EMS Pferd equines metabolisches Syndrom ist ein wichtiges Thema für Tierbesitzer. title: „EMS beim Pferd — Equines Metabolisches Syndrom: Symptome, Ursachen & Behandlung“
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meta_description: „Alles über EMS beim Pferd: Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung. Erfahren Sie, wie Sie Ihr Pferd vor Hufrehe schützen und richtig füttern.“
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EMS beim Pferd — Equines Metabolisches Syndrom: Ein umfassender Leitfaden für Pferdebesitzer
Wenn Sie den Begriff EMS Pferd hören, denken Sie vielleicht zunächst an eine seltene Erkrankung. Doch das Equine Metabolische Syndrom ist in Deutschland verbreitet und betrifft schätzungsweise ca. 6-7% aller Pferde, bei Ponies sogar etwa 15% (Durham et al. 2019, ACVIM Consensus Statement). Als Pferdebesitzer ist es wichtig, die Warnsignale zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.
In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie über EMS beim Pferd wissen müssen — von den ersten Symptomen über die Diagnose bis hin zur erfolgreichen Behandlung und Vorbeugung.
Was ist EMS beim Pferd?
EMS Pferd equines metabolisches Syndrom
Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) ist eine Stoffwechselstörung, die durch Insulinresistenz, Hufrehe-Neigung und charakteristische Fettdepots gekennzeichnet ist. Betroffene Pferde haben einen gestörten Glukosestoffwechsel: Ihr Körper reagiert nicht mehr ausreichend auf Insulin, was zu erhöhten Insulinwerten im Blut führt.
Besonders tückisch: Viele Pferdebesitzer bemerken das Problem erst, wenn erste Hufrehe-Schübe auftreten. Dabei lässt sich EMS beim Pferd bei rechtzeitiger Erkennung gut managen.
Wichtige Abgrenzung: EMS vs. PPID
Häufig werden EMS und PPID (Equines Cushing-Syndrom) verwechselt oder als dasselbe betrachtet. Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Erkrankungen:
| Merkmal | EMS | PPID (Cushing) |
|---|---|---|
| Ursache | Insulinresistenz, Adipositas | Hypophysen-Tumor (Pars intermedia) |
| Typische Symptome | Fettdepots, Hufrehe | Hirsutismus (langes Fell), Polydipsie/Polyurie |
| Alter | Jedes Alter | Häufig ältere Pferde (>15 Jahre) |
| ACTH-Werte | Normal | Erhöht (Herbstdiagnostik wichtig) |
Wichtig: Polydipsie (vermehrter Durst) und Polyurie (vermehrter Harndrang) sind PPID-Symptome, nicht EMS! Diese Verwechslung führt häufig zu Fehldiagnosen.
Der Zusammenhang zwischen Insulin und Hufrehe
Erhöhte Insulinwerte wirken direkt toxisch auf die Huflederhaut. Dies führt zu einer Entzündung, die das Hufbein von der Hufkapsel löst. In schweren Fällen kann das Hufbein durch die Hufsohle durchtreten — ein lebensbedrohlicher Zustand.
Die Forschung zeigt: Nicht das Körperfett selbst, sondern das chronisch erhöhte Insulin ist der Auslöser für Hufrehe-Schübe bei EMS-Pferden (Durham et al. 2019).
Typische Symptome: Woran Sie ein EMS Pferd erkennen
Ein EMS-erkranktes Pferd zeigt meist mehrere charakteristische Merkmale:
1. Hufrehe (Laminitis)
Die schmerzhafte Hufbeinentzündung ist das gravierendste Symptom. Betroffene Pferde zeigen:
– Hufschonhaltung (entlasten die Hufe)
– Wärme in den Hufen
– Pulsierende Fesselarterien
– Unwillen zur Bewegung
– „Sägebockstellung“ zur Entlastung der Vorderhufe
2. Fettdepots an typischen Stellen
- Fettwulst am Hals (Halskamm) — oft das erste sichtbare Zeichen
- Fettpolster hinter den Schultern
- Verfettete Nierenpartie
- Fettscheide bei Hengsten
- Schwammiges Tastgefühl am Hals
3. Allgemeine Anzeichen
- Leichter Futtermangel führt zu Gewichtszunahme („Easy Keeper“)
- Trägheit und Müdigkeit
- Zyklusstörungen bei Stuten
- Muskelabbau bei gleichzeitiger Fettzunahme
- Stumpfes Fellkleid
Nicht typisch für EMS: Vermehrter Durst und Harndrang — dies deutet auf PPID hin und sollte separat abgeklärt werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Genetische Prädisposition: Welche Rassen sind betroffen?
