Kategorie: Atemwege Pferd

  • EMS beim Pferd — Equines Metabolisches Syndrom: Ein umfassender Leitfaden für Pferdebesitzer

    EMS beim Pferd — Equines Metabolisches Syndrom: Ein umfassender Leitfaden für Pferdebesitzer


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    meta_description: „Alles über EMS beim Pferd: Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung. Erfahren Sie, wie Sie Ihr Pferd vor Hufrehe schützen und richtig füttern.“


    EMS Pferd — Equines Metabolisches Syndrom
    Foto von Helena Lopes auf Unsplash

    EMS beim Pferd — Equines Metabolisches Syndrom: Ein umfassender Leitfaden für Pferdebesitzer

    Wenn Sie den Begriff EMS Pferd hören, denken Sie vielleicht zunächst an eine seltene Erkrankung. Doch das Equine Metabolische Syndrom ist in Deutschland verbreitet und betrifft schätzungsweise ca. 6-7% aller Pferde, bei Ponies sogar etwa 15% (Durham et al. 2019, ACVIM Consensus Statement). Als Pferdebesitzer ist es wichtig, die Warnsignale zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.

    In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie über EMS beim Pferd wissen müssen — von den ersten Symptomen über die Diagnose bis hin zur erfolgreichen Behandlung und Vorbeugung.

    Was ist EMS beim Pferd?

    EMS Pferd equines metabolisches Syndrom

    Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) ist eine Stoffwechselstörung, die durch Insulinresistenz, Hufrehe-Neigung und charakteristische Fettdepots gekennzeichnet ist. Betroffene Pferde haben einen gestörten Glukosestoffwechsel: Ihr Körper reagiert nicht mehr ausreichend auf Insulin, was zu erhöhten Insulinwerten im Blut führt.

    Besonders tückisch: Viele Pferdebesitzer bemerken das Problem erst, wenn erste Hufrehe-Schübe auftreten. Dabei lässt sich EMS beim Pferd bei rechtzeitiger Erkennung gut managen.

    Wichtige Abgrenzung: EMS vs. PPID

    Häufig werden EMS und PPID (Equines Cushing-Syndrom) verwechselt oder als dasselbe betrachtet. Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Erkrankungen:

    Merkmal EMS PPID (Cushing)
    Ursache Insulinresistenz, Adipositas Hypophysen-Tumor (Pars intermedia)
    Typische Symptome Fettdepots, Hufrehe Hirsutismus (langes Fell), Polydipsie/Polyurie
    Alter Jedes Alter Häufig ältere Pferde (>15 Jahre)
    ACTH-Werte Normal Erhöht (Herbstdiagnostik wichtig)

    Wichtig: Polydipsie (vermehrter Durst) und Polyurie (vermehrter Harndrang) sind PPID-Symptome, nicht EMS! Diese Verwechslung führt häufig zu Fehldiagnosen.

    Der Zusammenhang zwischen Insulin und Hufrehe

    Erhöhte Insulinwerte wirken direkt toxisch auf die Huflederhaut. Dies führt zu einer Entzündung, die das Hufbein von der Hufkapsel löst. In schweren Fällen kann das Hufbein durch die Hufsohle durchtreten — ein lebensbedrohlicher Zustand.

    Die Forschung zeigt: Nicht das Körperfett selbst, sondern das chronisch erhöhte Insulin ist der Auslöser für Hufrehe-Schübe bei EMS-Pferden (Durham et al. 2019).

    Typische Symptome: Woran Sie ein EMS Pferd erkennen

    Ein EMS-erkranktes Pferd zeigt meist mehrere charakteristische Merkmale:

    1. Hufrehe (Laminitis)

    Die schmerzhafte Hufbeinentzündung ist das gravierendste Symptom. Betroffene Pferde zeigen:
    – Hufschonhaltung (entlasten die Hufe)
    – Wärme in den Hufen
    – Pulsierende Fesselarterien
    – Unwillen zur Bewegung
    – „Sägebockstellung“ zur Entlastung der Vorderhufe

    2. Fettdepots an typischen Stellen

    • Fettwulst am Hals (Halskamm) — oft das erste sichtbare Zeichen
    • Fettpolster hinter den Schultern
    • Verfettete Nierenpartie
    • Fettscheide bei Hengsten
    • Schwammiges Tastgefühl am Hals

    3. Allgemeine Anzeichen

    • Leichter Futtermangel führt zu Gewichtszunahme („Easy Keeper“)
    • Trägheit und Müdigkeit
    • Zyklusstörungen bei Stuten
    • Muskelabbau bei gleichzeitiger Fettzunahme
    • Stumpfes Fellkleid

    Nicht typisch für EMS: Vermehrter Durst und Harndrang — dies deutet auf PPID hin und sollte separat abgeklärt werden.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Genetische Prädisposition: Welche Rassen sind betroffen?

    Nicht alle Pferde sind gleich anfällig für EMS. Bestimmte Rassen tragen eine genetische Prädisposition:

    Hochprädisponiert:
    Ponies (Shetland, Welsh, Dartmoor, Exmoor)
    Araber
    Morgan Horse
    Norwegian Fjord (Fjordpferd)

    Warmblüter sind nicht pauschal prädisponiert. Sie entwickeln EMS typischerweise nur bei kombinierter Adipositas und Bewegungsmangel.

    Umwelt- und Managementfaktoren

    • Übermäßige Energiezufuhr (kraftfutterreiche Ernährung)
    • Bewegungsmangel (Stallhaltung ohne Auslauf)
    • Stress (erhöht Cortisol, verschlechtert Insulinsensitivität)
    • Jahreszeit (Insulinwerte können saisonal schwanken)

    Diagnose: Wie wird EMS beim Pferd festgestellt?

    Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und Laborwerten.

    1. Klinische Untersuchung

    • Body Condition Score (BCS) zur Fettgewebsbewertung
    • Halskamm-Messung (Nackenband-Umfang)
    • Hufuntersuchung (Hufrehe-Anzeichen)

    2. Laboruntersuchungen

    Basale Insulinmessung:
    – Nüchtern-Insulinwert im Blut
    Wichtig: Diagnose-Grenzwerte sind laborabhängig! Verschiedene Assays (Laborverfahren) verwenden unterschiedliche Referenzbereiche. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über die spezifischen Cut-off-Werte des verwendeten Labors.

