgabe. Das kann nach dem Anweiden auftreten, weil der Darm die veränderte Substratzusammensetzung noch nicht im Griff hat. Es ist ein Frühwarnsystem. Ignorierst du es, kann aus einer Darmverstimmung eine Kolik werden.

    Leichter Durchfall nach den ersten Anweide-Tagen ist ähnlich einzuordnen: Die Mikrobiota im Dickdarm arbeitet mit einem Substrat, auf das sie nicht vorbereitet ist. Fruktan und erhöhter Wasseranteil übersäuern das Milieu, nützliche Bakterien sterben ab, pathogene Keime können sich ausbreiten. Durchfall ist die Entzündungsreaktion der Darmschleimhaut auf diesen Stress.

    Wann selbst beobachten? Wenn das Pferd ansonsten fit ist, frisst, normale Vitalwerte hat und das Kotwasser oder der Durchfall nach 24–48 Stunden abklingt — in Absprache mit dem Tierarzt kannst du hier beobachten, die Anweidezeit anpassen und probiotisch unterstützen.

    Wann zum Tierarzt? Wenn Kotwasser oder Durchfall länger als zwei Tage anhalten, das Pferd apathisch wird, Futter verweigert, Fieber bekommt oder weitere Kolik-Symptome zeigen. Auch: Wenn der Durchfall übelriechend, wässrig-flüssig oder blutig ist — sofort anrufen. Nicht abwarten.

    Pferd Kolik Anweiden kündigt sich oft über Tage an. Kotwasser ist deine Chance, die Anweide-Strategie zu korrigieren, bevor es zum Notfall wird.

    Was der Knochenbrecher mit Kolik zu tun hat

    Klartext: Ich bin kein Akut-Kolik-Behandler. Wenn dein Pferd Kolik-Symptome zeigt, rufst du den Tierarzt. Nicht mich. Ich kann keine Darmlagerung lösen, keine Schmerztherapie einleiten, keine Ultraschalluntersuchung machen. Das ist Tierarzt-Geschäft, und ich habe allen Respekt davor.

    Was ich kann — und wo mein Platz in diesem Thema ist: Blockaden im Brust- und Lendenbereich können die Darmmotorik beeinflussen. Die Innervation des Darms läuft über Nerven, die durch die Brust- und Lendenwirbelsäule ziehen. Wenn Wirbelblockaden in diesem Bereich die Nervenleitung beeinträchtigen, kann das die Peristaltik vermindern — und eine verlangsamte Darmmotorik ist ein bekannter Risikofaktor für Koliken, insbesondere für Gascoliken und Verstopfungskoliken. Das ist kein Heilversprechen. Es ist ein plausibler Zusammenhang, den du im Präventions-Team berücksichtigen solltest.

    Deshalb: Ein Blockaden-Check vor dem Weideauftrieb gehört zur Vorsorge, genauso wie der Zahnarzt-Besuch und der Impfplan. Wie du Pferd-Blockaden früh erkennst — diesen Artikel hast du hoffentlich gelesen. Und ISG-Blockaden und ihre Folgen für die Hinterhand zeigt dir, wie Blockaden das Gesamtbild verändern.

    In der Genesungsphase nach einer Kolik kann ein Knochenbrecher-Termin sinnvoll sein. Das Pferd hat geschönt, Muskelverspannungen aufgebaut, vielleicht liegt der Rücken fest. Hier kann ich ansetzen: Blockaden lösen, Muskulatur entspannen, die Bewegungsfreiheit im Rumpf wiederherstellen. Aber erst, wenn der Tierarzt das Okay gibt. Immer.

    Bei Akut-Kolik immer erst den Tierarzt rufen. Der Knochenbrecher kommt in der Genesungsphase, nicht in der Krise.

    Präventions-Checkliste für den Weideauftrieb

    1. Schrittweise anweiden nach der 15-Minuten-Regel. Tag 1 = 15 Minuten, tägliche Steigerung um 10–15 Minuten. Keine Ausnahmen, keine „nur heute mal länger“.
    2. Witterungsabhängige Zeitplanung. Nach kalten Nächten (Lufttemperatur unter 5 °C) erst nachmittags anweiden — vorausgesetzt, die Tagestemperatur steigt deutlich über 8 °C, damit das Gras den eingelagerten Zucker im Wachstum verbraucht. Bleibt der Tag durchgehend kalt, lieber den Weidegang aussetzen. Frost in der Nacht und starker Sonnenschein am Folgetag = maximale Fruktan-Belastung.
    3. Heu vorab füttern. Magen vorfüllen, bevor das Pferd auf die Koppel geht. 30–60 Minuten Heu-Zugang vor dem Anweiden verlangsamt die Grasaufnahme und gibt dem Darm eine stabilere Basis.
    4. Wasser immer und überall. Pferde, die frisches Gras fressen, trinken weniger — aber der Darm braucht ausreichend Flüssigkeit. Stalltränke kontrollieren, auf der Koppel Wasser anbieten, besonders an trockenen, sonnigen Tagen.
    5. Blockaden-Check vor dem Frühling. Ein Pferd mit Blockaden im Brust-/Lendenbereich hat potentiell eine eingeschränkte Darmmotorik. Checken lassen, bevor die Anweidesaison beginnt, nicht wenn das Pferd schon Kolik-Symptome zeigt.
    6. Mineralstoff-Versorgung prüfen. Elektrolyte und Magnesium unterstützen die Darmtätigkeit. Ein Mangel kann die Motilität zusätzlich verschlechtern. Mit dem Tierarzt oder Futterberater klären, nicht selbst zusammenrühren.
    7. Gesundheits-Check beim Tierarzt. Zahnstatus, Impfstatus, Entwurmungsstrategie — alles vor der Anweidesaison klären. Ein Pferd, das subklinisch krank ist, verträgt den Futterwechsel schlechter.
    8. Beobachten, nicht wegschauen. In den ersten zwei Anweide-Wochen: Kotkonsistenz täglich prüfen, Atemfrequenz im Auge behalten, Appetit beobachten. Früh intervenieren ist besser als spät den Tierarzt rufen.

    Pferd Kolik Anweiden ist kein Schicksal. Es ist eine Frage von Vorbereitung und Konsequenz.

    Notfall-Protokoll: Erste Hilfe bis der Tierarzt kommt

    Dieses Protokoll ersetzt den Tierarzt nicht. Es ist das, was du tust, während du auf ihn wartest. Die wichtigsten Schritte findest du auch kompakt in der Kolik-Erste-Hilfe-Checkliste — Schritt für Schritt bei Kolik.

    1. Tierarzt sofort anrufen. Nicht „erst mal abwarten“. Nicht „vielleicht wird es besser“. Tierarzt anrufen, Adresse durchgeben, beschreiben was du siehst. Die Uhrzeit des Anrufs notieren.

    2. Pferd ruhig führen. In Ruhehaltung führen, nicht traben, nicht longieren. Bewegung kann bei leichten Gascoliken helfen, aber du weißt nicht, welche Art Kolik es ist. Ruhiges Führen auf ebener Fläche, ohne Stress. Wenn das Pferd sich wälzen will, nicht wälzen lassen — Verletzungsgefahr und bei Darmlagerungen kontraproduktiv.

    3. Heu und Wasser entfernen. Bis der Tierarzt da ist, kein Futter mehr anbieten. Wasser nur entfernen, wenn der Tierarzt es so verlangt — in der Regel bleibt Wasserzugang bestehen, außer es handelt sich um eine chirurgische Kolik, bei der eine Narkose ansteht. Hier gilt: Tierarzt fragen beim Telefonat.

    4. Vitalwerte beobachten und notieren. Atemfrequenz (Brustkorb-Hebungen pro Minute, normal 8–16 im Ruhezustand), Puls (am Halbringgefäß oder mit Stethoskop, normal 28–44 pro Minute), Schleimhautfarbe (Zahnfleisch anheben: rosa = gut, weiß/blass/blaurot/livid = sofortiger Notfall), Kapillarrückfüllzeit (Druck aufs Zahnfleisch, Normalwert unter 2 Sekunden). Temperatur messen wenn möglich (normal 37,5–38,5 °C). Alle Werte aufschreiben und dem Tierarzt durchgeben — je genauer deine Daten, desto schneller kann er entscheiden.

