Mutterschafe bauen im Frühjahr ab
Mutterschafe bauen ab Frühjahr ist ein wichtiges Thema für Tierbesitzer.
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Mutterschafe im Frühjahr schlapp? Hier kriegst du die Mütter wieder auf die Beine!
Moin, du Schafhalter!
Mutterschafe bauen ab Frühjahr
Wir kennen das doch alle: Der Frühling kommt, die Lämmer springen und die Mutterschafe sollten eigentlich voller Energie sein. Aber dann siehst du die eine oder andere Mutter, die einfach „abbaut“. Sie verliert Gewicht, wirkt müde, und die Lämmer bleiben im Wachstum zurück. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann den ganzen Betrieb durcheinanderbringen. Als Marco, der Knochenbrecher aus Ostfriesland, geb ich dir hier mal ein paar Impulse, was da oft dahintersteckt und wie du dem begegnen kannst.
Das Problem: Warum deinen Müttern im Frühjahr die Puste ausgeht
Wenn deine Mutterschafe im Frühjahr plötzlich schlappmachen, also Gewicht und Kondition verlieren und die Milchleistung sinkt, dann ist das selten eine Einzelursache. Meistens ist es eine unheilige Allianz aus mehreren Faktoren :
- Energie- und Eiweißmangel: Stell dir vor, du hast gerade Zwillinge bekommen und musst jetzt den ganzen Tag Power geben, um die zu versorgen – und das alles bei einer Futterumstellung auf frisches, aber noch nicht super-nährstoffreiches Gras. Mutterschafe mit Zwillingen haben nach dem Ablammen einen enormen Energiebedarf, viel höher als güste Tiere . Wird dieser tägliche Nährstoffbedarf nicht gedeckt, gehen sie an die eigenen Reserven und verlieren Gewicht . So ein Gewichtsverlust auf etwa 80 % des Normalgewichts nennt man Abmagerung, oder im schlimmsten Fall Kachexie, mit ausgeprägtem Muskel- und Substanzverlust .
- Mineral- und Spurenelementmangel: Auch wenn’s nicht sofort sichtbar ist, fehlen oft wichtige Bausteine wie Selen/Vitamin E, Kupfer, Kobalt oder Jod . Das führt dann zu Wachstumsstörungen, Leistungsminderung, Fruchtbarkeitsstörungen, Muskelerkrankungen oder einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen . Frühe Mangelsymptome können dabei leicht übersehen werden .
- Parasitenbelastung: Der Weideaustrieb im Frühjahr ist für Magen-Darm-Nematoden wie Haemonchus contortus, Teladorsagia und Trichostrongylus die reinste Einladung . Die können ordentlich Leistung kosten, deine Schafe abmagern lassen und in schweren Fällen zu Anämie und Todesfällen führen . Besonders gefährdet sind hier die Mutterschafe rund um die Lammzeit (Periparturient rise) .
Wie du das erkennst? Achte auf diese Zeichen:
- Kondition & Gewicht: Die Rippen sind deutlich zu sehen, der Rücken spitz, und die Lendenregion eingefallen. Dein Schaf hat wenig Muskeln, sieht einfach hager aus (Abmagerung/Kachexie) . Die Gewichtsentwicklung ist negativ, obwohl sie auf der Weide sind.
- Allgemeinbefinden: Sie fressen weniger, sind teilnahmslos und bewegen sich weniger . Die Milchleistung geht runter, und die Lämmer wachsen schlecht oder kümmern .
- Parasiten: Weicher Kot oder Durchfall, das Fell ist struppig. Bei Haemonchus contortus können die Schleimhäute blass sein (Anämie) .
- Mängel: Bei Selen/Vitamin E-Mangel kann’s zu Muskelschwäche und Steifigkeit kommen . Generell wirken die Tiere nicht fit, regenerieren schlecht und das Wollkleid ist von minderer Qualität .
Die Lösung: Packen wir das Problem an!
Klar ist: Ich bin kein Tierarzt. Aber ich kann dir sagen, wie du Hilfe zur Selbsthilfe leisten und die richtigen Schritte einleiten kannst. Der erste und wichtigste Impuls ist immer: Genaue Beobachtung und gezielte Diagnostik!
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Tierärztliche Diagnostik – Dein erster Schritt zum Fachmann:
- Körperkondition bewerten und Wiegen: Regelmäßig den Body Condition Score (BCS) prüfen und die Tiere wiegen . So siehst du, wer wirklich abbaut und kannst Korrekturfütterungen einleiten .