    Dynamische Tests:
    – Oral Sugar Test (OST) — Goldstandard für Insulinresistenz
    – Insulin Tolerance Test (ITT)

    Ausschluss von PPID:
    – Basales ACTH (Herbstdiagnostik mit saisonalen Referenzwerten)
    – TRH-Stimulationstest bei unklaren Fällen

    3. Bildgebung

    • Huf-Röntgen bei Hufrehe-Verdacht
    • Ultraschall zur Fettdepot-Bewertung (optional)

    Behandlung: Therapieansätze für EMS-Pferde

    Die Behandlung von EMS basiert auf drei Säulen: Ernährung, Bewegung und medikamentöse Unterstützung.

    1. Ernährungsumstellung (Fundamental)

    Heu:
    – Analyse auf WSC (Wasserlösliche Kohlenhydrate) — Ziel: <10% Trockenmasse
    – Bei hohen WSC-Werten: Wässern (30-60 Minuten) reduziert Zuckergehalt um 30-50%
    – Heuration: 1,5% des Körpergewichts pro Tag (langsam füttern)

    Kraftfutter:
    – Reduzieren oder komplett streichen
    – Mineralfutter ohne Getreide/Melasse wählen

    Weidegang:
    Eingeschränkt oder gestrichen bei akuter Hufrehe-Gefahr
    Wichtig: Die Empfehlung „Weide nur vor 8 Uhr“ ist zu vereinfacht!
    Bei Frost: WSC akkumuliert auch nachts — Frost erhöht den Zuckergehalt drastisch
    Bei Trockenstress: WSC steigt auch am Nachmittag
    Besser: Weide komplett sperren bei Hufrehe-Risiko oder Trockenrasen/Heunetze als Alternative

    2. Bewegungstherapie

    • Regelmäßige Bewegung verbessert Insulinsensitivität
    • Start: Schritt-Handarbeit, langsame Steigerung
    • Ziel: 30+ Minuten Bewegung täglich
    • Bei Hufrehe: Erst nach tierärztlicher Freigabe

    3. Medikamentöse Therapie (Evidenz-basiert)

    Nicht alle Medikamente sind gleichwertig belegt. Hier die aktuelle Evidenz-Hierarchie (ACVIM 2019):

    Medikament Evidenz-Level Empfehlung Bioverfügbarkeit
    Levothyroxin Hoch Bei schwerer Adipositas, kurzfristig Gut
    Metformin Niedrig Nicht empfohlen (ACVIM 2019) <5% beim Pferd
    Pergolid Hoch Nur bei PPID, nicht bei reinem EMS Gut

    Kritische Anmerkung zu Metformin:
    Metformin hat beim Pferd eine Bioverfügbarkeit von unter 5% (Durham et al. 2019). Die ACVIM Consensus Statement 2019 empfiehlt es nicht für die EMS-Behandlung. Trotzdem wird es häufig verschrieben — sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über evidenzbasierte Alternativen.

    Levothyroxin (Schilddrüsenhormon) zeigt bessere Evidenz zur Gewichtsreduktion, sollte aber nur kurzfristig (3-6 Monate) unter tierärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.

    Vorbeugung: EMS beim Pferd verhindern

    Für gefährdete Rassen

    • Regelmäßige BCS-Kontrollen (alle 4-6 Wochen)
    • Frühe Intervention bei Halskamm-Verfettung
    • Proaktive Heuanalyse vor Weidesaison

    Management-Optimierung

    • Heufütterung statt Kraftfutter als Basis
    • Bewegung als tägliche Routine (nicht als „Extra“)
    • Stressreduktion (Paddockhaltung, Herdenanschluss)
    • Regelmäßige Hufkontrolle (Hufschmied alle 6-8 Wochen)

    Saisonale Besonderheiten

    • Frühjahr: Weide langsam anführen (15 Min/Tag steigern)
    • Herbst: ACTH-Werte kontrollieren (PPID-Risiko)
    • Winter: Bei Frost kein Weidegang (WSC-Akkumulation)

    Prognose: Verlauf und Remission

    EMS ist eine chronische Erkrankung. Eine „vollständige Normalisierung“ ist nicht das richtige Konzept — stattdessen sprechen wir von Remission:

    • Remission bedeutet: Klinische Symptome sind kontrolliert, Insulinwerte im Zielbereich
    • Prädisposition bleibt: Genetische Anfälligkeit verschwindet nicht
    • Rückfall-Risiko: Bei Management-Entgleisungen (z.B. unkontrollierter Weidegang)

    Langfristige Prognose:
    – Bei konsequentem Management: Gute Lebensqualität möglich
    – Ohne Management: Wiederkehrende Hufrehe-Schübe, chronische Hufschäden

    FAQ: Häufige Fragen zu EMS beim Pferd

    Kann ein EMS-Pferd geheilt werden?

    Nein. EMS ist chronisch. Aber Sie können Remission erreichen — das Pferd ist symptomfrei bei konsequentem Management.

    Darf ein EMS-Pferd auf die Weide?

    Eingeschränkt. Bei akuter Hufrehe-Gefahr: Nein. Bei stabilen Werten: Kurzzeitauslauf mit Monitoring. Bei Frost: Kein Weidegang (auch nicht nachts/morgens).

    Wie oft sollte Insulin getestet werden?

    • Initial: Basismessung + OST
    • Nach 3-6 Monaten: Kontrolle nach Management-Änderungen
    • Stabil: 1x jährlich, plus herbstliche ACTH-Kontrolle (PPID-Ausschluss)

    Ist Hafer für EMS-Pferde tabu?

    Ja. Hafer und alle getreidehaltigen Kraftfutter sollten vermieden werden. Alternative: Mineralfutter ohne Getreide/Melasse.

    Kann EMS in PPID übergehen?

    Nein. Es sind unterschiedliche Erkrankungen. Aber: Ein Pferd kann beides gleichzeitig haben (EMS + PPID). Dann sind beide Behandlungsprotokolle nötig.

    Warum wirkt Metformin beim Pferd nicht?

    Metformin hat <5% Bioverfügbarkeit beim Pferd (im Vergleich zu ~50-60% beim Menschen). Die ACVIM empfiehlt es nicht. Levothyroxin zeigt bessere Evidenz.