    5. NICHTS eigenmedikamentös geben. Kein Schmerzmittel aus dem Vorratsschrank, kein Kraut, kein Homöopathikum, kein „mein Nachbar hat das auch immer gegeben“. Schmerzmittel verändern das klinische Bild und können die tierärztliche Diagnose erschweren oder unmöglich machen. Ein schmerzfreies Pferd ist kein gesundes Pferd — es ist ein schmerzgedämpftes Pferd, bei dem du die Ernstlage nicht mehr beurteilen kannst.

    Vorbeugung beginnt mit der ersten Anweide-Stunde. Wenn du in Norden, Aurich, Dornum, Wittmund oder Umgebung Pferde hältst und Tjadens Knochenbrecher-Service in der Genesungsphase oder zur Blockaden-Prävention nutzen willst: Termin auf Anfrage.

  • ISG-Blockade beim Pferd: Symptome, Diagnose, Therapie & was wirklich hilft

    ISG-Blockade beim Pferd: Symptome, Diagnose, Therapie & was wirklich hilft

    Das Wichtigste auf einen Blick: Eine ISG-Blockade beim Pferd ist eine eingeschränkte Beweglichkeit des Iliosakralgelenks zwischen Becken und Kreuzbein. Typische Anzeichen sind Hängekruppe, Taktfehler hinten, Probleme beim Angaloppieren und Druckempfindlichkeit über dem Kreuzbein. Die Diagnose gehört in tierärztliche oder osteopathische Hand — eine sichere Selbstdiagnose ist nicht möglich, da die Symptome andere Erkrankungen überlagern können.

    Hinweis: Ich bin kein Tierarzt — Diagnose und Behandlungsentscheidungen gehören in tierärztliche Hand.

    Das Pferd läuft an — und du siehst es sofort. Der Rücken zieht sich ein bisschen zu eng, die Hinterhand schiebt nicht sauber nach, und beim Angaloppieren auf der linken Hand hängt es, als würde jemand von hinten daran ziehen. Ich kenn das. Hab ich hundert Mal gesehen. Tausend Mal, wenn ich ehrlich bin.

    Vor ein paar Wochen war ich bei einem Pferd hier in der Region. Jemand hatte der Halterin gesagt, das Tier sei zu faul zum Galoppieren, charakterlich schwierig, müsse schärfer geritten werden. Ich hab das Pferd fünf Minuten angeschaut, dann ein bisschen getastet — da war nichts mit faul. Das war ein ISG, das seit Monaten im Argen lag. Das Tier hat gemacht, was es konnte. Irgendwie. Mit dem, was ihm geblieben war.

    So läuft das oft. Die Reiter suchen das Problem beim Pferd, beim Reiter, beim Sattel — manchmal liegt es tatsächlich beim Sattel — aber das Becken, das ISG, das wird häufig als Letztes angeschaut. Dabei sitzt das da so zentral, dass fast alles, was irgendwie hinten nicht stimmt, dort seinen Ursprung haben kann.

    Ich bin kein Tierarzt. Das muss ich dazusagen, und ich sag’s gerne. Was ich hier beschreibe, kommt aus zwanzig Jahren mit Pferden, aus dem, was ich unter der Hand gespürt habe — nicht aus einem Diagnosegerät. Bei Lahmheit, bei akutem Schmerz, bei allem, wo du nicht sicher bist: Tierarzt zuerst. Immer. Ich bin da klipp und klar.

    Dieser Artikel ist für dich als Pferdehalter, damit du weißt, worüber du mit dem Tierarzt oder Therapeuten reden kannst. Nicht mehr, nicht weniger.

    Was ist das ISG — das Iliosakralgelenk beim Pferd?

    Das Iliosakralgelenk — kurz ISG, auch Kreuzdarmbeingelenk oder Sakroiliakalgelenk — ist die Verbindung zwischen dem Darmbein (Os ilium), dem großen flachen Teil des Beckens, und dem Kreuzbein (Os sacrum), dem unteren Ende der Wirbelsäule. Beim Pferd sitzt das Ganze beidseitig tief im Becken, ungefähr dort, wo der Reiter seinen Sitzknochen spürt.

    Das ISG ist keine Kugel- oder Walzenverbindung wie die Schulter — es ist eine straffe Amphiarthrose mit minimalster Translationsbewegung. Genau diese minimale Beweglichkeit ist aber entscheidend: Sie überträgt die Schubkraft der Hinterhand auf die Wirbelsäule. Fehlt sie — durch eine Blockade — bricht der Schub weg, das Pferd kann nicht mehr voll über den Rücken abrollen.

    Der Bandapparat (dorsale, ventrale und interossäre Sakroiliakalbänder) sichert das Gelenk. Bei chronischer Überlastung oder Verletzung können diese Strukturen instabil werden — das nennt man Beckenringinstabilität, die häufiger bei Stuten nach Geburten und bei sehr langrückigen Pferden auftritt.

    Ein wichtiger anatomischer Punkt für die Diagnose: Der Nervus ischiadicus verläuft am kaudalen Rand des Gelenks. Das ist der Grund, warum eine Lokalanästhesie des ISG ausschließlich unter Ultraschallkontrolle in der Klinik stattfinden darf — eine versehentliche Mitbetäubung des Ischiasnervs führt zu akuter Hinterhandsparese und kann das Pferd zu Fall bringen.

    Wer mehr über Blockaden im Bewegungsapparat generell verstehen möchte, findet in unserem Artikel Pferd Blockaden erkennen: 8 Zeichen, die du kennen musst einen guten Überblick über alle relevanten Gelenkregionen.

    Symptome einer ISG-Blockade beim Pferd

    Eine ISG-Blockade beim Pferd verrät sich nicht durch ein lautes Knacken oder eine plötzliche Lahmheit. Meistens schleicht sie sich ein — und genau deshalb bleibt sie so lange unerkannt. Pferde sind Meister im Ausgleichen. Sie kompensieren, bis der Körper keine Kompensation mehr findet.

    Typische Anzeichen, die auf eine ISG-Blockade hinweisen können:

    • Hängekruppe / einseitiges Beckenkippen: Sichtbare Asymmetrie des Tuber sacrale (Kreuzbeinhöcker), häufig einseitig. Das Pferd wirkt hinten tiefer als vorne oder schief.
    • Erschwertes Angaloppieren: Das Pferd zögert, braucht mehrere Versuche, springt mitten im Galopp durch oder wechselt ständig die Fußfolge. Auf einer Hand funktioniert es, auf der anderen nicht.
    • „Hasen-Galopp“ oder Kreuzgalopp: Das Pferd springt beidbeinig ab anstatt regelrecht zu galoppieren — ein deutliches Zeichen, dass die Hinterhand-Koordination gestört ist.
    • Kurztrittigkeit hinten: Der Schritt wirkt abgehackt, das Pferd tritt nicht unter den Schwerpunkt. Im Trab fällt die asymmetrische Schrittlänge auf.
    • Druckempfindlichkeit über Kreuzbein und Lendenwirbelsäule: Das Pferd reagiert beim Abtasten der Kreuzbeingegend, beim Auflegen des Sattels oder beim Aufsteigen.
    • Rücken-Wegdrücken / Verspannung unter dem Sattel: Das Pferd kann nicht mehr über den Rücken arbeiten, reagiert empfindlich auf Gurt und Sattel.
    • Verhaltensänderungen: Schweifschiefhalten, Unwille beim Anreiten, plötzliche „Stimmungsprobleme“ — das sind oft keine Charakterfragen, sondern Schmerzkompensation.
    • Schwierigkeiten beim Rückwärtsrichten oder in engen Wendungen: Die ISG-bezogene Mikrobeweglichkeit fehlt.

    Wichtig: Diese Anzeichen sind keine Selbstdiagnose. Sie überlappen mit anderen Erkrankungen — zum Beispiel mit Kissing Spines (Dornfortsatz-Konflikt in der Brust- und Lendenwirbelsäule), Hüftgelenkserkrankungen, Hinterhand-Lahmheiten aus dem Sprunggelenk oder Stifle, subklinischen Beckenfrakturen nach Sturz und neurologischen Erkrankungen. Eine sichere Zuordnung gehört in die Hand von Tierarzt oder Pferdeosteopath.

