Das Wichtigste zu Cushing (PPID) in 30 Sekunden:
- ✓Cushing (PPID) = Hormonstörung der Hirnanhangdrüse, meist ab 10 Jahren
- ✓Typisch: Langes Fell, Muskelschwund, Hufrehe, starker Durst
- ✓Diagnose: Bluttest (ACTH-Wert) beim Tierarzt
- ✓Behandlung: Pergolid (Prascend) nur nach tierärztlicher Verordnung – Dosis individuell
- ✓Prognose: Nicht heilbar, aber gute Lebensqualität möglich
Keine Heilversprechen: Wir sind Knochenbrecher, keine Tierärzte.
Auf einen Blick
Was du wissen musst:
- Cushing (PPID) entsteht durch degenerative Veränderungen in der Hirnanhangdrüse, die zu unkontrollierter ACTH-Ausschüttung führen.
- Typische Anzeichen sind langes, lockiges Fell, das nicht wechselt, Muskelschwund und häufige Hufrehe-Schübe.
- Die Diagnose stellt der Tierarzt per Bluttest (ACTH-Wert), am besten im Herbst.
Was du tun solltest:
- Bei Verdacht auf Cushing: Tierarzt kontaktieren und Bluttest (ACTH-Wert) durchführen lassen.
- Therapie nach tierärztlicher Verordnung: meist Pergolid (Prascend) — Dosis wird individuell anhand der ACTH-Werte titriert.
- Regelmäßige Kontrollen beim Tierarzt durchführen lassen, um den Verlauf zu überwachen.
Knochenbrecher-Begleitung als Ergänzung zur tierärztlichen Behandlung möglich — keine Therapie und kein Tierarzt-Ersatz.
Moin,
wenn dein Pferd auf einmal aussieht wie ein Yeti und ständig am Wassereimer klebt – dann könnte Cushing (PPID) dahinterstecken. Kein Grund, in Panik zu verfallen, aber auch kein Thema zum Aussitzen. Hier kommt, worauf es ankommt. Kurz, klar, norddeutsch direkt.
- Was: Cushing (PPID) = degenerative Hirndrüsenerkrankung, meist ab 10 Jahren
- Erkennen: Langes lockiges Fell das nicht wechselt, Muskelschwund, Hufrehe-Anfälligkeit, starker Durst
- Diagnose: Bluttest (ACTH-Wert) beim Tierarzt – am besten im Herbst
- Behandlung: Pergolid (Prascend) täglich – kontrolliert die Symptome dauerhaft
- Prognose: Nicht heilbar, aber mit Behandlung noch viele Jahre gute Lebensqualität
Foto von Helena Lopes auf Unsplash
Cushing beim Pferd — fachlich PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction) — ist eine chronische Hormonstörung der Hirnanhangdrüse, bei der dauerhaft zu viel ACTH ausgeschüttet wird. Typische Anzeichen sind langes, lockiges Fell, das nicht abgeworfen wird (Hirsutismus), Muskelabbau am Rücken, häufige Hufrehe-Schübe, gesteigerter Durst und vermehrte Infekte. Die Diagnose stellt der Tierarzt per Blutbild (ACTH-Wert); mit Pergolid lässt sich PPID gut kontrollieren.
Cushing-Verdacht? Die 5 wichtigsten Warnsignale
Oft sind es nicht die dramatischen Symptome, sondern kleine Veränderungen, die auf Cushing hindeuten. Achte auf diese 5 Zeichen:
- Verzögerter Fellwechsel: Dein Pferd behält einzelne lange Haare (besonders an den Beinen oder unter dem Bauch) bis weit in den Sommer.
- Leistungsabfall & Trägheit: Das Pferd wirkt „lustlos“ oder braucht länger zum Aufwärmen.
- Fettumverteilung: Speckpolster über den Augen (Kuhlen füllen sich auf) oder ein unnatürlicher Mähnenkamm.
- Häufiges Schwitzen: Das Pferd schwitzt ohne erkennbaren Grund oder bei leichter Arbeit unverhältnismäßig stark.
- Wiederkehrende Hufrehe: Auch ohne offensichtlichen Futterfehler treten leichte Hufrehe-Symptome auf.
Problem: Was ist Cushing beim Pferd und woran merkst du es?