    Fazit: EMS Pferd — Management ist der Schlüssel

    EMS beim Pferd ist eine ernste, aber managbare Erkrankung. Die wichtigsten Punkte für Sie als Pferdebesitzer:

    1. Früherkennung zahlt sich aus — warten Sie nicht auf den ersten Hufrehe-Schub
    2. Ernährung ist fundamental — Heuanalyse und Weidemanagement sind nicht verhandelbar
    3. Medikamente kritisch prüfen — nicht alles, was verschrieben wird, ist evidenzbasiert
    4. PPID und EMS trennen — unterschiedliche Erkrankungen, unterschiedliche Behandlung
    5. Remission, nicht Heilung — lebenslanges Management erforderlich

    Ihr Pferd kann mit EMS ein erfülltes Leben führen. Aber es braucht Ihre Aufmerksamkeit, Konsequenz und tierärztliche Begleitung.


    Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Pferd von EMS betroffen ist?

    Zögern Sie nicht und handeln Sie jetzt. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann Hufrehe und andere Folgeerkrankungen verhindern.

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    Ihr Knochenbrecher-Team steht Ihnen mit fachkundiger Beratung und modernster Diagnostik zur Seite.

    Quellen: Durham AE, et al. (2019). ACVIM Consensus Statement on EMS. J Vet Intern Med; Frank N, et al. (2010). EMS. J Vet Intern Med; Menzies-Gow NJ, et al. (2017). EMS in UK native ponies. Equine Vet J.

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    Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden oder Unsicherheiten bitte immer einen Tierarzt aufsuchen.

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  • Cushing beim Pferd — PPID erkennen und behandeln

    Cushing beim Pferd — PPID erkennen und behandeln


    Cushing Pferd PPID ist ein wichtiges Thema für Tierbesitzer. title: „Cushing beim Pferd — PPID erkennen und behandeln“
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    focus_keyword: „Cushing Pferd“
    meta_description: „Alles über Cushing beim Pferd (PPID): Symptome erkennen, Diagnose verstehen und Behandlungsmöglichkeiten für ein gesundes Pferdeleben.“


    Cushing Pferd — PPID
    Foto von Helena Lopes auf Unsplash

    Cushing beim Pferd — PPID erkennen und behandeln

    Als Pferdebesitzer machst du dir natürlich Sorgen, wenn dein Tier verändert wirkt. Eine Erkrankung, die bei älteren Pferden zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist das Cushing-Syndrom, fachsprachlich als PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunktion) bezeichnet. In diesem umfassenden Ratgeber erfährst du alles Wichtige über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung — damit du deinem Pferd bestmöglich helfen kannst.

    Was ist eigentlich ein Cushing-Pferd?

    Cushing Pferd PPID

    PPID entsteht durch eine degenerative Veränderung der dopaminergen Nervenfasern im Hypophysenzwischenlappen. Dadurch wird ACTH unkontrolliert freigesetzt → vermehrte Cortisolproduktion. Cortisol ist in normalen Mengen lebenswichtig, im Überfluss jedoch schädlich.

    Wann tritt PPID auf?
    PPID kann bereits ab 10 Jahren auftreten (nicht erst ab 15). Die Altersverteilung zeigt:
    Unter 10 Jahren: selten (<5%)
    10–15 Jahre: möglich (10–15%)
    15–20 Jahre: häufig (20–30%)
    Über 20 Jahre: sehr häufig (40–60%)

    Symptome — Darauf solltest du achten

    • Hirschkleid: struppiges Winterfell, wird nicht oder spät abgeworfen
    • Hufrehe durch gestörten Glukosestoffwechsel und Insulinresistenz
    • Muskelabbau an Rücken und Kruppe + Fetteinlagerungen an Hals, Augen und Schweifwurzel
    • Polydipsie und Polyurie: verstärktes Trinken und Urinieren
    • Geschwächtes Immunsystem, schlechte Wundheilung, erhöhte Infektanfälligkeit
    • Hängebauch, dünne papierartige Haut, Störungen des Rossezyklus
    • Trägheit, Leistungsabfall, allgemeine Schwäche
    • Übermäßiges Schwitzen auch bei geringer Belastung
    • Veränderte Fettverteilung: Fettdepots am Hals („Kammfett“), über den Augen und an der Schweifwurzel

    Diagnose — So stellt der Tierarzt PPID fest

    • ACTH-Bluttest (saisonal schwankend, August–Oktober physiologisch erhöht)
    • TRH-Stimulationstest — Goldstandard mit 95%+ Sensitivität (der veraltete Dexamethason-Suppressionstest wird nicht mehr empfohlen)
    • Insulin-Messung wegen häufiger begleitender Insulinresistenz
    • PPID + EMS Überlappung: 15–30% der PPID-Pferde leiden gleichzeitig an EMS (Equines Metabolisches Syndrom)
    • Klinische Untersuchung: Fellwechsel, Körperzustand, Hufrehe-Anzeichen

    Behandlung — Medikamente und Management

    Medikamentöse Therapie

    • Pergolid (Handelsname Prascend®) — Dopaminagonist, hemmt ACTH-Freisetzung
    • Niedrige Startdosis, schrittweise Anpassung nach klinischem Ansprechen und ACTH-Werten
    • Lebenslange Medikation erforderlich
    • Kosten: Prascend® 80–120 €/Monat, Generikum 40–70 €/Monat
    • Nebenwirkungen: Anorexie (10–20%), Lethargie (10–15%), Durchfall (5–10%) — keine Koliksymptome
    • Therapiekontrolle: ACTH-Werte nach 4–6 Wochen überprüfen, dann alle 6–12 Monate

    Fütterungsmanagement bei Cushing-Pferden

    • Zucker- und stärkearme Fütterung, Heu unter 10% NSC (nicht-strukturelle Kohlenhydrate)
    • Kein Getreide, Gras im Frühling einschränken (hoher Fruktangehalt)
    • Heu analysieren lassen: Besonders wichtig bei insulinresistenten Pferden
    • Heunetze verwenden: Verlängern die Fresszeit, vermeiden lange Fresspausen
    • Mineralfutter: Zink, Kupfer und Vitamin E unterstützen das Immunsystem
    • Kraftfutter vermeiden: Nur bei stark untergewichtigen Pferden nach tierärztlicher Absprache

    Bewegung und Hufpflege

    • Moderate Bewegung, engmaschige Hufkontrollen zur Hufrehe-Prävention
    • Täglicher Auslauf: Bewegung fördert Durchblutung und Stoffwechsel
    • Hufschmied alle 6–8 Wochen: Regelmäßige Korrektur beugt Hufrehe vor
    • Bei Hufrehe-Verdacht: Sofort tierärztliche Behandlung, Schmerzmanagement, weiche Einstreu

    Praxis-Beispiele aus der Tierarztpraxis

    Fall 1: „Sunny“, 18 Jahre, Islandpferd-Stute

    Sunny zeigte klassisches Hirschkleid im Mai, verstärktes Trinken und erste Hufrehe-Anzeichen. ACTH-Wert: 85 pg/mL (Referenz <47 pg/mL). Nach Pergolid-Behandlung (1 mg/Tag) und Futterumstellung (kein Gras, analysiertes Heu) besserte sich der Zustand innerhalb von 8 Wochen deutlich. Das Fell wurde normal, die Hufrehe heilte aus.