    Ursachen — was zu einer ISG-Blockade führen kann

    ISG-Blockaden entstehen selten isoliert. Fast immer gibt es ein Geflecht aus Auslöser und Mitverursacher. Die häufigsten Kategorien:

    Akut-traumatisch:
    Sturz, Ausrutschen auf nassem Boden, gewaltsames Aufsteigen über Hindernisse, Rangkampf in der Herde oder „Hängenbleiben“ mit der Hinterhand — etwa im Anhänger oder an der Boxentür.

    Chronisch-belastungsbedingt:
    Einseitiges Training (immer dieselbe Hand, einseitige Galopparbeit), eine nicht passende Sattelkammer, ein asymmetrischer Reitersitz, der über Monate auf das Pferd einwirkt, oder ein unausgewogener Hufbeschlag, der kompensatorische Muster aufwärts bis ins Becken schickt.

    Kompensatorisch:
    Aus chronischen Schmerzen anderer Lokalisation entstehen sekundäre ISG-Blockaden. Ein Pferd mit schmerzendem Sprunggelenk verändert seine Gangmechanik — und das ISG bekommt eine unnatürliche Last ab.

    Konstitutionell:
    Beckenringinstabilität tritt anlagebedingt häufiger bei Stuten nach Geburten und bei sehr langrückigen Pferden auf. Das Gelenk ist dort schlicht anfälliger.

    Genau deshalb scheitert eine reine Symptombehandlung oft: Ohne das Gesamt-System zu adressieren — Sattel, Beschlag, Training, Reitersitz — kommt die Blockade zurück.

    Diagnose: So geht ein Tierarzt oder Pferdeosteopath vor

    Das ISG ist kein Gelenk, das man einfach von außen sieht oder tastet. Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination von Schritten.

    1. Anamnese:
    Was ist wann aufgefallen? Schleichend oder akut? Sturz oder Verfehlen im Training? Sattelwechsel, Beschlagwechsel, Trainerwechsel? Hat eine NSAR-Gabe (Phenylbutazon, Firocoxib) etwas bewirkt? Diese Vorgeschichte gibt dem Untersucher schon einen großen Teil des Bildes.

    2. Klinische Untersuchung:
    Palpation des Beckenrings, des Tuber sacrale und der Kruppenmuskulatur auf Asymmetrien und Druckdolenz. Provokationstests — zum Beispiel gezielter Druck auf den Tuber coxae oder Beugeproben der Hinterhand — können ISG-spezifische Reaktionen auslösen.

    3. Ganganalyse:
    Hand-Vorführen auf gerader Linie und auf der Volte in beiden Händen, Longierung in allen drei Gangarten, idealerweise auch Beurteilung unter dem Reiter. Die Asymmetrie in der Schrittlänge, Galoppfußfolge und Übergangsbewegung gibt oft mehr Information als alles andere.

    4. Diagnostische Anästhesie — Goldstandard:
    Eine ultraschallgesteuerte Infiltration des ISG mit einem Lokalanästhetikum bestätigt das Gelenk als Schmerzquelle, wenn das Pferd danach messbar besser geht. Dieser Eingriff findet ausschließlich in der Klinik unter Ultraschallkontrolle statt — wegen des unmittelbaren Verlaufs des Nervus ischiadicus am kaudalen Gelenksrand ist eine freihändige Punktion zu riskant.

    5. Bildgebung (falls indiziert):

    • Ultraschall des Bandapparats und gelenknaher Strukturen: gut zugänglich, Standard in spezialisierten Praxen.
    • Szintigraphie: Sensitiver Nachweis von Knochenstoffwechsel-Erhöhung im ISG-Bereich. In Kombination mit klinischer Untersuchung und diagnostischer Anästhesie gilt sie als sichere Diagnosekombination.
    • Röntgen: Im ISG-Bereich des Pferdes wegen Tiefe und Knochenüberlagerung limitiert — hilfreich zum Ausschluss von Beckenfrakturen, nicht zur ISG-Beurteilung selbst.
    • MRT: Möglich in spezialisierten Hochfeld-MRT-Zentren für Großtiere, aber selten Erstmaßnahme.

    Therapie-Ansätze — Übersicht

    Was bei einer ISG-Blockade hilft, hängt von Ursache, Schwere und Begleitbefunden ab. Hier eine ehrliche Übersicht der gängigen Ansätze — kein individueller Behandlungsplan, sondern eine Landkarte, die zeigt, was ein Therapeut in Betracht zieht.

    Akutphase — primär Tierarzt:
    Schmerz- und Entzündungsmanagement mit NSAR (Phenylbutazon, Firocoxib) unter tierärztlicher Verordnung, kontrollierte Bewegung oder Boxenruhe je nach Befund.

    Manuelle Therapie / Pferdeosteopathie:
    Mobilisation des ISG durch ausgebildete Pferdeosteopathen und manuelle Therapeuten — kombiniert mit der Behandlung der muskulären Kompensationsmuster im Bereich Lende, Kruppe und Hintergliedmaße. Osteopathie ist klinisch etabliert; die wissenschaftliche Evidenzdichte in randomisiert kontrollierten Studien ist begrenzt, was bei der Breite manueller Interventionen beim Pferd nicht ungewöhnlich ist.

    Physiotherapie / kontrolliertes Aufbautraining:
    Gezielte Stangen- und Cavaletti-Arbeit zur Aktivierung der Hinterhand. Hügel-Arbeit (Bergauf-Schritt) zur Kräftigung der Glutealmuskulatur. Mobilisationsübungen wie Carrot Stretches oder Belly Lifts — ausschließlich nach Anleitung des Therapeuten, nicht als Selbstkurs.

    Begleitende Ursachen-Arbeit:
    Sattel-Check durch zertifizierten Sattler, Beschlag-Check durch Hufschmied, Reitersitz-Analyse. Ohne diese Schritte kehren Blockaden oft zurück.

    Optional / klinisch:
    Stoßwellentherapie (ESWT) der Bandansätze, lokale Kortikoid-Injektion unter Ultraschall, Mesotherapie, Akupunktur als Begleitung — alles in tierärztlicher Hand und eingebettet in ein Gesamtkonzept.

    Was Halter NICHT selbst machen:
    Kein eigenständiges „Einrenken“, keine NSAR-Selbstmedikation, keine Zugübungen ohne Anleitung. Eine falsch ausgeführte Manipulation kann Bänder verletzen oder eine bestehende Blockade verschlimmern.

    Aus zwanzig Jahren Praxis — was ich immer wieder sehe

    Die folgenden Beobachtungen sind persönliche Praxis-Erfahrungen aus zwanzig Jahren manueller Arbeit am Pferd. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose und sind keine Garantie für einen individuellen Behandlungserfolg.

    Zwanzig Jahre. Ein bisschen mehr, wenn ich ehrlich addiere. In dieser Zeit hat man so seine Muster. Das ISG-Pferd hat meistens drei Gesichter.

    Erstes Gesicht: Das Pferd, das „schwierig“ ist. Es läuft nicht, wie es soll, auf einer Hand geht’s, auf der anderen nicht. Der Reiter hat schon alles versucht — neuen Sattel, neuen Reiter, neues Gebiss. Wenn ich dann ankomme und das ISG abtaste — langsam, mit beiden Daumen entlang des Kreuzbeins, quer über die Tuber sacrale, dann rauf auf die kurzen Lendenstrecken — dann reagiert das Tier manchmal schon auf die erste Berührung. Ein kurzes Einziehen, eine Versteifung im Rücken. Das sagt mehr als jede Anamnese.

    Zweites Gesicht: Das Pferd nach dem Sturz. Ausgerutscht auf dem Paddock, über einen Sprung geflogen und irgendwie unsauber gelandet, im Hänger hängen geblieben — und danach nichts wie vorher. Das ISG kann eine punktuelle Verletzung haben, es kann durch den Gesamtschock des Beckenrings aus dem Gleichgewicht geraten sein. Das ist nicht immer dramatisch sichtbar, aber man spürt’s.

    Drittes Gesicht: Das Pferd, das kompensiert. Vorne schmerzt was — Huf, Sprunggelenk, Rücken — und das Tier hat sich drei Jahre lang einen Ausweichweg gebaut, der am Ende sein ISG mitgezogen hat. Dann behandelst du das ISG und es hilft, aber wenn du den Primärherd nicht findest, kommt’s zurück.