PPID entsteht durch eine degenerative Veränderung der dopaminergen Nervenfasern im Hypophysenzwischenlappen. Dadurch wird ACTH unkontrolliert freigesetzt → vermehrte Cortisolproduktion. Cortisol ist in normalen Mengen lebenswichtig, im Überfluss jedoch schädlich.
Wann tritt PPID auf?
PPID kann bereits ab 10 Jahren auftreten (nicht erst ab 15). Die Altersverteilung zeigt:
– Unter 10 Jahren: selten (<5%)
– 10–15 Jahre: möglich (10–15%)
– 15–20 Jahre: häufig (20–30%)
– Über 20 Jahre: sehr häufig (40–60%)
Die klassischen Symptome – wenn dein Pferd diese Zeichen zeigt, solltest du hellhörig werden
- Hirschkleid: struppiges Winterfell, wird nicht oder spät abgeworfen
- Hufrehe durch gestörten Glukosestoffwechsel und Insulinresistenz
- Muskelabbau an Rücken und Kruppe + Fetteinlagerungen an Hals, Augen und Schweifwurzel
- Polydipsie und Polyurie: verstärktes Trinken und Urinieren
- Geschwächtes Immunsystem, schlechte Wundheilung, erhöhte Infektanfälligkeit
- Hängebauch, dünne papierartige Haut, Störungen des Rossezyklus
- Trägheit, Leistungsabfall, allgemeine Schwäche
- Übermäßiges Schwitzen auch bei geringer Belastung
- Veränderte Fettverteilung: Fettdepots am Hals („Kammfett“), über den Augen und an der Schweifwurzel
Lösung: Diagnose, Behandlung und Management – so bekommst du PPID in den Griff
Diagnose – so stellt der Tierarzt PPID fest
- ACTH-Bluttest (saisonal schwankend, August–Oktober physiologisch erhöht)
- TRH-Stimulationstest — Goldstandard mit 95%+ Sensitivität (der veraltete Dexamethason-Suppressionstest wird nicht mehr empfohlen)
- Insulin-Messung wegen häufiger begleitender Insulinresistenz
- PPID + EMS Überlappung: 15–30% der PPID-Pferde leiden gleichzeitig an EMS (Equines Metabolisches Syndrom)
- Klinische Untersuchung: Fellwechsel, Körperzustand, Hufrehe-Anzeichen
Medikamentöse Therapie – Pergolid ist das Mittel der Wahl
- Pergolid (Handelsname Prascend®) — Dopaminagonist, hemmt ACTH-Freisetzung
- Niedrige Startdosis, schrittweise Anpassung nach klinischem Ansprechen und ACTH-Werten
- Lebenslange Medikation erforderlich
- Kosten: Prascend® 80–120 €/Monat, Generikum 40–70 €/Monat
- Nebenwirkungen: Anorexie (10–20%), Lethargie (10–15%), Durchfall (5–10%) — keine Koliksymptome
- Therapiekontrolle: ACTH-Werte nach 4–6 Wochen überprüfen, dann alle 6–12 Monate
Fütterungsmanagement bei Cushing-Pferden
- Zucker- und stärkearme Fütterung, Heu unter 10% NSC (nicht-strukturelle Kohlenhydrate)
- Kein Getreide, Gras im Frühling einschränken (hoher Fruktangehalt)
- Heu analysieren lassen: Besonders wichtig bei insulinresistenten Pferden
- Heunetze verwenden: Verlängern die Fresszeit, vermeiden lange Fresspausen
- Mineralfutter: Zink, Kupfer und Vitamin E unterstützen das Immunsystem
- Kraftfutter vermeiden: Nur bei stark untergewichtigen Pferden nach tierärztlicher Absprache
Bewegung und Hufpflege
- Moderate Bewegung, engmaschige Hufkontrollen zur Hufrehe-Prävention
- Täglicher Auslauf: Bewegung fördert Durchblutung und Stoffwechsel
- Hufschmied alle 6–8 Wochen: Regelmäßige Korrektur beugt Hufrehe vor
- Bei Hufrehe-Verdacht: Sofort tierärztliche Behandlung, Schmerzmanagement, weiche Einstreu
Praxis-Beispiele aus der Tierarztpraxis
Fall 1: „Sunny“, 18 Jahre, Islandpferd-Stute
Sunny zeigte klassisches Hirschkleid im Mai, verstärktes Trinken und erste Hufrehe-Anzeichen. ACTH-Wert: 85 pg/mL (Referenz <47 pg/mL). Nach Pergolid-Behandlung (1 mg/Tag) und Futterumstellung (kein Gras, analysiertes Heu) besserte sich der Zustand innerhalb von 8 Wochen deutlich. Das Fell wurde normal, die Hufrehe heilte aus. (Siehe auch: EMS beim Pferd (Equines Metabolisches Syndrom))
Fall 2: „Max“, 22 Jahre, Haflinger-Wallach
Max hatte ausgeprägte Fettdepots am Hals, lethargisches Verhalten und wiederkehrende Abszesse. Diagnose: PPID + EMS. Behandlung: Pergolid (2 mg/Tag), strikte Diät, tägliches Training. Nach 6 Monaten: Gewichtsreduktion um 40 kg, ACTH im Normbereich, keine neuen Abszesse.