    Fall 2: „Max“, 22 Jahre, Haflinger-Wallach

    Max hatte ausgeprägte Fettdepots am Hals, lethargisches Verhalten und wiederkehrende Abszesse. Diagnose: PPID + EMS. Behandlung: Pergolid (2 mg/Tag), strikte Diät, tägliches Training. Nach 6 Monaten: Gewichtsreduktion um 40 kg, ACTH im Normbereich, keine neuen Abszesse.

    FAQ — Häufige Fragen von Pferdebesitzern

    Kann PPID geheilt werden?

    Nein, PPID ist eine chronische, degenerative Erkrankung. Sie kann jedoch mit Pergolid gut kontrolliert werden. Viele Pferde erreichen bei konsequenter Behandlung ein hohes Alter bei guter Lebensqualität.

    Wie lange lebt ein Pferd mit Cushing?

    Mit Behandlung können Pferde oft noch mehrere Jahre (5–10+ Jahre) bei guter Lebensqualität leben. Ohne Behandlung verschlechtert sich der Zustand rapide, und die Lebenserwartung sinkt deutlich.

    Darf ein Cushing-Pferd auf die Weide?

    Ja, aber mit Einschränkungen. Im Frühling und Herbst (hoher Fruktangehalt im Gras) sollte der Weidegang begrenzt werden. Ein Fresskorb oder eingezäunte Flächen mit reduziertem Grasangebot sind gute Alternativen.

    Was kostet die Behandlung pro Jahr?

    Rechnen Sie mit:
    – Medikamente: 480–1.440 €/Jahr (je nach Präparat)
    – Tierarzt-Kontrollen: 150–300 €/Jahr
    – Hufschmied (häufiger): 400–600 €/Jahr
    – Heuanalyse: 50–100 €/Jahr
    Gesamt: ca. 1.100–2.500 €/Jahr

    Kann ich mein Cushing-Pferd noch reiten?

    Ja, solange das Pferd nicht unter Hufrehe leidet und sich wohlfühlt. Passe das Training dem Fitnesszustand an und vermeide Überlastung. Regelmäßige, moderate Bewegung ist sogar förderlich.

    Prognose

    Die Prognose hängt stark vom Krankheitsverlauf und Begleiterkrankungen ab:
    Ohne Hufrehe: 80–90% 5-Jahres-Überleben
    Mit Hufrehe: 50–60% 5-Jahres-Überleben
    Mit PPID + EMS + Hufrehe: nur 30–40% 5-Jahres-Überleben

    Mit konsequenter Therapie erreichen viele Pferde ein hohes Alter bei guter Lebensqualität. Unbehandelt verschlechtert sich der Zustand rapide.

    Empfehlung: Ab 10 Jahren jährliche ACTH-Kontrolle, ab 15 Jahren unbedingt.

    Prävention — Was du vorbeugend tun kannst

    • Regelmäßige Gesundheitschecks: Ab 10 Jahren jährliche Blutuntersuchung auf ACTH
    • Optimale Fütterung: Zuckerarmes Futter beugt Insulinresistenz vor
    • Bewegung: Regelmäßiges Training hält den Stoffwechsel aktiv
    • Gewicht kontrollieren: Vermeide Übergewicht, besonders bei prädisponierten Rassen
    • Hufpflege: Regelmäßige Kontrollen erkennen Hufrehe frühzeitig

    Dein Pferd zeigt Symptome oder du hast Fragen zur Diagnose?
    📞 Termin vereinbaren — wir beraten dich kompetent und persönlich.

    Quellen: Durham AE, et al. (2019). ACVIM Consensus Statement. J Vet Intern Med; Beehan TS, et al. (2020). TRH stimulation test. J Vet Intern Med; McGowan TW, et al. (2013). PPID prevalence. Aust Vet J.


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  • Kreuzverschlag Pferd

    Kreuzverschlag Pferd

    Kreuzverschlag Pferd

    Kreuzverschlag Pferd ist ein wichtiges Thema für Tierbesitzer. Kreuzverschlag Pferd
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    Kreuzverschlag beim Pferd – wenn die Muskeln streiken

    Moin!
    Hier ist Marco, der Knochenbrecher aus Ostfriesland. Heute geht’s um ein Thema, das jeden Pferdebesitzer kalt erwischen kann: Kreuzverschlag. Plötzlich steht dein Pferd da wie ein Brett, schwitzt wie verrückt und will keinen Schritt mehr gehen. Keine Panik – aber sofort handeln, denn das kann lebensgefährlich werden. Ich erklär’ dir, woran du’s erkennst, was du tun kannst und wie du’s in Zukunft vermeidest.


    Was ist Kreuzverschlag überhaupt?

    Kreuzverschlag Pferd

    Kurz gesagt: Die Muskeln deines Pferds machen dicht. Durch falsche Fütterung, zu wenig Bewegung oder plötzliche Überlastung kommt der Stoffwechsel durcheinander. Die Muskeln übersäuern, Zellen platzen auf – und das Pferd leidet wie verrückt. Im schlimmsten Fall droht Nierenversagen, weil das freigesetzte Myoglobin die Nieren verstopft.

    Es gibt drei Hauptformen:
    1. Sporadischer Kreuzverschlag – einmalig, meist nach Fehlern in Fütterung oder Training.
    2. Wiederkehrender Kreuzverschlag (RER) – genetisch bedingt, oft bei nervösen Sportpferden.
    3. PSSM (Polysaccharid-Speichermyopathie) – eine Stoffwechselstörung, bei der zu viel Zucker in den Muskeln gespeichert wird.