    Was ich taste, bevor ich überhaupt anfange: Muskeltonus links-rechts im Kreuzbereich. Symmetrie der Tuber sacrale — ist da ein Höcker höher? Reagiert das Gewebe auf leichten Druck, oder ist da eine glasartige Spannung, die sich nicht nachgibt? Das sind keine dramatischen Befunde. Kein Krachen, kein Knacken. Das ISG ist stilles Gelenk. Es zeigt sich über Qualitäten, nicht über Lärm.

    Und ich überweise öfter als die Leute denken. Wirklich. Wenn ich komme und merke, da stimmt was nicht, was über manuelles Arbeiten hinausgeht — Asymmetrie, die verdächtig ist für Fraktur, Nervensymptome, Dinge, die sich nicht erklären — dann ist mein nächster Anruf der Tierarzt. Das ist kein Eingeständnis von Grenzen. Das ist Handwerk. Ein Pferdeosteopath, der nicht überweist, macht was falsch.

    Was ich am häufigsten sehe, wenn ein Pferd nach der Behandlung wieder richtig schwingt: Die Besitzerin weint. Das ist nicht übertrieben. Du hast monatelang mit einem Tier gekämpft, das nicht mehr so war wie früher, und dann kommt es aus der Sitzung raus und der Rücken schwingt wieder. Das passiert. Nicht immer, nicht garantiert — Behandlungserfolg hängt von Befund, Ursache und vielen anderen Faktoren ab. Aber es passiert.

    Erste Schritte wenn der Verdacht besteht

    Wenn du das Gefühl hast, dass mit dem ISG deines Pferdes etwas nicht stimmt — hier ist ein sinnvoller Handlungsrahmen. Kein Behandlungsplan, sondern wie ein verantwortungsvoller Halter vorgeht.

    Schritt 1: Beobachten und dokumentieren
    Halte fest, was wann auffällt: In welcher Gangart, auf welcher Hand, bei welcher Übung. Video auf dem Smartphone hilft. Je genauer die Dokumentation, desto effizienter die Diagnose durch den Fachmann.

    Schritt 2: Sattel und Beschlag prüfen lassen
    Bevor jemand am Pferd anfasst: Sattelpassform durch einen zertifizierten Sattler checken lassen, Hufstellung und Beschlag durch den Hufschmied beurteilen. Häufig sind das die unentdeckten Mitverursacher.

    Schritt 3: Tierarzt für klinische Untersuchung
    Die Ganganalyse, Palpation und gegebenenfalls bildgebende Diagnostik klären, ob wirklich das ISG betroffen ist — oder ob ein anderer Befund dahintersteckt.

    Schritt 4: Bei Bestätigung — manuelle Therapie und Physiotherapie in Absprache
    Tierarzt und Osteopath/Physiotherapeut arbeiten am besten zusammen. Schmerzkontrolle zuerst, dann manuelle Mobilisation, dann strukturierter Aufbau.

    Schritt 5: Reha-Aufbau dokumentieren
    Halte die Trainingsbelastung und die Reaktion des Pferdes fest. Keine übereilte Rückkehr ins normale Training — ein stufenweiser Aufbau über vier bis acht Wochen ist realistisch.

    FAQ — Häufige Fragen zur ISG-Blockade beim Pferd

    Wie erkenne ich eine ISG-Blockade bei meinem Pferd?

    Typisch sind Hängekruppe, Probleme beim Angaloppieren, Druckempfindlichkeit über dem Kreuzbein und Taktfehler hinten. Diese Anzeichen sind aber nicht eindeutig — sie überlappen mit anderen Erkrankungen. Eine sichere Erkennung gelingt nur durch Tierarzt oder Pferdeosteopath.

    Wie lange dauert die Heilung einer ISG-Blockade?

    Bei einer einfachen, akuten Blockade kann nach einer einzigen manuellen Behandlung Besserung eintreten. Realistischer Reha-Aufbau: vier bis acht Wochen mit kontrolliertem Training. Chronische Fälle mit eingeschliffenen Kompensationsmustern brauchen mehrere Monate.

    Was kostet die Behandlung einer ISG-Blockade beim Pferd?

    Tierärztliche Erstuntersuchung und pferdeosteopathische Behandlungen werden unterschiedlich berechnet. Bildgebung und diagnostische Anästhesie in der Klinik kommen separat hinzu. Konkrete Angebote erfragst du direkt beim jeweiligen Anbieter.

    Kann ich eine ISG-Blockade selbst lösen?

    Nein. Manipulationen am Becken ohne fachliche Ausbildung können schaden — von Bandverletzungen bis zur Verschlimmerung der Blockade. Verantwortungsvoll: Verdacht dokumentieren, Sattel und Beschlag prüfen lassen, dann tierärztlich abklären.

    Welche Übungen helfen bei einer ISG-Blockade?

    Kontrollierte Stangen- und Cavaletti-Arbeit, Hügel-Schritt und gezielte Mobilisationsübungen können den Wiederaufbau unterstützen — aber nur unter Anleitung. Was genau geeignet ist, hängt vom individuellen Befund ab und legt der Therapeut fest.

    Wann sollte ich den Tierarzt rufen?

    Sofort bei: Lahmheit, plötzlicher Verhaltensänderung, starkem Druckschmerz oder Hinterhandschwäche. Auch bei diffusen Rittigkeitsproblemen, die über zwei Wochen nicht besser werden, gehört eine Abklärung dazu. Bei einem Kolik-Verdacht gilt ohnehin: sofort Tierarzt — die Erstmaßnahmen findest du in unserem Artikel Kolik beim Pferd — der komplette Notfallplan.

    Ist eine ISG-Blockade dasselbe wie Kissing Spines?

    Nein. Eine ISG-Blockade betrifft das Iliosakralgelenk zwischen Becken und Kreuzbein. Kissing Spines ist ein Konflikt der Dornfortsätze in der Brust- oder Lendenwirbelsäule — eine andere Lokalisation, eine andere Struktur. Beide können sich ähnlich äußern; die Abgrenzung übernimmt die tierärztliche Diagnostik.

    Aus Ostfriesland — wenn du in der Region bist

    Ich arbeite hauptsächlich im Raum Ostfriesland — Aurich, Wittmund, Norden, die Gegend zwischen Küste und Moor. Manchmal auch weiter, wenn’s sein muss, aber hier kenn ich die Ställe, die Böden, die Pferde. Ostfriesland ist Pferdeland. Das war schon immer so.

    Wenn dein Pferd Symptome zeigt, die auf eine ISG-Problematik hindeuten könnten, und du im Norden bist: Meld dich. Über die Webseite, per Nachricht — geht einfach. Ich schau mir das an, ich sag dir ehrlich, was ich sehe, und wenn ich der Falsche bin, sag ich das auch.

    Kein Druck, kein Versprechen. Ich bin kein Wundermacher, und ich sag nie, was ich nicht halten kann. Aber ich hab zwanzig Jahre in dieser Region gearbeitet, und ich weiß, was ein Pferd von hier braucht.

    Mehr zu mir und meiner Arbeit findest du auf der Über-mich-Seite. Kontakt und Impressum im Footer.

    Was hinter dem Begriff „Knochenbrecher“ steckt, erkläre ich hier: Knochenbrecher — was ist das?

    Weiterführende Artikel auf knochenbrecher.de

  • EMS beim Pferd — Equines Metabolisches Syndrom: Ein umfassender Leitfaden für Pferdebesitzer

    EMS beim Pferd — Equines Metabolisches Syndrom: Ein umfassender Leitfaden für Pferdebesitzer

    Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) ist eine Stoffwechselstörung des Pferdes, bei der die Körperzellen nicht mehr richtig auf Insulin reagieren (Insulinresistenz). Folge: dauerhaft erhöhte Insulinwerte schädigen die Huflederhaut und lösen Hufrehe aus. Typische Anzeichen sind regionale Fettpolster an Mähnenkamm und Schweifansatz, Wassersucht-ähnliche Schwellungen über den Augen sowie wiederkehrende Hufrehe-Schübe. Besonders gefährdet sind Ponys, Haflinger und leichtfuttrige Rassen. Diagnose und Therapie gehören in tierärztliche Hand.


    Moin! Schön, dass du hier bist. Wir sprechen Klartext – kein Blabla, sondern das, was du wirklich über EMS beim Pferd wissen musst. Los geht’s!