- Kotuntersuchungen (Eizahlbestimmung) nehmen: Schick Kotproben ans Labor! Das ist das A und O, um Magen-Darm-Würmer und Kokzidien zu erkennen . Entwurmung nur nach Befund, sonst züchten wir Resistenzen !
- Blutproben ziehen lassen: Bei Verdacht auf Mangel musst du wissen, welcher! Dein Tierarzt kann Blutproben nehmen und auf Selen, Kupfer, Kobalt und gegebenenfalls weitere Mineralien/Vitamine testen lassen . Auch Maul, Zähne, Euter und chronische Infektionen gehören bei abmagernden Tieren beurteilt .
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Angepasste Fütterung – Der Motor muss laufen:
- Separate Fütterung: Mutterschafe mit Zwillingen haben einen deutlich höheren Energiebedarf als Einlingsmütter . Halt sie getrennt und füttere sie bedarfsgerecht nach Lammzahl und Leistungsstadium!
- Bedarfsgerecht heißt: Genug Energie und Eiweiß. Berücksichtige die Lebendmasse und das Trächtigkeits-/Laktationsstadium .
- Langsam anweiden: Der Übergang von Stallfutter auf frisches Gras im Frühjahr ist eine Umstellung. Gib den Schafen ausreichend Rohfaser (Heu/Stroh) vor oder nach dem Weidegang, das hilft dem Pansen und verhindert Verdauungsstörungen .
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Parasitenkontrolle – Mach den Würmern das Leben schwer:
- Strategische Entwurmung: Wenn die Kotprobe positiv ist, entwurme deine Mutterschafe gezielt vor dem Weideaustrieb . Bei Bedarf Wiederholung nach Kotuntersuchung .
- Weidemanagement: Wechsel die Weiden regelmäßig und lass sie auch mal ruhen. Das Weidemanagement kann helfen, die Parasitenbelastung zu reduzieren .
- Kein Blindflug: Bitte, entwurme nicht einfach so „auf Verdacht“! Das fördert Resistenzen und dann wirken die Mittel irgendwann nicht mehr .
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Ausgleich von Mineral- und Spurenelementmängeln – Bausteine richtig ergänzen:
- Gezielte Behandlung: Wenn der Tierarzt einen Mangel, zum Beispiel an Selen/Vitamin E, festgestellt hat, dann muss das gezielt behandelt werden, oft mit Injektionen und konsequenter Gabe selenhaltiger Mineralfutter. Verlaufskontrollen über Blutproben sind wichtig .
- Bedarfsorientierte Versorgung: Denk an Leckmassen, Mineralfutter oder Boli. Die Mineralstoffversorgung sollte immer an die regionalen Boden- und Futtergehalte angepasst sein .
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Bestandsmanagement / Prophylaxe – Die beste Vorsorge:
- Regelmäßige Kontrolle: Behalte den BCS und das Gewicht deiner Mütter im Auge, insbesondere im Spätwinter und Frühjahr. Korrigier die Fütterung, sobald du merkst, dass sie abbauen .
- Erholung: Gib den Mutterschafen genug Zeit und eine gute Körperkondition zwischen den Ablammungen. Das ist wichtig für die Fruchtbarkeit und Leistung .
- Stall- und Weidehygiene & Wasser: Sauberer Stall, saubere Weide. Minimier Stress und sorg für ausreichend frisches Wasser, besonders wichtig vor und nach dem Austrieb .
Fazit: Mit wachem Auge und Plan zum Erfolg
Das „Abbauen“ von Mutterschafen im Frühjahr ist ein komplexes Thema, aber kein Hexenwerk, wenn man die Ursachen kennt und gezielt handelt. Du bist der Kapitän auf deinem Hof und hast die besten Chancen, das frühzeitig zu erkennen. Mit wachem Auge, den richtigen Diagnosen vom Tierarzt und einer konsequenten Anpassung von Fütterung und Management, kriegst du deine Mütter wieder fit. Es geht darum, die Tiere genau zu beobachten, die richtigen Fragen zu stellen und dann die Impulse umzusetzen. So bleiben deine Herde gesund und produktiv!
Packen wir’s an!
Dein Marco, der Knochenbrecher.
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Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden oder Unsicherheiten bitte immer einen Tierarzt aufsuchen.
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