    Wie erkennst du’s? Die Alarmzeichen

    Kreuzverschlag kommt meist während oder kurz nach der Arbeit. Typische Symptome:
    Steifer Gang, besonders hinten – das Pferd läuft wie auf Eiern.
    Schmerzhafte, harte Muskeln in Kruppe und Lende („Bretthinterhand“).
    Starkes Schwitzen, erhöhte Atem- und Herzfrequenz.
    Dunkelbrauner Urin (Myoglobin!) – Notfall!
    Festliegen oder Weigerung, sich zu bewegen – hier geht’s um Minuten!

    Achtung: Bei milden Verläufen (z. B. PSSM) reicht es manchmal, wenn das Pferd nur „komisch“ läuft oder sich nicht richtig versammeln lässt.


    Was tun? Sofortmaßnahmen!

    1. Pferd sofort anhalten – kein Schritt weiter, sonst wird’s schlimmer!
    2. Ruhe bewahren – Stress verschlimmert alles.
    3. Kraftfutter weg, Wasser anbieten – aber nicht zwingen.
    4. Decke drauf – das Pferd darf nicht auskühlen.
    5. Tierarzt rufendas ist ein Notfall!

    Was der Tierarzt macht:
    Infusionen (Flüssigkeit für die Nieren).
    Schmerzmittel (aber Vorsicht bei Nierenproblemen!).
    Blut- und Urintests (CK-Wert checken, Myoglobin im Urin?).


    Wie vermeidest du’s? Prävention ist alles!

    1. Fütterung anpassen

    • Kein Kraftfutter an Ruhetagen! – Wenn das Pferd steht, braucht es kein Getreide.
    • Weniger Zucker, mehr Fett & Fasern – besonders bei PSSM-Pferden.
    • Elektrolyte & Mineralien – Magnesium, Selen, Vitamin E unterstützen die Muskeln.

    2. Training richtig gestalten

    • Immer aufwärmen – 10–15 Minuten Schritt, bevor’s losgeht.
    • Keine plötzlichen Belastungssprünge – nach Ruhetagen langsam starten.
    • Regelmäßige Bewegung – auch an „faulen“ Tagen ein bisschen Schrittarbeit.

    3. Stress reduzieren

    • Ruhige Routine – Pferde sind Gewohnheitstiere.
    • Vorsicht bei Transport & Stallwechsel – manche Pferde reagieren empfindlich.

    Fazit: Kreuzverschlag ist kein Schicksal!

    Ja, Kreuzverschlag ist gefährlich – aber vermeidbar. Mit der richtigen Fütterung, einem durchdachten Trainingsplan und aufmerksamen Augen kannst du das Risiko stark senken. Und wenn’s doch passiert: Sofort handeln, Tierarzt rufen, Pferd schonen.

    Falls du ein Pferd mit PSSM oder wiederkehrendem Kreuzverschlag hast, lass einen Gentest machen und pass die Fütterung an. Bei Fragen komm gerne auf mich zu – ich helf’ dir, einen Plan zu machen.

    Bleib wachsam, aber entspannt – dein Pferd wird’s dir danken!

    Marco, der Knochenbrecher

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    Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden oder Unsicherheiten bitte immer einen Tierarzt aufsuchen.

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    **Husten beim Pferd unter Belastung? So packst du’s an!**

    Moin!

    Dein Pferd hustet beim Reiten oder Longieren, aber in Ruhe ist alles normal? Das kann echt nerven – und vor allem ist es ein Warnsignal. Meist steckt equines Asthma (früher COPD oder Dämpfigkeit) dahinter, eine chronische Atemwegserkrankung, die durch Staub, Schimmel oder Ammoniak im Stall ausgelöst wird. Aber keine Panik: Mit den richtigen Schritten kriegst du das in den Griff.

    **Das Problem: Warum hustet mein Pferd bei Belastung?**

    Husten unter Belastung ist oft das erste Anzeichen für gereizte oder verengte Atemwege. Typisch:

    • Trockener Husten zu Beginn, später mit Schleim.
    • Atemnot: Dein Pferd atmet schwer aus, die Nüstern sind gebläht, und die Bauchmuskeln arbeiten mit (sogenannte „Bauchpresse“).
    • Leistungsknick: Es ist schneller schlapp, schwitzt ohne Grund oder will nicht mehr richtig mitarbeiten.
    • Kein Fieber oder Nasenausfluss (außer bei akuten Infekten).

    Hauptverdächtiger: Equines Asthma – eine allergische Reaktion auf Staub, Schimmelsporen oder Ammoniak im Stall. Aber auch Viren (z. B. Herpes) oder Bakterien (z. B. Druse) können dahinterstecken.

    **Die Lösung: So hilfst du deinem Pferd**

    **1. Stallmanagement – der Gamechanger!**

    Die meisten Atemwegsprobleme entstehen durch Staub und schlechte Luft. Hier kannst du sofort handeln:

    Heu dampfen oder wässern – Staub und Schimmelsporen werden reduziert.

    Staubfreie Einstreu – z. B. Hanf oder Gummimatten statt Stroh.

    Gute Belüftung – Keine Zugluft, aber frische Luft muss rein! Fenster auf, Türen offen, Staub absaugen.

    Ammoniak reduzieren – Regelmäßig misten, feuchte Stellen vermeiden.

    Draußen halten – Je mehr Zeit auf der Weide, desto besser für die Lunge.

    **2. Bewegung & Fütterung**

    • Tägliche Bewegung – auch bei Husten! Aber nicht überlasten. Spaziergänge oder lockeres Longieren helfen, die Lunge zu reinigen.
    • Gewicht kontrollieren – Übergewicht belastet die Atmung zusätzlich.
    • Staubarmes Futter – Kein Heulage oder staubiges Kraftfutter. Besser: Pellets oder eingeweichte Rationen.

    **3. Tierarzt checken lassen**

    Wenn der Husten länger als ein paar Tage anhält oder sich verschlimmert, ab zum Tierarzt! Der kann mit:

    • Endoskopie (Atemwege anschauen)
    • Bronchialspülung (Schleimprobe analysieren)
    • Röntgen (Lungenzustand checken)

    die genaue Ursache finden.

    Behandlungsmöglichkeiten:

    • Bronchodilatatoren (z. B. Clenbuterol) – weiten die Atemwege.
    • Kortison (inhaliert oder gespritzt) – bekämpft die Entzündung.
    • Antibiotika – nur bei bakteriellen Infekten!