    Das Wichtigste auf einen Blick:

    • EMS = Equines Metabolisches Syndrom: Insulinresistenz + Fettablagerungen
    • Risiko: Pony, leichtfuttrige Rassen, Übergewicht, Bewegungsmangel
    • Hauptgefahr: Hufrehe durch chronisch erhöhte Insulinspiegel
    • Diagnose: Bluttest (Basales Insulin, OST), Körperkondition, Fettpolster prüfen
    • Behandlung: Diätfütterung, wenig/kein Gras, Bewegung aufbauen, ggf. Levothyroxin

    EMS Pferd — Equines Metabolisches Syndrom
    Foto von Helena Lopes auf Unsplash

    Wie EMS entsteht: Die Pathophysiologie verständlich erklärt

    Um EMS wirklich zu verstehen, lohnt ein kurzer Blick hinter die Kulissen des Pferdekörpers. Keine trockene Medizin — sondern das, was du als Besitzer wirklich wissen musst.

    Die Rolle des Insulins

    Normalerweise funktioniert es so: Dein Pferd frisst Gras oder Heu, der Blutzucker steigt, die Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin aus, die Zellen nehmen Zucker auf — der Blutzucker sinkt wieder. Ein einfacher Regelkreis.

    Beim EMS-Pferd ist dieser Regelkreis gestört: Die Körperzellen reagieren weniger empfindlich auf Insulin — sie sind insulinresistent. Die Bauchspeicheldrüse muss deshalb immer mehr Insulin produzieren, um denselben Effekt zu erzielen. Das führt zu dauerhaft erhöhten Insulinspiegeln im Blut — einer sogenannten Hyperinsulinämie.

    Warum das die Hufe zerstört

    Chronisch erhöhte Insulinspiegel wirken direkt toxisch auf die Huflederhaut (Laminae). Die empfindlichen Lamellen, die Hufbein und Hufkapsel verbinden, verlieren ihre Durchblutung. Die Gewebsversorgung bricht zusammen, das Hufbein rotiert oder sinkt — das ist Hufrehe.

    Entscheidend: Nicht das Übergewicht selbst verursacht die Hufrehe. Es ist die chronische Hyperinsulinämie. Deshalb kann auch ein äußerlich normalgewichtiges Pferd EMS haben und plötzlich Hufrehe entwickeln.

    Saisonale Schwankungen — warum Frühjahr und Herbst kritisch sind

    Gras enthält im Frühjahr und Herbst besonders viel Fruktane (kurzkettige Fruktan-Zucker, die in der Pflanze gespeichert werden). Bei empfindlichen Pferden schießt der Insulinspiegel nach kurzer Weidezeit in die Höhe. Hinzu kommt: Insulinwerte schwanken natürlicherweise mit dem Tageslicht. Im Herbst steigen sie bei allen Pferden leicht an — was die Diagnose erschwert und die Referenzwerte des Labors wichtig macht.

    Problem: Warum EMS dein Pferd in Gefahr bringt

    EMS ist eine Stoffwechselstörung mit Insulinresistenz, Hufrehe-Neigung und Fettdepots. Betroffene Pferde haben einen gestörten Glukosestoffwechsel — ihr Körper reagiert nicht mehr richtig auf Insulin.

    Besonders tückisch: Viele Besitzer merken es erst, wenn die Hufrehe kommt. Dabei lässt sich EMS bei rechtzeitiger Erkennung gut managen.

    Hauptgefahr: Hufrehe durch Insulinspitzen

    Erhöhte Insulinwerte wirken direkt toxisch auf die Huflederhaut. Das Hufbein löst sich von der Hufkapsel — ein lebensbedrohlicher Zustand. Nicht das Fett selbst, sondern das chronisch erhöhte Insulin ist der Auslöser.

    Typische Symptome

    • Hufrehe: Hufschonhaltung, Wärme, pulsierende Fesselarterien, „Sägebockstellung“
    • Fettdepots: Halskamm, hinter den Schultern, Nierenpartie, Fettscheide
    • Allgemein: Easy Keeper, Trägheit, Zyklusstörungen bei Stuten, stumpfes Fell

    Achtung: Vermehrter Durst und Harndrang sind keine typischen EMS-Symptome — das deutet auf PPID (Cushing) hin.

    Risikofaktoren: Wer ist gefährdet?

    EMS trifft nicht alle Pferde gleich. Diese Faktoren erhöhen das Risiko deutlich:

    Risikofaktor Niedriges Risiko Mittleres Risiko Hohes Risiko
    Rasse Warmblut, Vollblut Araber, Fjordpferd, Noriker Pony-Rassen, Welsh, Morgan, Haflinger, Isländer
    Body Condition Score 4–5 / 9 6–7 / 9 8–9 / 9 (Adipositas)
    Fütterung Heu <10 % WSC, kein Kraftfutter Gelegentlich Kraftfutter oder fetteres Heu Getreide, Melasse, unbegrenzter Weidezugang
    Bewegung >1 Stunde täglich 30–60 Minuten <30 Minuten oder Boxenhaltung ohne Auslauf
    Vorgeschichte Keine Hufrehe Einmalige Hufrehe-Episode Wiederkehrende Hufrehe oder bekannte EMS-Diagnose

    Diagnose: Wie EMS sicher festgestellt wird

    Eine klinische Verdachtsdiagnose reicht nicht — nur Blutuntersuchungen geben Gewissheit. Hier findest du den kompletten Diagnosepfad, was er kostet und wer ihn durchführt.

    Klinische Beurteilung als erster Schritt

    • Body Condition Score (BCS): Bewertung von 1 (extrem mager) bis 9 (stark übergewichtig). BCS ≥7 ist ein deutliches Warnsignal.
    • Halskamm-Index: Der Halskamm wird auf einer Skala von 0–5 bewertet. Ab Stufe 3 besteht erhöhtes EMS-Risiko.
    • Fettpolster: Schulterblatt-Region, Nierenpartie und Fettscheide (bei Wallachen/Hengsten) systematisch abtasten.
    • Hufkontrolle: Wärme, Pulsation, empfindlicher Huf beim Huftest.

    Basales Insulin — der günstige Einstieg

    Als kostengünstiger erster Test genügt oft die basale Insulinmessung: Eine nüchterne Blutprobe am Morgen nach mindestens 4–6 Stunden ohne Gras und Heu. Grenzwert: >20 µIU/ml deutet auf Insulinresistenz hin (Referenzwert je nach Labor unterschiedlich — immer die Laborangabe beachten!). Ist der Wert grenzwertig, folgt der OST zur Bestätigung.

    Kosten: ca. 20–40 € (Tierarzthausbesuch + Laboranalyse eines Parameters).

    Oral Sugar Test (OST) — der Praxisstandard

    Der OST ist heute der gebräuchlichste Dynamiktest für EMS in der ambulanten Praxis. Ablauf:

    1. Pferd mindestens 4–6 Stunden nüchtern (kein Gras, kein Heu, kein Kraftfutter)
    2. 0,15 ml/kg Körpergewicht Karo-Sirup oral verabreichen (z. B. 75 ml für ein 500-kg-Pferd)
    3. Blutabnahme nach 60 und 90 Minuten
    4. Grenzwert: Insulin >45 µIU/ml nach 60–90 Minuten (laborspezifisch) = positiver Befund für Insulindysregulation

    Kosten: ca. 50–100 € je nach Praxis (Hausbesuch + 2 Blutabnahmen + Laboranalyse). Jeder praktizierende Pferdetierarzt kann den OST durchführen.

    CGIT — der Spezialistentest

    Der CGIT (Combined Glucose-Insulin Test) wird vor allem an Universitätskliniken durchgeführt und ist in der normalen Pferdepraxis selten notwendig. Er ermöglicht eine feinere Unterscheidung der Insulindynamik, ist aber aufwendiger und teurer (stationäre Durchführung, ca. 200–350 €). Für die meisten Pferdebesitzer reicht der OST vollständig aus.

    PPID-Ausschluss nicht vergessen

    Da PPID (Cushing) ähnliche Symptome verursachen kann und häufig zusammen mit EMS vorkommt, gehört eine ACTH-Messung zur vollständigen Abklärung. Wichtig: ACTH-Referenzwerte sind saisonabhängig — die Probe sollte im Herbst nach den laborspezifischen Herbst-Grenzwerten bewertet werden.