Cushing-Pferd im Alltag: Praktische Tipps für den Stall
Ein Cushing-Pferd braucht kein Sonderprogramm, aber ein bisschen mehr Aufmerksamkeit im täglichen Umgang. Hier sind ein paar Dinge, die ich für wichtig halte:
- Medikament täglich zur gleichen Zeit: Pergolid (Prascend) wirkt am besten, wenn du eine konsistente Routine hast. Viele Pferdebesitzer geben es morgens ins Futter. Wenn das Pferd schlecht frisst, kurz vor dem Tier stehen und beobachten, ob es wirklich alles aufnimmt.
- Frühjahrs- und Herbstcheck beim Tierarzt: Die ACTH-Werte schwanken jahreszeitlich – im Herbst sind sie natürlich erhöht. Lass die Werte mindestens zweimal im Jahr messen (Frühjahr und nach dem Herbstanstieg), um die Dosierung anzupassen.
- Fellwechsel beobachten: Ein gut eingestelltes Cushing-Pferd sollte wieder normal Fell wechseln. Wenn das Sommerfell Anfang Juli noch nicht gewechselt hat oder das Winterfell bis in den Mai langgekräuselt bleibt – Tierarzt anrufen, Dosis könnte erhöht werden müssen.
- Durst im Blick: Wenn das Pferd wieder mehr trinkt als vorher, kann das ein Zeichen sein, dass die Einstellung nicht mehr optimal ist. Einfacher Test: Beobachte, wie oft der Eimer am Tag nachgefüllt wird.
- Wundheilung beobachten: Cushing-Pferde heilen schlechter. Kleine Schnitte, Schürfwunden oder Insektenstiche, die sich nicht verbessern oder sich entzünden – das ernst nehmen und nicht „warten, ob es sich gibt“.
Hufrehe bei Cushing-Pferden – das größte Risiko
Hufrehe ist bei Cushing-Pferden die häufigste und gefährlichste Komplikation. Der gestörte Glukosestoffwechsel und die Insulinresistenz machen den Huf anfällig für die sogenannte lamelläre Separation – das Horn löst sich von der Huflederhaut. Das tut höllisch weh und kann das Hufbein kippen lassen.
Cushing-Pferde gelten als chronische Hufrehe-Risikopatienten, auch wenn die Grunderkrankung medikamentös eingestellt ist. Was du konkret tun kannst:
- Fuktanreiches Gras konsequent meiden (besonders morgens, bei Frost-Tauwetter, im Frühjahr und Herbst)
- Heu analysieren – NSC-Gehalt unter 10% anstreben; heißes Wasser über Heu kippen kann Zuckergehalt leicht reduzieren
- Hufschmied-Intervall auf 5–6 Wochen verkürzen statt 8
- Bei jedem Hufschmiedbesuch Huf auf Wärme, Ringe und veränderte Wand-Struktur kontrollieren lassen
- Weiche Einstreu (Sägespäne, Sand) gibt dem Huf Entlastung
Wenn dein Cushing-Pferd trotz Pergolid Hufrehe-Schübe hat, könnte eine begleitende EMS-Komponente übersehen worden sein. In dem Fall INSULIN messen lassen – nicht nur ACTH.