    **4. Allergene meiden**

    • Pollenflug? Weidezeiten anpassen.
    • Schimmel im Heu? Auf Qualität achten oder Heu dampfen.
    • Stress? Pferde mit Asthma reagieren oft empfindlich auf Hektik.

    **Fazit: Husten ist kein Schicksal!**

    Ein hustendes Pferd ist kein Grund zur Panik, aber ein klares Signal, dass etwas nicht stimmt. Meist reicht schon eine Umstellung im Stall und Fütterung, um die Beschwerden zu lindern. Wenn der Husten bleibt, Tierarzt ran – denn je früher du handelst, desto besser sind die Chancen auf Besserung.

    Dein Pferd wird es dir danken – mit freier Atmung und voller Power beim nächsten Ausritt!

    Quellen: Tierärztliche Kliniken und Praxen (u. a. Pferdeklinik Aschheim, Altano Group, Pavo Futterberatung). Mehr Infos findest du in den verlinkten Artikeln.

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    Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden oder Unsicherheiten bitte immer einen Tierarzt aufsuchen.

  • OPC aus Taubenkernmehl für Pferde und Hunde – Was wirklich hilft

    OPC aus Taubenkernmehl für Pferde und Hunde – Was wirklich hilft

    Moin!

    Ich bin Marco Tjaden, Knochenbrecher aus Ostfriesland. Ich behandle Tiere seit Jahren manuell – Pferde, Hunde, alles was vier Beine hat und klemmt. Und ich werde oft gefragt: „Marco, was hältst du von OPC aus Taubenkernmehl? Soll ich das meinem Tier geben?“

    Meine Antwort: Kommt drauf an. Und vor allem: Wie dosierst du?

    Ich verkaufe kein OPC. Ich habe kein Produkt im Sortiment. Ich teile hier meine Erfahrungen aus der Praxis – was funktioniert, was die Studien sagen, und wo du aufpassen musst. Ehrlich, direkt, ohne Marketing-Glibber.

    Was ist OPC überhaupt?

    OPC steht für oligomere Proanthocyanidine. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die vor allem in Traubenkernen vorkommen, aber auch in Apfelkernen, Pinienrinde oder Kakao. OPC gehört zur großen Familie der Flavonoide und wirkt im Körper als Antioxidans.

    Was macht ein Antioxidans? Es fängt freie Radikale ab – also diese aggressiven Sauerstoffverbindungen, die bei Stoffwechselprozessen entstehen und Zellen schädigen können. Zu viele freie Radikale bedeuten oxidativen Stress. Und oxidativer Stress bedeutet: Entzündungen, schnellere Alterung, schlechtere Regeneration.

    Die Forschung zu OPC läuft seit den 1950er-Jahren, vorangetrieben von Prof. Jacques Masquelier in Frankreich. Die meisten Studien sind Humanstudien – aber die pharmakologischen Mechanismen wirken auf zellulärer Ebene. Das heißt: Was beim Menschen funktioniert, gilt oft auch für andere Säugetiere. Hund, Pferd, Mensch – same same, but different.

    Pferde: OPC als Unterstützung für Faszien und Regeneration

    Pferde sind Bewegungstiere. Ihr gesamter Apparat – Muskeln, Sehnen, Bänder, Faszien – ist auf geschmeidige Funktion ausgelegt. Faszien sind die bindegewebigen Hüllen, die jeden Muskel umgeben und den ganzen Körper wie ein Netz durchziehen. Wenn Faszien verkleben, verdichten oder sich entzünden, wird das Pferd steif, unwillig oder zeigt Lahmheiten ohne klaren Befund.

    Genau hier kann OPC unterstützen.

    Faszien-Schutz: Ein plausibler Mechanismus

    Faszien bestehen hauptsächlich aus Kollagen und Elastin – zwei Proteine, die für Stabilität und Elastizität sorgen. Es gibt Enzyme im Körper, die diese Proteine abbauen: Kollagenase und Elastase. Bei chronischer Belastung, Entzündungen oder oxidativem Stress werden diese Enzyme überaktiv – die Faszien verlieren ihre Struktur.

    Die Theorie: OPC könnte Kollagenase und Elastase hemmen. Es würde also wie ein „Wächter“ des Kollagens wirken. Für Pferde mit Faszienverklebungen oder nach manueller Therapie bedeutet das: OPC könnte helfen, die neu gewonnene Beweglichkeit länger zu erhalten.
    Aber: Dieser Mechanismus ist plausibel, aber nicht abschließend bewiesen am lebenden Pferd. In vitro-Studien und Zellkultur-Experimente deuten darauf hin. Mehr nicht. Ich formuliere das hier bewusst vorsichtig – weil ich keine Heilsversprechen mache.

    Antioxidative Wirkung: Gut belegt

    Hier wird die Datenlage solider. OPC zeigt in zahlreichen Studien eine starke antioxidative Wirkung. Es neutralisiert freie Radikale, bevor sie Zellmembranen schädigen können.

    Für Pferde im Training, ältere Tiere oder solche mit chronischen Beschwerden kann das die Regeneration unterstützen. Besonders nach intensiver Arbeit oder manueller Behandlung – also genau dann, wenn der Körper Reparaturprozesse fährt – kann antioxidativer Schutz helfen.

    Entzündungshemmung: Langfristige Unterstützung

    OPC zeigt entzündungshemmende Eigenschaften. Es hemmt die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen wie TNF-alpha und bestimmten Interleukinen. Wichtig: OPC ist kein Schmerzmittel und ersetzt keine akute Therapie bei Lahmheit oder Verletzung.

    Aber es kann chronische, „schleichende“ Entzündungsprozesse im Bindegewebe mildern – genau die Art von Problemen, die ich als Knochenbrecher oft behandle. Steife Pferde, die „einfach nicht geschmeidig werden“. Da kann OPC ein Baustein sein.

    Synergie mit der Knochenbrecher-Behandlung

    Wenn ich ein Pferd behandle, löse ich Blockaden, mobilisiere Gelenke, bringe die Faszien zum Gleiten. Aber die Behandlung ist nur der „Reset-Knopf“. Was danach kommt, entscheidet über den Langzeiterfolg.