    Lösung: So bringst du EMS unter Kontrolle

    Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Management kannst du dein Pferd in Remission bringen — symptomfrei und bei guter Lebensqualität. Hier die drei Säulen:

    1. Fütterungs-Management — das A und O

    Ernährung ist der wirksamste Hebel beim EMS-Management. Wichtig ist nicht nur was, sondern auch wie gefüttert wird:

    • Heu: WSC (wasserlösliche Kohlenhydrate) <10 % Trockenmasse. Bei unbekannten Werten: Heuanalyse beauftragen (ca. 30–50 €). Bei hohem WSC-Gehalt: Heu 30–60 Minuten wässern (reduziert WSC um ca. 20–30 % (variabel je nach Heuart und Temperatur)).
    • Heumenge: 1,5 % des Körpergewichts täglich aufgeteilt auf mehrere Mahlzeiten. Heunetze mit kleinen Maschen (ca. 3–4 cm) verlangsamen die Aufnahme und stabilisieren den Insulinspiegel.
    • Kraftfutter: Komplett streichen oder auf ein Minimum reduzieren. Kein Hafer, kein Müsli, keine Produkte mit Melasse oder Getreide.
    • Mineralfutter: Ja — aber ohne Getreideträger und ohne Melasse. Speziell für EMS/Hufrehe geeignete Mineralfutter gibt es von verschiedenen Herstellern.
    • Weidezugang dosieren: Bei akuter Hufrehe oder stark erhöhten Insulinwerten: komplett meiden. Bei stabilen Werten: max. 30–60 Minuten auf trockenem oder abgeerntetem Rasen. Nie früh morgens weiden (Fruktan-Maximum). Bei Frost: kein Weidegang (Nicht-Struktur-Kohlenhydrate/NSC akkumulieren — darunter Fruktane und einfache Zucker, die Insulinantwort steigt).

    2. Bewegungs-Protokoll für EMS-Pferde

    Regelmäßige Bewegung ist neben der Fütterung der zweite entscheidende Faktor. Bewegung erhöht die Insulinsensitivität der Muskelzellen direkt — ähnlich wie beim Menschen mit Typ-2-Diabetes.

    Wichtig: Bei akuter Hufrehe darf das Pferd sich nicht bewegen. Erst nach tierärztlicher Freigabe und Abklingen des akuten Schubs. Danach:

    • Woche 1–2: Schritt-Handarbeit 15–20 Minuten täglich. Kein Druck, kein Trab.
    • Woche 3–4: Leichte Schritt-Longierarbeit 20–30 Minuten. Kurze Trabphasen einführen.
    • Ab Woche 5: 30–45 Minuten täglich, sanfter Aufbau von Trab- und Galopparbeit.
    • Langfristig: Mindestens 5× pro Woche 30–60 Minuten aktive Bewegung. Tägliche Auslaufmöglichkeit zusätzlich.

    Das Ziel ist nicht Leistungssport, sondern tägliche moderate Aktivität als Dauerzustand.

    3. Medikamente — kritisch prüfen!

    Nicht alles, was verschrieben wird, hilft wirklich. Aktuelle Evidenz (ECEIM Consensus Statement 2019):

    Medikament Evidenz Empfehlung
    Levothyroxin Hoch Bei schwerer Adipositas, kurzfristig (3–6 Monate unter TA-Kontrolle)
    Metformin Niedrig Nicht empfohlen — Bioverfügbarkeit <5 % beim Pferd
    Pergolid Hoch Nur bei PPID, nicht bei reinem EMS

    Kritisch zu Metformin: Trotz häufiger Verschreibung rät die ECEIM davon ab. Sprich mit deinem Tierarzt über Alternativen — Levothyroxin zeigt bei schwerer Adipositas bessere Ergebnisse.

    Vorbeugung — besser als jedes Medikament

    • BCS alle 4–6 Wochen checken, besonders bei Risikorassen.
    • Heuanalyse vor der Weidesaison.
    • Bewegung als tägliche Routine, nicht als Extra.
    • Saisonal: Frühjahr — Weide langsam anfüttern, Herbst — ACTH kontrollieren, Winter — bei Frost kein Weidegang.

    📋 Praxisfall aus Ostfriesland: Haflinger „Niko“, 14 Jahre

    Vorgeschichte: Niko wurde mit aufgetriebenem Halskamm und wiederkehrenden Vorderhuflahmen im Frühjahr vorgestellt. Sein Besitzer hatte ihn bisher als „guten Fresser“ abgetan und die Symptome dem Alter zugeschrieben.

    Befund: BCS 8/9, deutlicher Halskamm (Grad 4/5), basales Insulin 68 µIU/ml (Referenz <20), Wärme in beiden Vorderhufen, positiver Huftest.

    Sofortmaßnahmen: Weidenentzug, gewässertes Heu (30 Minuten, WSC-Reduktion ca. 30 %), Heunetze mit 3-cm-Maschen, Tagesmenge auf 1,5 % Körpergewicht begrenzt, kein Kraftfutter, melassefreies Mineralfutter.

    Verlauf: Nach 8 Wochen: Insulinwert 34 µIU/ml. Nach 6 Monaten konsequentem Management: Insulin 19 µIU/ml, kein Hufrehe-Schub mehr, BCS 6/9, Niko wieder im leichten Training.

    Fazit des Falls: Mit konsequentem Diät-Management ohne Medikamente konnte Niko in Remission gebracht werden. Der Schlüssel war frühzeitiges Handeln — nicht Abwarten.

    Häufige Fragen zu EMS beim Pferd

    Die wichtigsten Fragen, die uns Pferdebesitzer aus Ostfriesland und darüber hinaus stellen — klar und direkt beantwortet.

    Welche Rassen sind am häufigsten von EMS betroffen?

    Besonders häufig betroffen sind Pony-Rassen (Welsh, Shetland, Dartmoor), Haflinger, Morgan Horse, Fjordpferd und Araber. Diese Rassen haben eine genetische Prädisposition zur Insulinresistenz, die evolutionär entstanden ist: Sie kommen aus kargen Regionen und sind auf sehr effiziente Energienutzung ausgelegt — was in moderner Haltung mit üppigem Futterangebot zum Problem wird. Warmblutrassen und Vollblüter sind seltener betroffen, aber nicht ausgeschlossen.

    Kann ein EMS-Pferd geheilt werden?

    Nein. EMS ist chronisch und die genetische Grundlage bleibt lebenslang bestehen. Was du erreichen kannst: vollständige Remission — das Pferd ist symptomfrei bei konsequentem Management. Viele EMS-Pferde leben jahrelang ohne einen einzigen Hufrehe-Schub, wenn Ernährung und Bewegung dauerhaft stimmen.

    Darf ein EMS-Pferd auf die Weide?

    Eingeschränkt. Bei akuter Hufrehe oder stark erhöhten Insulinwerten: kein Weidegang. Bei stabilen Werten und gutem BCS: kurzzeitiger Auslauf auf trockenem oder abgeerntetem Rasen möglich — maximal 30–60 Minuten, aber nicht früh morgens (Fruktan-Maximum). Bei Frost grundsätzlich kein Weidegang — bei Kälte/Stress akkumuliert die Pflanze Nicht-Struktur-Kohlenhydrate (NSC) insgesamt (Fruktane und einfache Zucker), was die Insulinantwort stark erhöht.

    Was ist der Unterschied zwischen EMS und Cushing (PPID)?

    Beide Erkrankungen können ähnliche Symptome verursachen, haben aber grundlegend verschiedene Ursachen: EMS ist primär metabolisch — eine Insulinresistenz ohne hormonellen Auslöser. PPID (Cushing) entsteht durch eine Veränderung der Hirnanhangdrüse mit Überproduktion von ACTH. Ein Pferd kann beides gleichzeitig haben. Wichtig: Das Cushing-Medikament Pergolid hilft bei reinem EMS nicht.

    Ist Hafer für EMS-Pferde tabu?

    Ja. Hafer und alle getreidehaltigen Kraftfutter lösen starke Insulinantworten aus und sind für EMS-Pferde ungeeignet. Alternatives Ergänzungsfutter: Ein gutes Mineralfutter ohne Getreideträger und ohne Melasse, kombiniert mit bedarfsgerechtem, gewässertem Heu.

    Warum wirkt Metformin beim Pferd nicht?

    Metformin hat beim Pferd eine Bioverfügbarkeit von unter 5 % (beim Menschen: 50–60 %). Der Wirkstoff wird im Pferdedarm kaum aufgenommen und erreicht keine therapeutisch wirksamen Spiegel. Die ECEIM empfiehlt Metformin deshalb explizit nicht. Besser belegte Alternative bei schwerer Adipositas: Levothyroxin, kurzfristig und unter tierärztlicher Kontrolle.