Nicht alle Pferde sind gleich anfällig für EMS. Bestimmte Rassen tragen eine genetische Prädisposition:
Hochprädisponiert:
– Ponies (Shetland, Welsh, Dartmoor, Exmoor)
– Araber
– Morgan Horse
– Norwegian Fjord (Fjordpferd)
Warmblüter sind nicht pauschal prädisponiert. Sie entwickeln EMS typischerweise nur bei kombinierter Adipositas und Bewegungsmangel.
Umwelt- und Managementfaktoren
- Übermäßige Energiezufuhr (kraftfutterreiche Ernährung)
- Bewegungsmangel (Stallhaltung ohne Auslauf)
- Stress (erhöht Cortisol, verschlechtert Insulinsensitivität)
- Jahreszeit (Insulinwerte können saisonal schwanken)
Diagnose: Wie wird EMS beim Pferd festgestellt?
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und Laborwerten.
1. Klinische Untersuchung
- Body Condition Score (BCS) zur Fettgewebsbewertung
- Halskamm-Messung (Nackenband-Umfang)
- Hufuntersuchung (Hufrehe-Anzeichen)
2. Laboruntersuchungen
Basale Insulinmessung:
– Nüchtern-Insulinwert im Blut
– Wichtig: Diagnose-Grenzwerte sind laborabhängig! Verschiedene Assays (Laborverfahren) verwenden unterschiedliche Referenzbereiche. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über die spezifischen Cut-off-Werte des verwendeten Labors.
Dynamische Tests:
– Oral Sugar Test (OST) — Goldstandard für Insulinresistenz
– Insulin Tolerance Test (ITT)
Ausschluss von PPID:
– Basales ACTH (Herbstdiagnostik mit saisonalen Referenzwerten)
– TRH-Stimulationstest bei unklaren Fällen
3. Bildgebung
- Huf-Röntgen bei Hufrehe-Verdacht
- Ultraschall zur Fettdepot-Bewertung (optional)
Behandlung: Therapieansätze für EMS-Pferde
Die Behandlung von EMS basiert auf drei Säulen: Ernährung, Bewegung und medikamentöse Unterstützung.
1. Ernährungsumstellung (Fundamental)
Heu:
– Analyse auf WSC (Wasserlösliche Kohlenhydrate) — Ziel: <10% Trockenmasse
– Bei hohen WSC-Werten: Wässern (30-60 Minuten) reduziert Zuckergehalt um 30-50%
– Heuration: 1,5% des Körpergewichts pro Tag (langsam füttern)
Kraftfutter:
– Reduzieren oder komplett streichen
– Mineralfutter ohne Getreide/Melasse wählen
Weidegang:
– Eingeschränkt oder gestrichen bei akuter Hufrehe-Gefahr
– Wichtig: Die Empfehlung „Weide nur vor 8 Uhr“ ist zu vereinfacht!
– Bei Frost: WSC akkumuliert auch nachts — Frost erhöht den Zuckergehalt drastisch
– Bei Trockenstress: WSC steigt auch am Nachmittag
– Besser: Weide komplett sperren bei Hufrehe-Risiko oder Trockenrasen/Heunetze als Alternative
2. Bewegungstherapie
- Regelmäßige Bewegung verbessert Insulinsensitivität
- Start: Schritt-Handarbeit, langsame Steigerung
- Ziel: 30+ Minuten Bewegung täglich
- Bei Hufrehe: Erst nach tierärztlicher Freigabe
3. Medikamentöse Therapie (Evidenz-basiert)
Nicht alle Medikamente sind gleichwertig belegt. Hier die aktuelle Evidenz-Hierarchie (ACVIM 2019):
| Medikament | Evidenz-Level | Empfehlung | Bioverfügbarkeit |
|---|---|---|---|
| Levothyroxin | Hoch | Bei schwerer Adipositas, kurzfristig | Gut |
| Metformin | Niedrig | Nicht empfohlen (ACVIM 2019) | <5% beim Pferd |
| Pergolid | Hoch | Nur bei PPID, nicht bei reinem EMS | Gut |
Kritische Anmerkung zu Metformin:
Metformin hat beim Pferd eine Bioverfügbarkeit von unter 5% (Durham et al. 2019). Die ACVIM Consensus Statement 2019 empfiehlt es nicht für die EMS-Behandlung. Trotzdem wird es häufig verschrieben — sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über evidenzbasierte Alternativen.
Levothyroxin (Schilddrüsenhormon) zeigt bessere Evidenz zur Gewichtsreduktion, sollte aber nur kurzfristig (3-6 Monate) unter tierärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.