    OPC kann hier ideal unterstützen:

    • Es verbessert das Gewebemilieu durch antioxidativen Schutz
    • Es könnte das neu mobilisierte Bindegewebe vor vorzeitigem Abbau schützen
    • Es unterstützt die Regeneration in den kritischen 48 Stunden nach der Behandlung

    Denk dran: Die Behandlung ist die eine Seite. Die Nachsorge – Bewegung, passende Ausrüstung, Fütterung – ist die andere. OPC kann ein Baustein in diesem Gesamtpaket sein. Kein Wundermittel. Ein Baustein.

    Dosierung für Pferde (studienbasiert)

    Hier gibt es eine konkrete Studie: Davies et al., 2009 untersuchte die Fütterung von Traubenkernextrakt an Rennpferde.

    Ergebnis: Bis 150 mg Traubenkernextrakt pro kg Körpergewicht waren sicher und zeigten positive Effekte auf die Hinterdarm-Fermentation.
    Praktische Empfehlung:

    • 100–150 mg Taubenkernmehl pro kg Körpergewicht täglich
    • Für ein 500 kg Pferd also etwa 50–75 g pro Tag

    Wichtig:

    • Langsam anfüttern (über 1–2 Wochen steigern)
    • Hochwertige Qualität wählen (kaltgepresst, ohne Zusätze)
    • Nicht als Ersatz für tierärztliche Behandlung verstehen

    Hunde: Taubenkernmehl ist SICHER – aber dosiere richtig

    Jetzt kommt der Teil, bei dem ich im Originalartikel falsch lag. Und ich korrigiere das hier offen.

    Die alte Warnung: „Taubenkernmehl ist giftig für Hunde – Finger weg!“
    Die Wahrheit: Taubenkernmehl ist bei richtiger Dosierung NICHT giftig für Hunde.

    Der entscheidende Unterschied: Weinsäure

    Seit 2022/2023 weiß man, was Trauben und Rosinen für Hunde giftig macht: Weinsäure (Tartaric Acid). Diese organische Säure befindet sich hauptsächlich im Fruchtfleisch der Traube. Hunde können Weinsäure schlecht ausscheiden – sie akkumuliert in den Nierentubuluszellen und kann akutes Nierenversagen auslösen.

    Aber: Taubenkernmehl wird aus den Kernen gewonnen, nicht aus dem Fruchtfleisch. Bei der Verarbeitung (Trocknung, Mahlung, Extraktion) wird Weinsäure entfernt oder stark reduziert.
    Cornell University Veterinary Medicine schreibt dazu:
    > „Products such as grape juice, jelly, leaves, grape seed oil and wine have not been associated with toxicosis, likely because processing removes or reduces tartaric acid.“
    Das bedeutet:

    • Ganze Trauben/Rosinen = TOXISCH für Hunde (Weinsäure im Fruchtfleisch)
    • Taubenkernmehl (verarbeitet) = SICHER bei korrekter Dosierung (keine relevante Weinsäure)

    Studien belegen Sicherheit

    Es gibt mehrere Studien zur Sicherheit von Traubenkernextrakt bei Hunden:

    EFSA-Gutachten 2021 prüfte Trockenextrakt aus Traubenkernen als Futterzusatz für Hunde. In den geprüften Studien (Martineau et al., 2016; Fragua et al., 2017) zeigten sich keine unerwünschten klinischen Zeichen bei Dosierungen bis 40 mg/kg Körpergewicht über 24 Wochen.
    Praxis-Empfehlung von Tierärzten und PTA:

    • 1 g Taubenkernmehl pro kg Körpergewicht täglich

    Wichtig: Das bezieht sich auf das Mehl, nicht auf den OPC-Wirkstoff. In 100 g Taubenkernmehl sind etwa 11.000 mg OPC enthalten. Die Dosierung ist also großzügig, aber sicher.
    Beispiele:

    • Kleiner Hund (5 kg): 5 g Taubenkernmehl/Tag
    • Mittlerer Hund (15 kg): 15 g/Tag
    • Großer Hund (30 kg): 30 g/Tag

    Wann du trotzdem aufpassen solltest

    Auch wenn Taubenkernmehl sicher ist – es gibt Situationen, wo Vorsicht gilt:

    • Vorerkrankungen der Niere: Bei Hunden mit bekannten Nierenproblemen solltest du vor der Gabe mit deinem Tierarzt sprechen. Nicht, weil OPC giftig wäre – sondern weil du bei vorgeschädigten Nieren jedes Supplement kritisch prüfen solltest.
    • Welpen und sehr alte Hunde: Hier ist der Stoffwechsel anders. Langsam anfüttern, beobachten.
    • Qualität matters: Kauf kein No-Name-Pulver von zweifelhaften Quellen. Achte auf reine Ware ohne Zusätze, idealerweise aus kontrollierter Produktion.

    Meine Erfahrung aus der Praxis

    Ich empfehle OPC aus Taubenkernmehl inzwischen auch für Hunde – besonders bei:

    • Älteren Hunden mit Gelenkproblemen
    • Hunden nach Operationen oder Verletzungen (Regenerations-Support)
    • Aktiven Hunden (Sport, Agility, Arbeit)

    Die Patienten sind sehr zufrieden. Die Besitzer berichten von besserer Beweglichkeit, schnellerer Erholung nach Belastung. Ist das der Placebo-Effekt? Kann sein. Aber ich sehe auch die Blutwerte, die Gelenkfunktion, die Bewegungsmuster. Und die stimmen.

    Was OPC nicht kann – und was schon

    Ich mache hier keine Heilsversprechen. OPC ist kein Wundermittel. Aber es ist ein sinnvolles Supplement – wenn du es richtig einsetzt.

    OPC kann:

    • Oxidativen Stress reduzieren (gut belegt)
    • Entzündungsprozesse mildern (gut belegt)
    • Die Regeneration nach Belastung unterstützen (plausibel, Praxis bestätigt)
    • Faszien-Gesundheit unterstützen (plausibler Mechanismus)

    OPC kann nicht:

    • Akute Lahmheiten heilen
    • Tierärztliche Behandlung ersetzen
    • Falsche Haltung, Fütterung oder Training ausbügeln

    Denk immer im Gesamtpaket. OPC ist die Kirsche auf dem Kuchen – nicht der Kuchen selbst.

    Fazit: Sinnvoll für beide – wenn du es richtig machst

    OPC aus Taubenkernmehl kann für Pferde und Hunde eine sinnvolle Ergänzung sein. Die Wirkmechanismen sind plausibel, die Sicherheitsdaten bei korrekter Dosierung sind gut.