    Woran erkenne ich frühzeitig, ob mein Pferd EMS haben könnte?

    Erste Warnsignale: aufgetriebener oder verhärteter Halskamm, Fettpolster hinter der Schulter oder an der Nierenpartie, „Easy Keeper“ (nimmt leicht zu, braucht wenig Futter), wiederkehrende Vorderhuflahmen im Frühjahr. Sicher klären lässt sich die Frage nur durch Bluttests. Wenn du den Verdacht hast: Tierarzt anrufen — nicht abwarten.

    Fazit: EMS ist managbar — aber nur mit dir!

    EMS ist eine chronische Erkrankung, aber kein Todesurteil. Mit konsequentem Management erreichst du Remission und dein Pferd kann ein erfülltes Leben führen. Die genetische Veranlagung bleibt, aber du hältst die Zügel in der Hand.

    1. Früherkennung ist alles — warte nicht auf den ersten Hufreheschub.
    2. Ernährung und Bewegung sind die Basis, Medikamente nur die Kür.
    3. PPID und EMS sind verschiedene Baustellen — lass sie nicht verwechseln.
    4. Remission, nicht Heilung — lebenslange Aufmerksamkeit ist nötig.

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    Quellen: Durham AE, et al. (2019). ECEIM Consensus Statement on EMS. J Vet Intern Med; Frank N, et al. (2010). EMS. J Vet Intern Med; Menzies-Gow NJ, et al. (2017). EMS in UK native ponies. Equine Vet J; Karikoski NP, et al. (2022). Oral sugar test validation and seasonal insulin variation in horses. Equine Vet J.

    EU AI Act Hinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

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  • Cushing beim Pferd — PPID erkennen und behandeln

    Cushing beim Pferd — PPID erkennen und behandeln

    Moin,

    wenn dein Pferd auf einmal aussieht wie ein Yeti und ständig am Wassereimer klebt – dann könnte Cushing (PPID) dahinterstecken. Kein Grund, in Panik zu verfallen, aber auch kein Thema zum Aussitzen. Hier kommt, worauf es ankommt. Kurz, klar, norddeutsch direkt.

    Das Wichtigste auf einen Blick:

    • Was: Cushing (PPID) = degenerative Hirndrüsenerkrankung, meist ab 10 Jahren
    • Erkennen: Langes lockiges Fell das nicht wechselt, Muskelschwund, Hufrehe-Anfälligkeit, starker Durst
    • Diagnose: Bluttest (ACTH-Wert) beim Tierarzt – am besten im Herbst
    • Behandlung: Pergolid (Prascend) täglich – kontrolliert die Symptome dauerhaft
    • Prognose: Nicht heilbar, aber mit Behandlung noch viele Jahre gute Lebensqualität

    Cushing Pferd — PPID
    Foto von Helena Lopes auf Unsplash

    Cushing beim Pferd — PPID erkennen und behandeln

    Cushing beim Pferd — fachlich PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction) — ist eine chronische Hormonstörung der Hirnanhangdrüse, bei der dauerhaft zu viel ACTH ausgeschüttet wird. Typische Anzeichen sind langes, lockiges Fell, das nicht abgeworfen wird (Hirsutismus), Muskelabbau am Rücken, häufige Hufrehe-Schübe, gesteigerter Durst und vermehrte Infekte. Die Diagnose stellt der Tierarzt per Blutbild (ACTH-Wert); mit Pergolid lässt sich PPID gut kontrollieren.

    Problem: Was ist Cushing beim Pferd und woran merkst du es?

    PPID entsteht durch eine degenerative Veränderung der dopaminergen Nervenfasern im Hypophysenzwischenlappen. Dadurch wird ACTH unkontrolliert freigesetzt → vermehrte Cortisolproduktion. Cortisol ist in normalen Mengen lebenswichtig, im Überfluss jedoch schädlich.

    Wann tritt PPID auf?
    PPID kann bereits ab 10 Jahren auftreten (nicht erst ab 15). Die Altersverteilung zeigt:
    Unter 10 Jahren: selten (<5%)
    10–15 Jahre: möglich (10–15%)
    15–20 Jahre: häufig (20–30%)
    Über 20 Jahre: sehr häufig (40–60%)

    Die klassischen Symptome – wenn dein Pferd diese Zeichen zeigt, solltest du hellhörig werden

    • Hirschkleid: struppiges Winterfell, wird nicht oder spät abgeworfen
    • Hufrehe durch gestörten Glukosestoffwechsel und Insulinresistenz
    • Muskelabbau an Rücken und Kruppe + Fetteinlagerungen an Hals, Augen und Schweifwurzel
    • Polydipsie und Polyurie: verstärktes Trinken und Urinieren
    • Geschwächtes Immunsystem, schlechte Wundheilung, erhöhte Infektanfälligkeit
    • Hängebauch, dünne papierartige Haut, Störungen des Rossezyklus
    • Trägheit, Leistungsabfall, allgemeine Schwäche
    • Übermäßiges Schwitzen auch bei geringer Belastung
    • Veränderte Fettverteilung: Fettdepots am Hals („Kammfett“), über den Augen und an der Schweifwurzel

    Lösung: Diagnose, Behandlung und Management – so bekommst du PPID in den Griff

    Diagnose – so stellt der Tierarzt PPID fest

    • ACTH-Bluttest (saisonal schwankend, August–Oktober physiologisch erhöht)
    • TRH-Stimulationstest — Goldstandard mit 95%+ Sensitivität (der veraltete Dexamethason-Suppressionstest wird nicht mehr empfohlen)
    • Insulin-Messung wegen häufiger begleitender Insulinresistenz
    • PPID + EMS Überlappung: 15–30% der PPID-Pferde leiden gleichzeitig an EMS (Equines Metabolisches Syndrom)
    • Klinische Untersuchung: Fellwechsel, Körperzustand, Hufrehe-Anzeichen

    Medikamentöse Therapie – Pergolid ist das Mittel der Wahl

    • Pergolid (Handelsname Prascend®) — Dopaminagonist, hemmt ACTH-Freisetzung
    • Niedrige Startdosis, schrittweise Anpassung nach klinischem Ansprechen und ACTH-Werten
    • Lebenslange Medikation erforderlich
    • Kosten: Prascend® 80–120 €/Monat, Generikum 40–70 €/Monat
    • Nebenwirkungen: Anorexie (10–20%), Lethargie (10–15%), Durchfall (5–10%) — keine Koliksymptome
    • Therapiekontrolle: ACTH-Werte nach 4–6 Wochen überprüfen, dann alle 6–12 Monate

    Fütterungsmanagement bei Cushing-Pferden

    • Zucker- und stärkearme Fütterung, Heu unter 10% NSC (nicht-strukturelle Kohlenhydrate)
    • Kein Getreide, Gras im Frühling einschränken (hoher Fruktangehalt)
    • Heu analysieren lassen: Besonders wichtig bei insulinresistenten Pferden
    • Heunetze verwenden: Verlängern die Fresszeit, vermeiden lange Fresspausen
    • Mineralfutter: Zink, Kupfer und Vitamin E unterstützen das Immunsystem
    • Kraftfutter vermeiden: Nur bei stark untergewichtigen Pferden nach tierärztlicher Absprache

    Bewegung und Hufpflege

    • Moderate Bewegung, engmaschige Hufkontrollen zur Hufrehe-Prävention
    • Täglicher Auslauf: Bewegung fördert Durchblutung und Stoffwechsel
    • Hufschmied alle 6–8 Wochen: Regelmäßige Korrektur beugt Hufrehe vor
    • Bei Hufrehe-Verdacht: Sofort tierärztliche Behandlung, Schmerzmanagement, weiche Einstreu

    Praxis-Beispiele aus der Tierarztpraxis

    Fall 1: „Sunny“, 18 Jahre, Islandpferd-Stute

    Sunny zeigte klassisches Hirschkleid im Mai, verstärktes Trinken und erste Hufrehe-Anzeichen. ACTH-Wert: 85 pg/mL (Referenz <47 pg/mL). Nach Pergolid-Behandlung (1 mg/Tag) und Futterumstellung (kein Gras, analysiertes Heu) besserte sich der Zustand innerhalb von 8 Wochen deutlich. Das Fell wurde normal, die Hufrehe heilte aus.