Vorbeugung: EMS beim Pferd verhindern
Für gefährdete Rassen
- Regelmäßige BCS-Kontrollen (alle 4-6 Wochen)
- Frühe Intervention bei Halskamm-Verfettung
- Proaktive Heuanalyse vor Weidesaison
Management-Optimierung
- Heufütterung statt Kraftfutter als Basis
- Bewegung als tägliche Routine (nicht als „Extra“)
- Stressreduktion (Paddockhaltung, Herdenanschluss)
- Regelmäßige Hufkontrolle (Hufschmied alle 6-8 Wochen)
Saisonale Besonderheiten
- Frühjahr: Weide langsam anführen (15 Min/Tag steigern)
- Herbst: ACTH-Werte kontrollieren (PPID-Risiko)
- Winter: Bei Frost kein Weidegang (WSC-Akkumulation)
Prognose: Verlauf und Remission
EMS ist eine chronische Erkrankung. Eine „vollständige Normalisierung“ ist nicht das richtige Konzept — stattdessen sprechen wir von Remission:
- Remission bedeutet: Klinische Symptome sind kontrolliert, Insulinwerte im Zielbereich
- Prädisposition bleibt: Genetische Anfälligkeit verschwindet nicht
- Rückfall-Risiko: Bei Management-Entgleisungen (z.B. unkontrollierter Weidegang)
Langfristige Prognose:
– Bei konsequentem Management: Gute Lebensqualität möglich
– Ohne Management: Wiederkehrende Hufrehe-Schübe, chronische Hufschäden
FAQ: Häufige Fragen zu EMS beim Pferd
Kann ein EMS-Pferd geheilt werden?
Nein. EMS ist chronisch. Aber Sie können Remission erreichen — das Pferd ist symptomfrei bei konsequentem Management.
Darf ein EMS-Pferd auf die Weide?
Eingeschränkt. Bei akuter Hufrehe-Gefahr: Nein. Bei stabilen Werten: Kurzzeitauslauf mit Monitoring. Bei Frost: Kein Weidegang (auch nicht nachts/morgens).
Wie oft sollte Insulin getestet werden?
- Initial: Basismessung + OST
- Nach 3-6 Monaten: Kontrolle nach Management-Änderungen
- Stabil: 1x jährlich, plus herbstliche ACTH-Kontrolle (PPID-Ausschluss)
Ist Hafer für EMS-Pferde tabu?
Ja. Hafer und alle getreidehaltigen Kraftfutter sollten vermieden werden. Alternative: Mineralfutter ohne Getreide/Melasse.
Kann EMS in PPID übergehen?
Nein. Es sind unterschiedliche Erkrankungen. Aber: Ein Pferd kann beides gleichzeitig haben (EMS + PPID). Dann sind beide Behandlungsprotokolle nötig.
Warum wirkt Metformin beim Pferd nicht?
Metformin hat <5% Bioverfügbarkeit beim Pferd (im Vergleich zu ~50-60% beim Menschen). Die ACVIM empfiehlt es nicht. Levothyroxin zeigt bessere Evidenz.
Fazit: EMS Pferd — Management ist der Schlüssel
EMS beim Pferd ist eine ernste, aber managbare Erkrankung. Die wichtigsten Punkte für Sie als Pferdebesitzer:
- Früherkennung zahlt sich aus — warten Sie nicht auf den ersten Hufrehe-Schub
- Ernährung ist fundamental — Heuanalyse und Weidemanagement sind nicht verhandelbar
- Medikamente kritisch prüfen — nicht alles, was verschrieben wird, ist evidenzbasiert
- PPID und EMS trennen — unterschiedliche Erkrankungen, unterschiedliche Behandlung
- Remission, nicht Heilung — lebenslanges Management erforderlich
Ihr Pferd kann mit EMS ein erfülltes Leben führen. Aber es braucht Ihre Aufmerksamkeit, Konsequenz und tierärztliche Begleitung.
Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Pferd von EMS betroffen ist?
Zögern Sie nicht und handeln Sie jetzt. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann Hufrehe und andere Folgeerkrankungen verhindern.
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Quellen: Durham AE, et al. (2019). ACVIM Consensus Statement on EMS. J Vet Intern Med; Frank N, et al. (2010). EMS. J Vet Intern Med; Menzies-Gow NJ, et al. (2017). EMS in UK native ponies. Equine Vet J.
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Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei ernsthaften Beschwerden oder Unsicherheiten bitte immer einen Tierarzt aufsuchen.
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