    Für Pferde: 100–150 mg/kg täglich, studienbasiert. Besonders sinnvoll bei Faszienproblemen, nach manueller Therapie, bei oxidativem Stress.
    Für Hunde: 1 g Taubenkernmehl pro kg Körpergewicht täglich. Sicher bei verarbeiteten Produkten, keine Weinsäure-Problematik.
    Wichtig: Kauf hochwertige Ware, fütter langsam an, und erwarte keine Wunder. OPC unterstützt – es ersetzt nichts.

    Über mich

    Ich bin Marco Tjaden, Knochenbrecher aus Ostfriesland. Ich behandle Tiere manuell – Pferde, Hunde, alles was klemmt. Ich verkaufe keine Produkte. Ich teile, was funktioniert. Wenn du Fragen hast oder einen Termin brauchst: knochenbrecher.de.

    Moin und bis bald,
    Marco „Knochenbrecher“ Tjaden


    🛒 Taubenkernmehl kaufen – meine Empfehlung

    Ich verwende Taubenkernmehl seit Jahren erfolgreich in meiner Praxis. Achte auf kaltgepresstes, reines Produkt ohne Zusätze.

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    Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden oder Unsicherheiten bitte immer einen Tierarzt aufsuchen.

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  • Warum frisst mein Pferd Erde

    Warum frisst mein Pferd Erde

    Warum frisst mein Pferd Erde?

    Pferd frisst Erde ist ein wichtiges Thema für Tierbesitzer. Wenn dein Pferd Erde futtert – Was steckt dahinter?

    Moin, du!

    Pferd frisst Erde

    Ich bin’s, der Marco aus Ostfriesland. Oder, wie manche sagen, der Knochenbrecher. Aber keine Sorge, heute brech ich nix, heute denk ich mit dir über was ganz anderes nach. Du schreibst mir, dein Pferd frisst Erde, und du machst dir da einen Kopp. Verständlich! Ist ja auch nicht alltäglich, wenn dein Dicker da auf einmal im Dreck rumwühlt.

    Das Problem: Dein Pferd hat den Schnabel voll Erde

    Du stehst am Zaun, siehst zu, wie dein Pferd genüsslich am Boden knabbert – und das ist keine Wurzel, das ist schlichtweg Erde. Klar, da macht man sich Gedanken: Fehlt dem was? Ist das schlimm? Muss ich mir Sorgen machen? Lass uns das mal ganz in Ruhe durchgehen. Ich bin kein Tierarzt, das weißt du, aber ich geb dir gern ein paar Impulse und Gedanken mit, worauf du mal achten kannst. Hilfe zur Selbsthilfe, das ist mein Ding.

    Lösung: Hilfe zur Selbsthilfe – Die möglichen Gründe unter der Lupe

    Wenn ein Pferd Erde frisst, gibt es meist ein paar einfache Erklärungen. Hier sind ein paar Dinge, die du mal prüfen könntest:

    1. Fehlt ihm was? Mineralien und Salz: Das ist oft der erste Gedanke, und nicht ganz unbegründet. Manchmal fehlt den Tieren einfach was im Futterplan. Bekommt dein Pferd genug Salzlecksteine? Oder sind die Mineralien im Futter alle im Lot? Vielleicht will er damit einen Mangel ausgleichen. Guck mal genau hin, was er da so bekommt.

    2. Langeweile oder zu wenig Raufutter? Stell dir vor, du hast den ganzen Tag nix zu tun und der Magen ist leer. Dann fängt man auch an, Blödsinn zu machen. Gerade, wenn die Weide schon abgefressen ist oder das Heu rationiert wird, kann es sein, dass dein Pferd einfach Beschäftigung sucht oder der Magen knurrt. Hat er immer genug Heu zur freien Verfügung? Oder gibt es genug Möglichkeiten zur Beschäftigung im Stall oder auf der Weide?

    3. Der Darm und seine Mitbewohner: Manchmal kann auch im Darm was nicht stimmen. Vielleicht hat dein Pferd Würmer, oder die Darmflora ist etwas durcheinander. Das kann dazu führen, dass sie versuchen, über die Erde irgendwas zu finden, was ihnen guttut oder womit sie sich selbst „helfen“ wollen. Wann war denn die letzte Wurmkur? Oder gab es in letzter Zeit Magen-Darm-Probleme?

    4. Stress in der Bude? Pferde sind sensible Tiere. Manchmal fressen sie Erde, wenn sie unter Stress stehen oder sich nicht wohlfühlen. Gab es in letzter Zeit Veränderungen? Neue Boxennachbarn, neuer Tagesablauf, zu wenig Ruhe? Auch das kann ein Auslöser sein.

    Wie gesagt, ich bin kein Doktor, aber diese Punkte sind gute Ansatzpunkte, um mal selbst Detektiv zu spielen. Beobachte genau: Wann frisst er Erde? Immer an derselben Stelle? Nach dem Fressen oder wenn er Hunger hat? Solche Kleinigkeiten können wichtige Hinweise geben.

    Fazit: Bleib dran und beobachte!

    Mach dir nicht gleich einen riesen Kopf, aber nimm es auch ernst. Geh die Punkte mal durch, schau dir die Fütterung und die Umgebung deines Pferdes genau an. Wenn du dir unsicher bist oder das Erdefressen gar nicht aufhört, dann scheue dich nicht, einen echten Tierarzt anzurufen. Der kann dann wirklich ins Detail gehen und checken, ob alles in Ordnung ist. Aber oft reicht schon ein kleiner Blickwechsel in der Fütterung oder Haltung.

    Ich wünsch dir und deinem Dicken alles Gute! Bleib gesund!

    Dein Marco.

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    Pavo Mineralmix
    Ergänzungsfutter mit Mineralstoffen wie Natrium, Kalzium und Magnesium zur Bekämpfung von Mineralstoffmängeln, der häufigen Ursache für Geophagie[1][2][3]

    NAF Super Silizium
    Flüssiges Silizium-Präparat zur Unterstützung von Bindegewebe und Hufqualität. Als mögliche Ursache für Geophagie wird unter anderem Mineralstoffmangel diskutiert, wissenschaftlich ist dies nicht abschließend belegt.

    Pavo Fibre Beet Pulp
    Ballaststoffreiches Ergänzungsfutter zur Unterstützung der Verdauung und Verhinderung von Sandkoliken durch Erdaufnahme[1][4]

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    Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden oder Unsicherheiten bitte immer einen Tierarzt aufsuchen.

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