    Fall 2: „Max“, 22 Jahre, Haflinger-Wallach

    Max hatte ausgeprägte Fettdepots am Hals, lethargisches Verhalten und wiederkehrende Abszesse. Diagnose: PPID + EMS. Behandlung: Pergolid (2 mg/Tag), strikte Diät, tägliches Training. Nach 6 Monaten: Gewichtsreduktion um 40 kg, ACTH im Normbereich, keine neuen Abszesse.

    Cushing-Pferd im Alltag: Praktische Tipps für den Stall

    Ein Cushing-Pferd braucht kein Sonderprogramm, aber ein bisschen mehr Aufmerksamkeit im täglichen Umgang. Hier sind ein paar Dinge, die ich für wichtig halte:

    • Medikament täglich zur gleichen Zeit: Pergolid (Prascend) wirkt am besten, wenn du eine konsistente Routine hast. Viele Pferdebesitzer geben es morgens ins Futter. Wenn das Pferd schlecht frisst, kurz vor dem Tier stehen und beobachten, ob es wirklich alles aufnimmt.
    • Frühjahrs- und Herbstcheck beim Tierarzt: Die ACTH-Werte schwanken jahreszeitlich – im Herbst sind sie natürlich erhöht. Lass die Werte mindestens zweimal im Jahr messen (Frühjahr und nach dem Herbstanstieg), um die Dosierung anzupassen.
    • Fellwechsel beobachten: Ein gut eingestelltes Cushing-Pferd sollte wieder normal Fell wechseln. Wenn das Sommerfell Anfang Juli noch nicht gewechselt hat oder das Winterfell bis in den Mai langgekräuselt bleibt – Tierarzt anrufen, Dosis könnte erhöht werden müssen.
    • Durst im Blick: Wenn das Pferd wieder mehr trinkt als vorher, kann das ein Zeichen sein, dass die Einstellung nicht mehr optimal ist. Einfacher Test: Beobachte, wie oft der Eimer am Tag nachgefüllt wird.
    • Wundheilung beobachten: Cushing-Pferde heilen schlechter. Kleine Schnitte, Schürfwunden oder Insektenstiche, die sich nicht verbessern oder sich entzünden – das ernst nehmen und nicht „warten, ob es sich gibt“.

    Hufrehe bei Cushing-Pferden – das größte Risiko

    Hufrehe ist bei Cushing-Pferden die häufigste und gefährlichste Komplikation. Der gestörte Glukosestoffwechsel und die Insulinresistenz machen den Huf anfällig für die sogenannte lamelläre Separation – das Horn löst sich von der Huflederhaut. Das tut höllisch weh und kann das Hufbein kippen lassen.

    Cushing-Pferde gelten als chronische Hufrehe-Risikopatienten, auch wenn die Grunderkrankung medikamentös eingestellt ist. Was du konkret tun kannst:

    • Fuktanreiches Gras konsequent meiden (besonders morgens, bei Frost-Tauwetter, im Frühjahr und Herbst)
    • Heu analysieren – NSC-Gehalt unter 10% anstreben; heißes Wasser über Heu kippen kann Zuckergehalt leicht reduzieren
    • Hufschmied-Intervall auf 5–6 Wochen verkürzen statt 8
    • Bei jedem Hufschmiedbesuch Huf auf Wärme, Ringe und veränderte Wand-Struktur kontrollieren lassen
    • Weiche Einstreu (Sägespäne, Sand) gibt dem Huf Entlastung

    Wenn dein Cushing-Pferd trotz Pergolid Hufrehe-Schübe hat, könnte eine begleitende EMS-Komponente übersehen worden sein. In dem Fall INSULIN messen lassen – nicht nur ACTH.

    Cushing-Pferd im Winter: Was besonders gilt

    Viele Cushing-Pferde frieren leichter – paradoxerweise trotz ihres langen Fells. Das Hirschkleid ist zwar lang und dicht, hat aber eine veränderte Struktur und dämmt schlechter als normales Winterfell. Außerdem verbrennen Cushing-Pferde durch ihren gestörten Stoffwechsel mehr Energie für die Wärmeregulation.

    Was das bedeutet: Stabile Unterkunft, ausreichend gutes Heu auch in der Nacht, und im Zweifel eine Pferdedecke, wenn das Tier in der Kälte zittert oder Muskeln verliert. Das Gewicht regelmäßig kontrollieren (Maßband am Bauch oder Wiegeband) – Gewichtsverlust im Winter ist ein Warnsignal.

    Mein Knochenbrecher-Tipp zur Vorbereitung: Leg dir für dein Cushing-Pferd ein kleines Notizheft an. Datum, ACTH-Wert, Pergolid-Dosis, Fellzustand, Gewicht – vier Einträge im Jahr reichen. Wenn du dann zum Tierarzt gehst, hast du eine Geschichte dabei statt bloß ein Bauchgefühl. Das macht die Einstellung deutlich einfacher und spart am Ende bares Geld.

    FAQ — Häufige Fragen von Pferdebesitzern

    Kann PPID geheilt werden?

    Nein, PPID ist eine chronische, degenerative Erkrankung. Sie kann jedoch mit Pergolid gut kontrolliert werden. Viele Pferde erreichen bei konsequenter Behandlung ein hohes Alter bei guter Lebensqualität.

    Wie lange lebt ein Pferd mit Cushing?

    Mit Behandlung können Pferde oft noch mehrere Jahre (5–10+ Jahre) bei guter Lebensqualität leben. Ohne Behandlung verschlechtert sich der Zustand rapide, und die Lebenserwartung sinkt deutlich.

    Darf ein Cushing-Pferd auf die Weide?

    Ja, aber mit Einschränkungen. Im Frühling und Herbst (hoher Fruktangehalt im Gras) sollte der Weidegang begrenzt werden. Ein Fresskorb oder eingezäunte Flächen mit reduziertem Grasangebot sind gute Alternativen.

    Was kostet die Behandlung pro Jahr?

    Rechnen Sie mit:
    – Medikamente: 480–1.440 €/Jahr (je nach Präparat)
    – Tierarzt-Kontrollen: 150–300 €/Jahr
    – Hufschmied (häufiger): 400–600 €/Jahr
    – Heuanalyse: 50–100 €/Jahr
    Gesamt: ca. 1.100–2.500 €/Jahr

    Kann ich mein Cushing-Pferd noch reiten?

    Ja, solange das Pferd nicht unter Hufrehe leidet und sich wohlfühlt. Passe das Training dem Fitnesszustand an und vermeide Überlastung. Regelmäßige, moderate Bewegung ist sogar förderlich.


    Fazit: Prognose, Prävention und das Wichtigste zum Mitnehmen

    Prognose

    Die Prognose hängt stark vom Krankheitsverlauf und Begleiterkrankungen ab:
    Ohne Hufrehe: 80–90% 5-Jahres-Überleben
    Mit Hufrehe: 50–60% 5-Jahres-Überleben
    Mit PPID + EMS + Hufrehe: nur 30–40% 5-Jahres-Überleben

    Mit konsequenter Therapie erreichen viele Pferde ein hohes Alter bei guter Lebensqualität. Unbehandelt verschlechtert sich der Zustand rapide.

    Empfehlung: Ab 10 Jahren jährliche ACTH-Kontrolle, ab 15 Jahren unbedingt.

    Prävention — Was du vorbeugend tun kannst

    • Regelmäßige Gesundheitschecks: Ab 10 Jahren jährliche Blutuntersuchung auf ACTH
    • Optimale Fütterung: Zuckerarmes Futter beugt Insulinresistenz vor
    • Bewegung: Regelmäßiges Training hält den Stoffwechsel aktiv
    • Gewicht kontrollieren: Vermeide Übergewicht, besonders bei prädisponierten Rassen
    • Hufpflege: Regelmäßige Kontrollen erkennen Hufrehe frühzeitig

    Dein Pferd zeigt Symptome oder du hast Fragen zur Diagnose?
    📞 Termin vereinbaren — wir beraten dich kompetent und persönlich.

    Quellen: Durham AE, et al. (2019). ACVIM Consensus Statement. J Vet Intern Med; Beehan TS, et al. (2020). TRH stimulation test. J Vet Intern Med; McGowan TW, et al. (2013). PPID prevalence. Aust Vet J.


    Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden immer einen Tierarzt aufsuchen.

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