Cushing-Pferd im Winter: Was besonders gilt
Viele Cushing-Pferde frieren leichter – paradoxerweise trotz ihres langen Fells. Das Hirschkleid ist zwar lang und dicht, hat aber eine veränderte Struktur und dämmt schlechter als normales Winterfell. Außerdem verbrennen Cushing-Pferde durch ihren gestörten Stoffwechsel mehr Energie für die Wärmeregulation.
Was das bedeutet: Stabile Unterkunft, ausreichend gutes Heu auch in der Nacht, und im Zweifel eine Pferdedecke, wenn das Tier in der Kälte zittert oder Muskeln verliert. Das Gewicht regelmäßig kontrollieren (Maßband am Bauch oder Wiegeband) – Gewichtsverlust im Winter ist ein Warnsignal.
Mein Knochenbrecher-Tipp zur Vorbereitung: Leg dir für dein Cushing-Pferd ein kleines Notizheft an. Datum, ACTH-Wert, Pergolid-Dosis, Fellzustand, Gewicht – vier Einträge im Jahr reichen. Wenn du dann zum Tierarzt gehst, hast du eine Geschichte dabei statt bloß ein Bauchgefühl. Das macht die Einstellung deutlich einfacher und spart am Ende bares Geld.
FAQ — Häufige Fragen von Pferdebesitzern
Kann PPID geheilt werden?
Nein, PPID ist eine chronische, degenerative Erkrankung. Sie kann jedoch mit Pergolid gut kontrolliert werden. Viele Pferde erreichen bei konsequenter Behandlung ein hohes Alter bei guter Lebensqualität.
Wie lange lebt ein Pferd mit Cushing?
Mit Behandlung können Pferde oft noch mehrere Jahre (5–10+ Jahre) bei guter Lebensqualität leben. Ohne Behandlung verschlechtert sich der Zustand rapide, und die Lebenserwartung sinkt deutlich.
Darf ein Cushing-Pferd auf die Weide?
Ja, aber mit Einschränkungen. Im Frühling und Herbst (hoher Fruktangehalt im Gras) sollte der Weidegang begrenzt werden. Ein Fresskorb oder eingezäunte Flächen mit reduziertem Grasangebot sind gute Alternativen.
Was kostet die Behandlung pro Jahr?
Rechnen Sie mit:
– Medikamente: 480–1.440 €/Jahr (je nach Präparat)
– Tierarzt-Kontrollen: 150–300 €/Jahr
– Hufschmied (häufiger): 400–600 €/Jahr
– Heuanalyse: 50–100 €/Jahr
Gesamt: ca. 1.100–2.500 €/Jahr
Kann ich mein Cushing-Pferd noch reiten?
Ja, solange das Pferd nicht unter Hufrehe leidet und sich wohlfühlt. Passe das Training dem Fitnesszustand an und vermeide Überlastung. Regelmäßige, moderate Bewegung ist sogar förderlich.
Fazit: Prognose, Prävention und das Wichtigste zum Mitnehmen
Prognose
Die Prognose hängt stark vom Krankheitsverlauf und Begleiterkrankungen ab:
– Ohne Hufrehe: 80–90% 5-Jahres-Überleben
– Mit Hufrehe: 50–60% 5-Jahres-Überleben
– Mit PPID + EMS + Hufrehe: nur 30–40% 5-Jahres-Überleben
Mit konsequenter Therapie erreichen viele Pferde ein hohes Alter bei guter Lebensqualität. Unbehandelt verschlechtert sich der Zustand rapide.
Empfehlung: Ab 10 Jahren jährliche ACTH-Kontrolle, ab 15 Jahren unbedingt.
Prävention — Was du vorbeugend tun kannst
- Regelmäßige Gesundheitschecks: Ab 10 Jahren jährliche Blutuntersuchung auf ACTH
- Optimale Fütterung: Zuckerarmes Futter beugt Insulinresistenz vor
- Bewegung: Regelmäßiges Training hält den Stoffwechsel aktiv
- Gewicht kontrollieren: Vermeide Übergewicht, besonders bei prädisponierten Rassen
- Hufpflege: Regelmäßige Kontrollen erkennen Hufrehe frühzeitig
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Quellen: Durham AE, et al. (2019). ACVIM Consensus Statement. J Vet Intern Med; Beehan TS, et al. (2020). TRH stimulation test. J Vet Intern Med; McGowan TW, et al. (2013). PPID prevalence. Aust Vet J.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden immer einen Tierarzt aufsuchen.
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